Stanz- und Umformmechaniker stellen metallische Bauteile durch Stanzen, Biegen, Tiefziehen und Prägen her und warten die dazugehörigen Werkzeuge und Maschinen. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit maschinentechnischem Verständnis und hoher Präzision im Mikrometerbereich. Er eignet sich für technisch interessierte Menschen, die gerne an modernen CNC-Stanzen und Umformpressen arbeiten und Qualitätsbewusstsein mitbringen.
Ausbildungsdauer
3.5 Jahre
Azubi-Gehalt
620–950 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.500 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Morgens beginnt der Arbeitstag mit der Kontrolle der Stanzautomaten und Exzenterpressen auf Öl- und Betriebsmittelfüllstände sowie der Einrichtung der Werkzeuge nach Rüstplan. Mithilfe von CNC-Steuerungen (z. B. Siemens SINUMERIK) werden Programme aufgerufen, Materialvorschübe aus Coilband eingestellt und Probeläufe gefahren. Anschließend werden Erstmuster mit Messschieber, Bügelmessschraube und Koordinatenmessgerät geprüft und die Fertigungsfreigabe dokumentiert. Nachmittags überwacht man laufende Serienproduktionen auf Maßhaltigkeit und Oberflächenqualität, wechselt verschlissene Stanz- und Schneidwerkzeuge, schleift Stempel nach und rüstet Werkzeuge im Werkzeugbau um. Typische Beispielaufgaben: das eigenständige Rüsten einer Folgeverbundwerkzeugpresse für ein neues Blechstanzteil sowie das Erstellen eines Prüfprotokolls nach Zeichnung (DIN ISO 2768). Man arbeitet eng mit Werkzeugmachern, Qualitätsprüfern und Produktionsplanern zusammen.
Stanz- und Umformmechaniker arbeiten überwiegend in der metallverarbeitenden Industrie: Automobilzulieferer (z. B. Schaeffler, Brose, Bosch), Elektrotechnikhersteller (Kontaktteile, Stanzgitter), Hausgeräteindustrie sowie spezialisierte Stanz- und Umformtechnikbetriebe (KMU). Typische Arbeitgeber sind mittelständische Lohnfertiger mit 50–500 Mitarbeitern sowie Großkonzerne der Metallbranche. Der Fachkräftemangel in diesem spezialisierten Bereich ist ausgeprägt – gut ausgebildete Fachkräfte werden dringend gesucht.
Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss), da technische Zeichnungen, CNC-Programmierung und Qualitätsdokumentation gute Kenntnisse in Mathematik, Physik und Technik erfordern. Auch mit Hauptschulabschluss ist eine Ausbildung bei geeigneten Betrieben möglich. Wichtige Schulfächer sind Mathematik (Toleranzrechnung, Geometrie), Physik (Kräfte, Materialkunde) und Technik/Werken. Persönlich sollte man technisches Verständnis, räumliches Vorstellungsvermögen, Sorgfalt im Umgang mit engen Maßtoleranzen, körperliche Belastbarkeit sowie Teamfähigkeit und Zuverlässigkeit mitbringen.
Im 1. Lehrjahr werden Grundlagen der Metallbearbeitung vermittelt: manuelles Feilen, Sägen, Bohren, Gewindeschneiden sowie das Lesen technischer Zeichnungen und Werkstoffkunde (Stahl, Aluminium, Kupferlegierungen). Grundlagen der Messtechnik mit Messschieber und Bügelmessschraube stehen ebenfalls im Fokus. Ab dem 2. Lehrjahr folgen Vertiefungen in der Stanztechnik (Schneid- und Umformverfahren, Werkzeugaufbau), dem Einrichten und Bedienen von mechanischen und hydraulischen Pressen sowie der CNC-Programmierung von Stanzautomaten. Qualitätssicherung nach ISO-Normen, Wartung von Werkzeugen (Schleifen von Schneidstempeln, Härteverfahren) und Arbeitssicherheit an kraftbetriebenen Maschinen werden intensiv geschult. Im 3. Lehrjahr kommen Fehleranalyse, Prozessoptimierung und betriebswirtschaftliche Grundlagen hinzu. Im Vergleich zum Werkzeugmechaniker liegt der Schwerpunkt nicht auf der Herstellung, sondern auf dem Betrieb und der Optimierung von Umformwerkzeugen und -maschinen.
Die Zwischenprüfung findet am Ende des 2. Lehrjahres (ca. Frühjahr, Monat März/April) statt. Sie besteht aus einem schriftlichen Teil mit zwei Prüfungsbereichen à je 90 Minuten (Fertigungstechnik sowie Technische Mathematik/Zeichnung) und einer praktischen Aufgabe (ca. 4 Stunden), bei der ein einfaches Bauteil manuell gefertigt und gemessen wird. Die Abschlussprüfung (Teil 2) findet am Ende des 3. Lehrjahres statt (Sommer, ca. Juni). Sie gliedert sich in folgende Prüfungsbereiche: - Praktische Arbeitsaufgabe (Einrichten einer Stanzmaschine und Fertigen einer Bauteileerie): 7 Stunden, Gewichtung 50 % - Fertigungstechnik (schriftlich): 120 Minuten, Gewichtung 15 % - Auftragsplanung und Qualitätssicherung (schriftlich): 60 Minuten, Gewichtung 15 % - Wirtschafts- und Sozialkunde (schriftlich): 60 Minuten, Gewichtung 10 % - Fachgespräch zur praktischen Aufgabe: ca. 20 Minuten, Gewichtung 10 % Zum Bestehen sind in jedem Prüfungsbereich mindestens 30 Punkte und im Gesamtergebnis mindestens 50 Punkte (von 100) erforderlich.
Prüfungsthemen
Nach der Ausbildung stehen verschiedene Weiterbildungswege offen: Der Industriemeister Metall (IHK) ermöglicht nach 2–3 Jahren Praxis den Einstieg in Schicht- oder Teamleitung. Der staatlich geprüfte Techniker Fachrichtung Maschinentechnik oder Umformtechnik qualifiziert für technische Planungs- und Entwicklungsaufgaben. Wer studieren möchte, kann über eine Berufsausbildung + Fachhochschulreife ein Studium im Bereich Maschinenbau, Produktionstechnik oder Werkzeugbau (Bachelor of Engineering) aufnehmen. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Fertigungsleiter, Werkzeugkonstrukteur, Prozessingenieur oder technischer Vertrieb für Pressenwerkzeuge realistisch. Spezialisierungen bestehen in der Feinschneidtechnik, dem Tiefziehen von Karosserieteilen oder der Mikrostanztechnik für Elektronikbauteile. Das Gehalt steigt von ca. 2.400 EUR brutto auf über 4.000 EUR mit Meisterbrief.
Bewerbungen sollten 12–18 Monate vor Ausbildungsstart (also ab Herbst/Winter für den folgenden August/September) eingereicht werden, da viele Industriebetriebe früh planen. Die Bewerbungsmappe sollte ein individuelles Anschreiben mit Bezug auf Metallverarbeitung oder Technikprojekte, einen tabellarischen Lebenslauf und aktuelle Schulzeugnisse enthalten. Viele IHK-Betriebe nutzen den IHK-Einstellungstest oder eigene technische Eignungstests (Grundrechenarten, räumliches Denken, technisches Verständnis). Im Vorstellungsgespräch werden handwerkliches Geschick und Kenntnisse über Stanzverfahren oder Metallwerkstoffe positiv bewertet. Wer ein Schulpraktikum oder Ferienjob in einem Metallbetrieb vorweisen kann, hat klare Vorteile. Pünktlichkeit, sorgfältige Arbeit und Interesse an Maschinentechnik überzeugen Ausbilder nachhaltig.
Ratgeber
Der Stanz- und Umformmechaniker ist ein 3,5-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG im Bereich der Metallberufe. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 620 und 950 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.500 Euro brutto monatlich.
Industriemechaniker
Industriemechaniker stellen Maschinen, Anlagen und Baugruppen her, montieren und warten sie in industriellen Fertigungsbetrieben. Der Beruf verbindet präzise Metallbearbeitung mit moderner CNC-Technik und Hydraulik. Er eignet sich für technisch interessierte Menschen mit handwerklichem Geschick, die gerne an komplexen Maschinen arbeiten und systematisch Fehler analysieren.
3 Jahre →
Konstruktionsmechaniker
Konstruktionsmechaniker fertigen und montieren Stahlkonstruktionen, Behälter, Rohrleitungen und Schweißkonstruktionen aus Metall. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick beim Trennen, Umformen und Fügen von Metallteilen mit technischem Verständnis für Konstruktionspläne und Zeichnungen. Er eignet sich besonders für Menschen, die gerne körperlich arbeiten, präzise arbeiten können und Interesse an Metall, Schweißen und dem Bau großer Stahlstrukturen haben.
3 Jahre →
Produktionstechnologe
Produktionstechnologen planen, steuern und überwachen industrielle Fertigungsprozesse in der Metallindustrie. Sie optimieren Produktionsabläufe, richten CNC-Maschinen und automatisierte Fertigungsanlagen ein und sorgen für die Einhaltung von Qualitäts- und Sicherheitsstandards. Der Beruf eignet sich für technisch Interessierte mit Freude an Automatisierung, Datenanalyse und prozessoptimiertem Denken.
3 Jahre →
Gold- und Silberschmied
Gold- und Silberschmiede gestalten und fertigen Schmuck sowie kunsthandwerkliche Gegenstände aus Edelmetallen wie Gold, Silber und Platin, oft ergänzt durch Edelsteine und andere Materialien. Die Arbeit verbindet handwerkliches Geschick mit künstlerischem Gestaltungswillen auf höchstem Niveau. Dieser Beruf eignet sich für Menschen mit einem ausgeprägten Sinn für Ästhetik, Feinmotorik und Freude an der Arbeit mit wertvollen Materialien.
3 Jahre →