Podologe
Podologen sind medizinische Fußpfleger, die eigenverantwortlich Erkrankungen und Fehlbildungen des Fußes behandeln – auf ärztliche Verordnung. Sie arbeiten mit Nagelspangen, medizinischen Instrumenten und orthopädischen Einlagen an Patienten mit Diabetes, Nagelpilz oder Hornhautproblemen. Der Beruf eignet sich für Menschen mit handwerklichem Geschick, Einfühlungsvermögen und Interesse an Anatomie und medizinischer Pflege.
Ausbildungsdauer
2 Jahre
Azubi-Gehalt
700–1.100 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.200 €
nach der Ausbildung
Prüfung
Staatliche Prüfung
Was machst du als Podologe?
Morgens beginnt der Arbeitstag mit der Vorbereitung des Behandlungsplatzes: Instrumente wie Skalpell, Hohlmeißel, Küretten und Fräsgeräte werden sterilisiert, Einwegmaterialien bereitgelegt. Anschließend folgen Patientenbehandlungen nach ärztlicher Verordnung – zum Beispiel die Bearbeitung von Nagelmykosen mit Desinfektionsmitteln und antimykotischen Präparaten, das Abtragen übermäßiger Hyperkeratosen (Hornhaut) mit Diamantfräsern oder das Anlegen von Nagelkorrekturspangen bei Unguis incarnatus (eingewachsene Nägel). Nachmittags werden häufig Patienten mit diabetischem Fußsyndrom behandelt, bei denen besondere Hygiene- und Sorgfaltspflichten gelten. Auch die Dokumentation der Behandlungsverläufe in Patientenakten (analog oder digital, z. B. mit Praxissoftware wie Dampsoft) gehört dazu. Man arbeitet eng mit Hausärzten, Diabetologen, Orthopäden und Sanitätshäusern zusammen. Die Arbeitsumgebung ist ein medizinisch ausgestatteter Behandlungsraum in einer Praxis oder Klinik.
Wo arbeitest du?
Podologen arbeiten überwiegend in podologischen Praxen (häufig als Einzel- oder Gemeinschaftspraxen), in Diabetesschwerpunktpraxen, orthopädischen Fachkliniken, Pflegeheimen und Rehabilitationseinrichtungen. Große Krankenhäuser mit Wundzentren oder Diabetesambulanzen beschäftigen ebenfalls Podologen. Bekannte Träger sind Diakonie, Caritas, AWO und private Gesundheitskonzerne wie Median oder Helios. Der Fachkräftemangel in diesem Bereich ist ausgeprägt – qualifizierte Podologen werden bundesweit dringend gesucht.
Voraussetzungen
Die podologische Ausbildung verlangt medizinische Fachkenntnisse, wofür solides Grundwissen in Biologie und Chemie hilfreich ist, weshalb mindestens ein Realschulabschluss empfohlen wird. Zu den wichtigen Fächern zählen Biologie für Anatomie und Mikrobiologie, Chemie für Desinfektionsmittel und Arzneistoffe sowie Deutsch für Dokumentation und Patientengespräche. Sorgfalt und Präzision im Umgang mit Instrumenten sind unverzichtbar, ebenso Einfühlungsvermögen gegenüber oft schmerzgeplagten Patienten und Empathie im Umgang mit älteren und chronisch kranken Menschen. Da manche Behandlungssituationen wenig appetitlich sind, hilft ein stabiler Magen, und handwerkliches Geschick ist in jedem Fall Voraussetzung.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr stehen medizinische Grundlagen im Vordergrund: Anatomie und Physiologie des Fußes, allgemeine Krankheitslehre, Hygiene und Infektionsschutz sowie Grundlagen der Praxisorganisation. Außerdem werden einfache podologische Behandlungstechniken wie Hornhautabtragung und Nagelpflege erlernt. Im zweiten Lehrjahr vertiefen Auszubildende ihr Wissen über Erkrankungsbilder wie Diabetes mellitus, Nagelmykosen, Rheumatoidarthritis und Durchblutungsstörungen. Techniken wie das Anlegen von Nagelkorrekturspangen, die Herstellung podologischer Druckentlastungen aus Schaumstoff, Silikon oder Filz sowie das Erkennen therapiebedürftiger Befunde werden geübt. Im Gegensatz zur kosmetischen Fußpflege hat die podologische Ausbildung einen stark medizinischen Charakter: Behandlungen erfolgen auf ärztliche Verordnung, Arzneimittelkunde ist ein zentrales Fachgebiet, und Patientengespräche erfordern professionelle Kommunikation.
Staatliche Prüfung & Abschluss
Anders als bei IHK-Berufen gibt es keine gesonderte Zwischenprüfung; die gesamte Prüfung findet am Ende der zweijährigen Ausbildung nach dem Podologengesetz und der zugehörigen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung statt. Schriftlich müssen vier Klausuren bestanden werden: Podologie mit 120 Minuten, Allgemeine und spezielle Krankheitslehre mit 90 Minuten, Arzneimittelkunde mit 60 Minuten sowie Berufs- und Gesetzeskunde ebenfalls mit 60 Minuten. Der praktische Teil umfasst zwei podologische Behandlungen an echten Patienten mit Befunderhebung, Behandlungsplanung, Durchführung und Nachbereitung und dauert insgesamt rund 240 Minuten. Ergänzt wird das Ganze durch ein etwa 30-minütiges mündliches Prüfungsgespräch zu Fachthemen. Bestanden hat, wer in allen Prüfungsteilen mindestens ausreichende Leistungen, also 50 % der Punkte, erreicht.
Prüfungsthemen
- Podologie (Behandlungstechniken, Nagelkorrektur, Druckentlastung)
- Allgemeine und spezielle Krankheitslehre (Diabetes mellitus, Mykosen, Durchblutungsstörungen)
- Arzneimittelkunde (Desinfektionsmittel, Antimykotika, Wundversorgungsmittel)
- Berufs- und Gesetzeskunde (PodG, Hygieneverordnungen, Schweigepflicht)
- Anatomie und Physiologie des Fußes und des Bewegungsapparates
- Praktische Patientenbehandlung (Befunderhebung, Behandlungsdurchführung, Dokumentation)
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung können Podologen eine eigene Praxis gründen oder als angestellte Fachkraft in Praxen, Kliniken oder Pflegeeinrichtungen arbeiten. Als Weiterbildung bieten sich Spezialisierungen in der Wundversorgung (z. B. Zertifikat Wundexperte ICW) oder in der Orthopädie-Schuhtechnik-Kooperation an. Die Weiterbildung zum 'Medizinischen Fußtherapeuten DDG' (Deutsche Diabetes Gesellschaft) ist besonders für die Arbeit mit Diabetespatienten wertvoll. Ein Studium der Gesundheitswissenschaften, Pflegewissenschaften (B.Sc.) oder Medizinpädagogik ermöglicht Leitungspositionen in Ausbildungseinrichtungen. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Praxisinhaber, Ausbildungsleiter oder Fachberater in der Medizinprodukteindustrie realistisch. Gehälter steigen von ca. 2.200 EUR auf bis zu 3.500 EUR brutto monatlich als erfahrener Angestellter oder mehr als Selbstständiger.
Bewerbungstipps
Da Ausbildungsplätze an podologischen Fachschulen begrenzt sind und teils Wartelisten bestehen, sollte man sich bereits 12–18 Monate vorher, also ab dem Frühjahr des Vorjahres, bewerben. In die Mappe gehören Anschreiben, Lebenslauf, letztes Schulzeugnis und nach Möglichkeit Nachweise über Praktika in Pflegeberufen oder im Gesundheitswesen. Im Vorstellungsgespräch geht es typischerweise um die Motivation für den medizinischen Bereich, Erfahrungen mit pflegebedürftigen Menschen und die Belastbarkeit in hygienisch anspruchsvollen Situationen, und viele Fachschulen führen zusätzlich Eignungsgespräche durch, in denen Grundkenntnisse der Biologie geprüft werden. Praktika in Altenheimen, Arztpraxen oder kosmetischen Fußpflegestudios sowie ehrenamtliche Pflegeerfahrung wirken im Gespräch besonders überzeugend.
Ratgeber
Nagelmykosen behandeln, Hornhaut abtragen, eingewachsene Nägel korrigieren: Podologinnen und Podologen versorgen medizinische Fußprobleme, besonders häufig bei Patientinnen und Patienten mit diabetischem Fußsyndrom. Die zweijährige Ausbildung nach dem Podologengesetz wird mit 700 bis 1.100 Euro vergütet, der Einstieg danach liegt bei etwa 2.200 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Podologe in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Podologe?
Gibt es Spezialisierungen in der Podologie?
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Podologen benötigt?
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Podologen?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
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