🧭AG
← Alle Berufe

Gießereimechaniker

Gießereimechaniker stellen Metallgussteile her, indem sie flüssige Metalle wie Aluminium, Gusseisen oder Stahl in Formen gießen und die entstandenen Werkstücke nachbearbeiten. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit technischem Verständnis für Metallurgie, Formenbau und Maschinenbedienung. Er eignet sich besonders für Menschen, die körperliche Arbeit in einem industriellen Umfeld schätzen und Interesse an Werkstoffen und Fertigungstechnik mitbringen.

Ausbildungsdauer

3.5 Jahre

Azubi-Gehalt

620–950 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2.500 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Gießereimechaniker?

Der Arbeitsalltag findet überwiegend in Gießereihallen statt, die durch hohe Temperaturen, Lärm und Staub geprägt sind. Persönliche Schutzausrüstung wie Hitzeschutzanzug, Sicherheitsschuhe und Schutzbrille sind dabei selbstverständlich. Morgens überprüfst du Schmelzöfen (z. B. Induktionsöfen oder Kupolöfen), kontrollierst Schmelztemperaturen per Pyrometer und richtest Kokillengießmaschinen oder Druckgussanlagen ein. Du bereitest Sandformen am Kernkasten vor, mischst Formsand und sorgst für die exakte Positionierung der Gießkerne. Anschließend wird die Schmelze abgestochen und in die vorbereiteten Formen gegossen. Nachmittags entnimmst du die erstarrten Rohgussteile, trennst Angüsse und Steiger mit Sägen oder Schleifmaschinen ab und reinigst die Teile in Strahlkabinen (z. B. Sandstrahlanlage). Du führst Maßkontrollen mit Messschieber und Lehren durch, erkennst Gussfehler wie Lunker, Poren oder Kaltläufe und dokumentierst Produktionsdaten im ERP-System. Enge Zusammenarbeit mit Modellbauern, Qualitätsprüfern und Schmelzmeistern ist dabei täglich.

Wo arbeitest du?

Gießereimechaniker arbeiten überwiegend in industriellen Gießereibetrieben und Zulieferunternehmen der Automobil-, Maschinenbau- und Luft-/Raumfahrtbranche. Bekannte Arbeitgeber sind BMW, Mercedes-Benz, Georg Fischer, Nemak, Trimet Aluminium sowie mittelständische Spezialgießereien. In Deutschland gibt es rund 600 Gießereibetriebe mit ca. 80.000 Beschäftigten. Es besteht ein spürbarer Fachkräftemangel, insbesondere in Druckguss- und Aluminium-Gießereien, was die Beschäftigungsaussichten sehr positiv macht.

Voraussetzungen

Ein Hauptschulabschluss genügt formal, in der Praxis stellen viele Betriebe jedoch lieber Azubis mit Realschulabschluss ein. Wichtige Schulfächer sind Physik mit Wärmelehre und Aggregatzuständen, Chemie mit Legierungen und Reaktionen, Mathematik für Maß- und Gewichtsberechnungen sowie Technik. Wer die Hitzearbeit an Schmelzöfen körperlich durchsteht, technisches Verständnis für Maschinen und Anlagen mitbringt und bei Qualitätskontrollen sorgfältig vorgeht, passt gut in diesen Beruf. Teamfähigkeit, echtes Interesse an Werkstoffen und Fertigungsprozessen sowie Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit gefährlichen Schmelzen sind ebenso entscheidend.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Metalltechnik im Mittelpunkt: Werkstoffkunde (Eisen, Stahl, Aluminium, Kupferlegierungen), Arbeitssicherheit in der Gießerei, Handhabung von Handwerkzeugen sowie einfache Messverfahren mit Messschieber und Winkelmesser. Außerdem lernst du die Grundprinzipien des Schmelzens und Gießens kennen. Im zweiten Lehrjahr vertiefen sich die Kenntnisse zu Formherstellungsverfahren (Sandguss, Kokillen- und Druckguss), Kernherstellung, Maschineneinrichtung und Schmelzmetallurgie. Du arbeitest an Kreiselsandaraturen, Kernschießmaschinen und lernst Wärmebehandlungsverfahren kennen. Im dritten Lehrjahr spezialisierst du dich je nach Betrieb auf eine Fachrichtung: Handformguss, Maschinenformguss oder Druckguss. Dazu gehören Fehleranalyse, Prozessoptimierung, CNC-gestützte Nachbearbeitung sowie Qualitätssicherung nach DIN-Normen. Im Vergleich zu verwandten Berufen wie Industriemechaniker liegt der Fokus klar auf Schmelz- und Gießprozessen sowie Formenbau.

Gießereitechnik (Formgebung, Schmelztechnik, Nachbehandlung)WerkstoffkundeTechnische MathematikTechnisches Zeichnen / CAD-GrundlagenWirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Teil 1, die frühere Zwischenprüfung, findet zum Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt, meist im Frühjahr zwischen April und Mai: eine rund dreistündige praktische Prüfung zum Herstellen einer Sandgussform oder eines Kerns sowie eine 60-minütige schriftliche Aufgabe zu Werkstoffkunde und Formtechnik. Im vierten Halbjahr, meist im November, folgt Teil 2 mit vier Bereichen: Gießen und Nachbehandeln als siebenstündige praktische Arbeitsaufgabe (50 Prozent), Formgebung und Schmelztechnik schriftlich (120 Minuten, 20 Prozent), Werkstoffkunde und Qualitätsprüfung schriftlich (90 Minuten, 20 Prozent) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde schriftlich (60 Minuten, 10 Prozent). In jedem Bereich müssen mindestens 50 von 100 Punkten erreicht werden; ein bis zu 15-minütiges Fachgespräch kann Teil der Bewertung der praktischen Aufgabe sein.

Prüfungsthemen

  • Schmelztechnik und Schmelzmetallurgie (Legierungen, Temperaturen, Öfen)
  • Formherstellungsverfahren (Sandguss, Kokillenguss, Druckguss)
  • Kernherstellung und Formstoffkunde
  • Gussfehleranalyse und Qualitätssicherung (Lunker, Poren, Kaltläufe)
  • Nachbehandlung und Entkernen von Gussteilen
  • Werkstoffkunde (Gusseisen, Aluminium-, Kupfer- und Zinklegierungen)
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung stehen folgende Weiterbildungswege offen: - **Industriemeister Fachrichtung Metall (IHK)**: nach 2–3 Jahren Berufspraxis, ermöglicht Schicht- oder Produktionsleitung - **Techniker Maschinentechnik (staatlich geprüft)**: 2-jährige Fachschule, führt zu technischer Führungsverantwortung - **Bachelor of Engineering Gießereitechnik**: z. B. an der Hochschule Aalen oder RWTH Aachen - **Gießereifachmann/-frau (DGFG)**: branchenspezifische Weiterbildung des Deutschen Gießerei-Verbands Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Schmelzmeister, Fertigungsleiter oder Qualitätssicherungsbeauftragter realistisch. Gehalt nach Ausbildung: ca. 2.400–2.800 € brutto/Monat, mit Meister oder Techniker bis 4.500 € möglich.

Bewerbungstipps

Zwischen Oktober und März des Vorjahres, also 12 bis 18 Monate vor dem September-Start, sollten Bewerbungen eingereicht werden. Die Mappe umfasst Anschreiben, Lebenslauf, aktuelle Schulzeugnisse sowie gegebenenfalls Nachweise über Praktika in Metall- oder Industriebetrieben. Viele Gießereiunternehmen führen einen betriebsinternen Eignungstest zu technischem Verständnis, räumlichem Denken und Grundrechenarten durch. Im Vorstellungsgespräch überzeugen Bewerber mit Kenntnissen über Gusswerkstoffe, ehrlichem Interesse an Hitze- und Schwerstarbeit sowie ersten Erfahrungen aus Schülerpraktika in Metallbetrieben. Ein Hinweis auf besuchte Berufsinformationsabende des Deutschen Gießerei-Verbands oder Ausbildungsmessen wirkt bei Ausbildern sehr positiv.

Werbung
Professionelle Bewerbungsunterlagen erstellen lassen -- Die Bewerbungsschreiber

Mehr Tipps: Bewerbung für die Ausbildung schreiben →

Ratgeber

Im Mittelpunkt der Tätigkeit als Gießereimechaniker steht das Schmelzen von Metall in Induktions- oder Kupolöfen und der Guss in vorbereitete Sandformen, gefolgt vom Trennen von Angüssen und Steigern nach dem Erstarren. Maßkontrolle und die Erkennung von Gussfehlern wie Lunkern gehören dazu. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre nach BBiG, vergütet mit 620 bis 950 Euro, der Einstieg liegt bei etwa 2.500 Euro.

Häufige Fragen

Wie viel verdient man als Gießereimechaniker in der Ausbildung?
Das Ausbildungsgehalt als Gießereimechaniker liegt bei etwa 620–950 Euro pro Monat. Nach der Ausbildung liegt das Einstiegsgehalt bei etwa 2.500 Euro monatlich.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Gießereimechaniker?
Die duale Ausbildung zum Gießereimechaniker dauert regulär 3.5 Jahre. In dieser Zeit wechselst du zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb.
Welche Fachrichtungen gibt es bei der Ausbildung zum Gießereimechaniker?
Die Ausbildung zum Gießereimechaniker wird in verschiedenen Fachrichtungen angeboten, darunter Handformguss, Maschinenformguss, Druck- und Kokillenguss sowie Feinguss. Je nach Fachrichtung spezialisiert man sich auf unterschiedliche Gießverfahren und Werkstoffe wie Eisen, Stahl, Aluminium oder Kupferlegierungen. Die Wahl der Fachrichtung hängt in der Regel vom Ausbildungsbetrieb ab.
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Gießereimechaniker?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis stellen viele Betriebe Bewerber mit einem Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss ein. Gute Noten in Mathematik, Physik und Technik sind von Vorteil, da das Berufsfeld ein grundlegendes technisches Verständnis erfordert.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Gießereimechaniker?
Gießereimechaniker sind vor allem in der metallverarbeitenden Industrie tätig, insbesondere in Gießereien und Metallbetrieben. Wichtige Abnehmerbranchen sind die Automobil- und Maschinenbauindustrie, der Anlagenbau sowie die Luft- und Raumfahrt. Arbeitgeber reichen von kleinen Spezialgießereien bis hin zu großen Industriekonzernen wie Zulieferern der Automobilindustrie.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung können Gießereimechaniker verschiedene Weiterbildungen absolvieren, etwa zum Gießereimeister oder zum Techniker der Fachrichtung Metalltechnik. Mit der Meister- oder Technikerprüfung erwirbt man in vielen Bundesländern die Fachhochschulreife und kann damit ein technisches Studium aufnehmen. Alternativ bieten sich auch Studiengänge wie Werkstofftechnik oder Maschinenbau über den zweiten Bildungsweg an.

Ähnliche Berufe in Metallberufe

Büchsenmacher

Büchsenmacher sind Spezialisten für die Herstellung, Reparatur und Wartung von Schusswaffen, Jagdwaffen und Sportwaffen. Sie verbinden präzises Handwerk mit tiefem Wissen über Mechanik, Ballistik und Gesetzgebung. Der Beruf eignet sich für technisch versierte Menschen mit hohem Qualitätsbewusstsein, Fingerspitzengefühl und Interesse an Jagd- oder Sportschießen.

3 Jahre →

Fachkraft für Metalltechnik - Fachrichtung Konstruktionstechnik

Die Fachkraft für Metalltechnik in der Fachrichtung Konstruktionstechnik stellt metallische Konstruktionen und Baugruppen nach technischen Zeichnungen her. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit technischem Verständnis für Werkstoffe, Maßtoleranzen und Fertigungsverfahren. Er eignet sich für Menschen, die gerne präzise mit Metall arbeiten und technische Zeichnungen lesen und umsetzen wollen.

2 Jahre →

Metallbildner

Metallbildner fertigen kunsthandwerkliche und technische Objekte aus Metallen wie Kupfer, Messing, Silber und Edelstahl – von Skulpturen und Reliefs über Schilder und Beschläge bis hin zu Fassadenverkleidungen. Der Beruf vereint traditionelles Handwerk mit modernen Fertigungstechniken und erfordert sowohl gestalterisches Talent als auch handwerkliches Geschick. Er eignet sich für Menschen, die kreativ arbeiten möchten und Freude an präziser, sorgfältiger Metallverarbeitung haben.

3 Jahre →

Fachkraft für Metalltechnik - Fachrichtung Montagetechnik

Die Fachkraft für Metalltechnik in der Fachrichtung Montagetechnik montiert und demontiert metallische Baugruppen, Konstruktionen und Anlagen nach technischen Zeichnungen und Montageplänen. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit technischem Verständnis für Verbindungstechniken und Maschinenkunde. Er eignet sich besonders für Menschen, die präzise mit Werkzeugen arbeiten möchten und Interesse an mechanischen Systemen sowie körperlich-aktivem Arbeiten haben.

2 Jahre →