Winzer
Winzer ist ein traditioneller Ausbildungsberuf in der Landwirtschaft, der die gesamte Weinproduktion vom Weinberg bis zur Flasche umfasst. Fachkräfte pflegen Rebstöcke, lesen Trauben, keltern Wein und vermarkten ihn. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit biologisch-chemischem Fachwissen und einem feinen Sensorik-Sinn. Er eignet sich besonders für Menschen mit Freude an Natur, Lebensmittelproduktion und saisonalem Arbeiten im Freien.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
620–900 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.200 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Winzer?
Der Arbeitsalltag eines Winzers ist stark saisonal geprägt. Im Frühjahr und Sommer verbringst du den Vormittag überwiegend im Weinberg: Du führst Rebschnitt mit Rebschere und Bügelsäge durch, bindest Triebe an Drahtrahmen, entblätterst Traubenzonen zur Luftzirkulation und bekämpfst Pilzkrankheiten wie Peronospora oder Oidium mit Kupfer- und Schwefelpräparaten mithilfe von Rückenspritzen oder Traktorgesprächen. Im Herbst steht die Weinlese im Mittelpunkt: Trauben werden von Hand oder mit dem Vollernter geerntet, anschließend in der Kellerei per Traubenmühle und Abbeerpresse verarbeitet. Nachmittags arbeitest du im Weinkeller: Du überwachst die alkoholische Gärung in Edelstahltanks oder Holzfässern, misst Mostgewichte mit dem Refraktometer, regulierst Temperaturen und führst Schwefeldosierungen durch. Im Frühjahr nach der Ernte füllen und etikettieren du den Wein, pflegst Barrique-Fässer und berätst Kunden im Weinverkauf. Du arbeitest eng mit Önologen, Betriebsleitern und saisonal beschäftigten Erntehelfern zusammen.
Wo arbeitest du?
Winzer arbeiten überwiegend in familiengeführten Weingütern kleiner bis mittlerer Betriebsgröße in den 13 deutschen Anbaugebieten, vor allem in Rheinhessen, der Pfalz, dem Moseltal, Baden, Württemberg und dem Rheingau. Daneben bieten Winzergenossenschaften, Staatsweingüter und Sektkellerein (z. B. Henkell Freixenet, Rotkäppchen-Mumm) Ausbildungsplätze. Es besteht ein deutlicher Fachkräftemangel, insbesondere in kleineren Weinbauregionen. Auch Weingüter in Österreich und der Schweiz bilden nach deutschem Recht ähnlich aus.
Voraussetzungen
Ein guter Hauptschulabschluss reicht formal, viele Betriebe bevorzugen jedoch einen Realschulabschluss. Wichtig sind Biologie für Botanik und Mikrobiologie, Chemie für Gärprozesse, pH-Werte und Säuremessung sowie Mathematik für Mengenkalkulation und Mostgewichtsberechnung. Wer Winzer werden möchte, sollte handwerklich geschickt sein, körperlich belastbar für Außenarbeit bei jedem Wetter und über eine ausgeprägte Sensorik für Geschmack und Geruch verfügen. Naturverbundenheit, Sorgfalt bei der Qualitätskontrolle und Bereitschaft zu saisonalen Überstunden während der Lese sind besonders wichtig.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr erwirbst du Grundkenntnisse des Weinbaus: Rebsortenkunde (Riesling, Spätburgunder, Müller-Thurgau), Boden- und Standortkunde, einfache Rebschnittmethoden sowie den sicheren Umgang mit Traktoren und Anbaugeräten. Du lernst grundlegende Kellerwirtschaft kennen, darunter Maische- und Mostbehandlung sowie Reinigung und Desinfektion von Behältern. Im zweiten Lehrjahr vertiefst du Pflanzenschutz, biologisch-integrierte Anbauverfahren und Bewässerungstechnik. In der Kellerei übst du Filtrationsverfahren, Schönung mit Bentonit oder Gelatine und Gärsteuerung. Im dritten Lehrjahr spezialisierst du dich auf Weinausbau in Holzfässern, Qualitätsprüfungen (Mostgewicht, Säuregehalt, Restzucker), gesetzliche Weinbezeichnungen nach dem Weingesetz sowie Direktvermarktung und Sensorik-Schulungen. Im Vergleich zur Ausbildung zum Landwirt liegt der Fokus klar auf Weinbau und Kellerwirtschaft statt auf allgemeiner Tierhaltung und Feldbau.
IHK-Prüfung & Abschluss
Teil 1 der Abschlussprüfung findet im Herbst des zweiten Ausbildungsjahres statt: eine rund dreistündige praktische Arbeitsaufgabe im Weinberg oder Weinkeller, etwa ein Rebschnitt oder die Planung einer Mostbehandlung. Teil 2 im Frühsommer des dritten Lehrjahres besteht aus vier schriftlichen Bereichen und einem Fachgespräch: Weinbau und Kellerwirtschaft (120 Minuten, 40 Prozent), Qualitätssicherung und Vermarktung (60 Minuten, 20 Prozent) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 20 Prozent); die praktische Aufgabe aus Teil 1 fließt mit 20 Prozent ein, ein rund 20-minütiges Fachgespräch kann die Note zusätzlich verbessern. In jedem Bereich sind mindestens 50 Punkte nötig, kein Bereich darf unter 30 Punkte fallen.
Prüfungsthemen
- Rebschnitt und Erziehungssysteme (Guyot, Kordon)
- Rebsortenkunde und Ampelographie
- Pflanzenschutz im Weinberg (Pilzkrankheiten, Schädlinge)
- Mostbehandlung und alkoholische Gärung
- Weinausbau: Filtration, Schönung, Schwefelung
- Weingesetz und Qualitätseinstufungen (QbA, Prädikatsweine)
- Sensorische Weinbeurteilung und Vermarktung
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung kann der Winzer den Geprüften Weinküfer (IHK) oder den Techniker Fachrichtung Weinbau und Önologie ablegen. Mit dem Weinbautechniker stehen Führungspositionen als Kellermeister oder Betriebsleiter in mittelständischen Weingütern offen. Ein weiterführendes Studium der Önologie (Bachelor of Science) an der Hochschule Geisenheim University ermöglicht den Einstieg in Forschung, internationale Weingüter oder Weinkontrolle. Nach 5–10 Jahren sind realistisch Positionen als Betriebsleiter, Kellermeister oder selbständiger Winzer im eigenen Familienbetrieb erreichbar. Spezialisierungen umfassen biologischen/biodynamischen Weinbau, Prädikatsweinerzeugung, Sekt- und Perlweinherstellung sowie Weintourismus und Direktvermarktung.
Aufstiegsfortbildung nach der Ausbildung
Bewerbungstipps
Da viele Betriebe früh planen, sollte die Bewerbung 12 bis 18 Monate vor dem Start im September oder Oktober eingehen. Anschreiben, Lebenslauf, die letzten zwei Zeugnisse und eventuelle Praktikumsnachweise in einem Weingut oder Gartenbaubetrieb gehören in die Mappe. Im Gespräch werden oft praktische Fragen zur Rebsortenkunde oder zu eigenen Weinerfahrungen gestellt, manche IHK-Bereiche verlangen zusätzlich einen Einstellungstest zu Biologie, Chemie und Mathematik. Ein Praktikum im Weingut, das Benennen von Weinregionen, eine stabile Sensorik und Begeisterung für Weinkultur überzeugen Ausbilder besonders; Kenntnisse in Traktortechnik oder ein Führerschein Klasse B sind ein deutlicher Pluspunkt.
Ratgeber
Winzer prägen den Weinberg saisonal: Im Frühjahr wird geschnitten und gebunden, im Sommer die Laubarbeit erledigt, im Herbst die Ernte eingebracht. Im Keller überwachen sie anschließend die Gärung, messen Mostgewichte und bereiten Weine zur Abfüllung vor. Die dreijährige BBiG-Ausbildung wird mit 620 bis 900 Euro vergütet, der Einstieg danach liegt bei etwa 2.200 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Winzer in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Winzer?
Gibt es beim Winzer verschiedene Spezialisierungen?
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Winzer benötigt?
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Winzer?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
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