Steuerfachangestellter
Steuerfachangestellte arbeiten in Steuerberatungskanzleien und bearbeiten die Finanzbuchhaltung, Lohnabrechnung und Steuererklärungen von Privatpersonen und Unternehmen. Der Beruf verbindet Zahlenaffinität mit rechtlichem Fachwissen und einer hohen Beratungsverantwortung. Er eignet sich besonders für Menschen, die präzise arbeiten, Freude an Gesetzestexten haben und gerne mit Mandanten kommunizieren.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
620–1.050 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.700 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Steuerfachangestellter?
Morgens beginnt der Arbeitstag in der Steuerberatungskanzlei mit der Prüfung und Verbuchung von Eingangs- und Ausgangsrechnungen in DATEV-Software (z. B. DATEV Kanzlei-Rechnungswesen Pro). Belege werden kontiert, Konten abgestimmt und Umsatzsteuervoranmeldungen vorbereitet, die elektronisch über das ELSTER-Portal an das Finanzamt übermittelt werden. Zu konkreten Aufgaben zählt das Erstellen der monatlichen Lohn- und Gehaltsabrechnungen für Mandantenbetriebe: Steuerklassen, Sozialversicherungsbeiträge, Lohnsteuerbescheinigungen und Meldungen an Krankenkassen werden im Programm DATEV Lohn und Gehalt bearbeitet. Nachmittags werden Jahresabschlüsse nach HGB vorbereitet, Einnahmen-Überschuss-Rechnungen (EÜR) erstellt oder Einkommensteuererklärungen für Privatmandanten ausgearbeitet. Man arbeitet eng mit Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Mandanten zusammen, nimmt Mandantenanfragen telefonisch entgegen und prüft Steuerbescheide auf Richtigkeit. Teamgespräche zu aktuellen Gesetzesänderungen gehören ebenfalls zum Alltag.
Wo arbeitest du?
Der typische Arbeitgeber ist die Steuerberatungskanzlei — von der kleinen Einzelkanzlei bis zur überregionalen Großkanzlei wie KPMG, Deloitte, BDO oder Mazars. Auch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Rechtsanwaltskanzleien mit Steuerabteilung sowie Steuerabteilungen mittelständischer Unternehmen stellen Steuerfachangestellte ein. Der Fachkräftemangel im Steuerberatungsbereich ist ausgeprägt: Kanzleien suchen händeringend qualifiziertes Personal, was die Ausbildungschancen und Einstiegsgehälter deutlich verbessert.
Voraussetzungen
Mindestens ein guter Realschulabschluss wird für diese Ausbildung erwartet, da das Steuerrecht mathematisches Verständnis und die Fähigkeit zum Lesen komplexer Gesetzestexte voraussetzt, viele Kanzleien bevorzugen Bewerber mit Abitur oder Fachhochschulreife. Mathematik, Deutsch und Wirtschaft/Sozialkunde zählen zu den wichtigsten Schulfächern. Freude an Zahlen und Präzision sollte vorhanden sein, ebenso Zuverlässigkeit und Diskretion angesichts der Schweigepflicht gegenüber Mandantendaten sowie eine strukturierte, selbstständige Arbeitsweise. Interesse an Gesetzestexten, Gewissenhaftigkeit und eine gute schriftliche Ausdrucksfähigkeit sind für diesen Beruf entscheidend.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Buchführung im Mittelpunkt: Kontenrahmen (SKR03, SKR04), doppelte Buchführung, einfache Geschäftsvorfälle sowie das Umsatzsteuerrecht. Die Auszubildenden lernen den Aufbau des deutschen Steuerrechts kennen und arbeiten sich in DATEV-Anwendungen ein. Berufsschulfächer wie Rechnungswesen und Steuerlehre bilden die theoretische Basis. Im zweiten Lehrjahr folgen Vertiefungen in Ertragsteuern (Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer), Lohnsteuer und Sozialversicherungsrecht. Jahresabschlüsse nach HGB und die Erstellung von Steuererklärungen für verschiedene Unternehmensformen werden geübt. Im dritten Lehrjahr werden komplexe Fälle aus Bilanzsteuerrecht, Erbschaft- und Schenkungsteuer sowie Abgabenordnung behandelt. Im Vergleich zu Bürokaufleuten liegt der Fokus klar auf steuerrechtlichem Fachwissen und gesetzeskonformer Mandantenberatung statt auf allgemeiner kaufmännischer Verwaltung.
IHK-Prüfung & Abschluss
Die Zwischenprüfung findet am Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt, meist im Frühjahr, und umfasst einen schriftlichen Teil von 180 Minuten zu Buchführung, Steuerlehre sowie Wirtschafts- und Sozialkunde. Die Abschlussprüfung Teil 2 wird durch die zuständige Steuerberaterkammer organisiert und besteht aus drei schriftlichen Aufsichtsarbeiten: Steuerlehre (240 Minuten, 40 Prozent), Rechnungswesen (180 Minuten, 30 Prozent) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 10 Prozent). Hinzu kommt eine mündliche Prüfung in Form eines Fachgesprächs von 20 bis 30 Minuten (20 Prozent), in dem ein konkreter Fall aus der Mandantenpraxis besprochen wird. Zum Bestehen muss in jedem Prüfungsbereich mindestens 50 von 100 Punkten erreicht werden, kein Bereich darf mit weniger als 30 Punkten abschließen. Bundeseinheitlich findet die Prüfung im Sommer schriftlich und im Herbst mündlich des dritten Ausbildungsjahres statt.
Prüfungsthemen
- Einkommensteuer (Ermittlung des zu versteuernden Einkommens, Veranlagung)
- Umsatzsteuer (Steuerbarkeit, Steuerpflicht, Vorsteuerabzug, Voranmeldung)
- Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer (Bemessungsgrundlagen, Hinzurechnungen)
- Buchführung und Jahresabschluss nach HGB (Bilanz, GuV, Bewertungsvorschriften)
- Lohnsteuer und Sozialversicherungsrecht (Lohnabrechnung, Steuerklassen, Meldeverfahren)
- Abgabenordnung (Fristen, Einspruchsverfahren, Festsetzungsverjährung)
- Wirtschafts- und Sozialkunde (Arbeitsrecht, Wirtschaftsordnung, Sozialversicherungssystem)
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung stehen verschiedene Weiterbildungswege offen: Der bekannteste ist der Steuerfachwirt (Steuerberaterkammer), der zur eigenständigen Sachbearbeitung und Teamleitung qualifiziert. Mit dem Steuerfachwirt und entsprechender Berufserfahrung kann die Zulassung zur Steuerberaterprüfung (Staatsexamen) angestrebt werden — das höchste Ziel im Berufsfeld. Alternativ bieten sich Studiengänge wie B.A. Steuern und Prüfungswesen, B.Sc. Betriebswirtschaftslehre oder ein duales Studium an. Als Bilanzbuchhalter (IHK) spezialisiert man sich auf Jahresabschlüsse und Controlling. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Teamleiter in einer Kanzlei, Prokurist oder selbstständiger Steuerberater realistisch. Das Gehalt steigt mit Weiterbildung von ca. 2.800 EUR auf 4.500–6.000 EUR brutto monatlich.
Aufstiegsfortbildung nach der Ausbildung
Fachwirt Wirtschaftsprüfung (WPK) →
Der Fachwirt Wirtschaftspruefung (WPK) richtet sich an Pruefungsassistent/-innen in Wirtschaftspruefungs- und Steuerkanzleien und wird von der Wirtschaftsprueferkammer selbst gepruefungsrechtlich geregelt.
Steuerfachwirt →
Der Steuerfachwirt (IHK) ist eine Aufstiegsfortbildung für Steuerfachangestellte und befähigt zu gehobenen Positionen in Steuerkanzleien, Finanzbehörden und der Unternehmensberatung. Mit diesem Fachwirt erhalten Absolventen erweiterte Kompetenzen in Steuerberatung, Betriebswirtschaft und Personalführung sowie die Berechtigung zur Ausbildung von Fachkräften.
Bewerbungstipps
Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor dem meist zum 1. September liegenden Ausbildungsstart eingereicht werden, also spätestens im Herbst des Vorjahres. Anschreiben, tabellarischer Lebenslauf, die letzten beiden Schulzeugnisse und gegebenenfalls ein Praktikumszeugnis aus einer Kanzlei gehören in die Mappe. Im Vorstellungsgespräch werden häufig einfache Rechenaufgaben, Grundlagenfragen zur Umsatzsteuer oder logische Denksportaufgaben gestellt, manche Kanzleien nutzen zusätzlich den IHK-Einstellungstest oder eigene Tests zu Mathematik und Deutsch. Ausbilder überzeugt besonders nachgewiesenes Interesse am Steuerrecht, etwa durch ein Praktikum in einer Kanzlei, dazu Genauigkeit, Verschwiegenheit sowie ein gepflegtes, seriöses Auftreten. Eigeninitiative beim Lesen von Wirtschaftsnachrichten und Kenntnisse in MS Office sind von Vorteil.
Ratgeber
Wer als Steuerfachangestellter arbeitet, kontiert Belege, bereitet Umsatzsteuervoranmeldungen über ELSTER vor und erstellt Lohn- und Gehaltsabrechnungen sowie Jahresabschlüsse nach HGB für Mandanten. Auch die Prüfung von Steuerbescheiden gehört zum Alltag. Die dreijährige Ausbildung nach BBiG wird mit 620 bis 1.050 Euro vergütet, danach liegt der Einstieg bei rund 2.700 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Steuerfachangestellter in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Steuerfachangestellter?
Gibt es Spezialisierungen innerhalb der Ausbildung zum Steuerfachangestellten?
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Steuerfachangestellten benötigt?
Bei welchen Arbeitgebern und in welchen Branchen arbeiten Steuerfachangestellte?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Ähnliche Berufe in Recht und Öffentliche Verwaltung
Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste
Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste erschließen, verwalten und vermitteln Informationen in Bibliotheken, Archiven, Behörden oder Dokumentationsstellen. Sie katalogisieren Medien, recherchieren in Datenbanken und beraten Nutzer bei der Informationssuche. Der Beruf eignet sich für Menschen mit Freude an Ordnung, digitalen Recherchesystemen und dem Umgang mit vielfältigen Medienformen – von historischen Akten bis zu digitalen Datenbanken.
3 Jahre →
Justizfachangestellter
Justizfachangestellte arbeiten in Gerichten und Staatsanwaltschaften und halten den Justizbetrieb am Laufen. Sie bearbeiten Akten, fertigen Protokolle bei Verhandlungen an und erteilen Auskünfte an Bürgerinnen und Bürger. Der Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem Ordnungssinn, Interesse am Rechtssystem und der Fähigkeit, auch in stressigen Situationen präzise zu arbeiten.
3 Jahre →
Patentanwaltsfachangestellter
Patentanwaltsfachangestellte unterstützen Patentanwälte bei der Anmeldung, Verwaltung und Verteidigung von gewerblichen Schutzrechten wie Patenten, Gebrauchsmustern, Marken und Designs. Der Beruf verbindet juristische Fachkenntnisse mit technischem Verständnis und internationaler Korrespondenz. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Recht, Technik und Fremdsprachen, die präzise und strukturiert arbeiten möchten.
3 Jahre →
Rechtsanwaltsfachangestellter
Rechtsanwaltsfachangestellte organisieren den Bürobetrieb in Anwaltskanzleien und unterstützen Rechtsanwälte bei der täglichen Arbeit. Sie berechnen Anwaltsgebühren nach dem RVG, führen Fristen- und Wiedervorlagekalender und erstellen Schriftsätze. Der Beruf eignet sich für Menschen mit Interesse an Recht, Sprache und strukturierter Büroorganisation, die präzise und zuverlässig arbeiten.
3 Jahre →