Schiffsmechaniker
Schiffsmechaniker sorgen für den sicheren Betrieb, die Wartung und Instandhaltung von Seeschiffen – von der Maschinenanlage bis zur Decksausrüstung. Der Beruf verbindet nautische Grundkenntnisse mit maschinentechnischem Handwerk und wird auf Handelsschiffen, Fähren oder Offshore-Fahrzeugen ausgeübt. Er eignet sich für Menschen, die das Arbeitsleben auf See suchen, technisches Verständnis mitbringen und teamorientiert in internationalen Besatzungen arbeiten möchten.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
600–950 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.800 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Schiffsmechaniker?
Der Arbeitsalltag an Bord richtet sich nach festen Wachdiensten, meist im 4-Stunden-Rhythmus. Morgens beginnt der Dienst mit der Maschinenraumkontrolle: Schiffsmechaniker überprüfen Dieselmotoren (z. B. MAN B&W Zweitaktmotoren), Hilfsmaschinen, Pumpen und Separatoren auf Betriebszustand, lesen Manometer und Thermometer ab und tragen Messwerte in das Maschinenraum-Logbuch ein. Auf Deck werden Anker- und Festmachereinrichtungen, Ladegeschirr, Lukendeckel (z. B. MacGregor-Luken) sowie Rettungsmittel geprüft und gewartet. Nachmittags stehen häufig Instandhaltungsarbeiten an: Schweißen, Drehen an der Drehbank, Austausch von Dichtungen, Überholung von Deckskränen oder Wartung der Feuerlöschanlage. Schiffsmechaniker arbeiten eng mit Schiffsoffizieren (Nautiker und Ingenieure), Bootsleuten und Elektriker-Kollegen zusammen. Zwei typische Arbeitsaufgaben sind das Schmieren und Einstellen von Ankerwindengetrieben sowie das Überwachen der Kläranlage für Schmutzwasser gemäß MARPOL-Vorschriften.
Wo arbeitest du?
Schiffsmechaniker arbeiten bei Reedereien wie Hapag-Lloyd, Hartmann Reederei, Mecklenburger Reederei oder Scandlines. Einsatzbereiche sind Containerschiffe, Tankschiffe, Fährschiffe, Offshore-Versorgungsfahrzeuge und Forschungsschiffe (z. B. beim Alfred-Wegener-Institut). Daneben bieten Werften (z. B. Lloyd Werft Bremerhaven, Blohm+Voss) Beschäftigungsmöglichkeiten. Es besteht ein deutlicher Fachkräftemangel im Seefahrtsbereich, was die Einstellungschancen für qualifizierte Absolventen erheblich verbessert.
Voraussetzungen
Ein Realschulabschluss wird empfohlen, viele Reedereien akzeptieren aber auch einen guten Hauptschulabschluss. Besonders wichtig sind Mathematik für Berechnungen von Drücken, Leistungen und Mengen, Physik für Thermodynamik und Hydraulik sowie Englisch für die internationale Fachsprache an Bord. Körperliche Belastbarkeit, Seediensttauglichkeit mit ärztlichem Attest nach der See-BKV, technisches Verständnis und die Bereitschaft zu langen Bordabwesenheiten sollten Bewerber mitbringen. Teamfähigkeit in multinationalen Besatzungen sowie Verantwortungsbewusstsein für Sicherheit und Umweltschutz sind unerlässlich.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr erwerben Auszubildende handwerkliche Grundlagen: Feilen, Bohren, Drehen, Schweißen (MAG/E-Hand), Messen mit Schublehre und Mikrometer sowie Grundkenntnisse der Hydraulik und Pneumatik. Sicherheitsvorschriften nach SOLAS und STCW werden frühzeitig vermittelt. Im zweiten Lehrjahr vertiefen die Auszubildenden Kenntnisse über Schiffsmotoren, Pumpenanlagen, Schiffselektrik (12/24 V und 440 V Bordnetz) und Wartung von Decksmaschinen. Das dritte Lehrjahr findet überwiegend an Bord eines Schiffes statt (Bordpraktikum). Hier werden Bugstrahlruder, Ruderanlagen, Ballastsysteme und Rettungsmittel (Rettungsboote, EPIRBs) eigenständig betreut. Im Unterschied zu Industriemechanikern arbeiten Schiffsmechaniker stets im maritimen Kontext mit internationalen Regelwerken wie ISM-Code und MARPOL.
IHK-Prüfung & Abschluss
Die Prüfung wird von der Bundeslotsenkammer beziehungsweise der zuständigen IHK oder Handelskammer Hamburg abgenommen und ist zweigeteilt. Teil 1, die Zwischenprüfung, findet zur Mitte des zweiten Lehrjahres statt: schriftlich 90 Minuten zu Grundlagen der Metalltechnik sowie eine 90-minütige praktische Aufgabe im Bereich Fertigung und Montage. Teil 2 am Ende des dritten Lehrjahres umfasst die schriftlichen Bereiche Schiffsbetrieb und Schiffssicherheit (120 Minuten, 30 Prozent) sowie Maschinen- und Systemtechnik (120 Minuten, 30 Prozent) und Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 10 Prozent), dazu eine rund 14-stündige praktische Prüfung an Bord oder in der Lehrwerkstatt (20 Prozent) mit abschließendem 20-minütigem Fachgespräch (10 Prozent). Im Gesamtergebnis sind mindestens 50 Punkte nötig, kein Bereich darf unter 30 Punkte fallen.
Prüfungsthemen
- Schiffsbetrieb und Schiffssicherheit (SOLAS, ISM-Code, Rettungsmittel)
- Maschinen- und Systemtechnik (Schiffsdieselmotoren, Pumpen, Separatoren)
- Decksausrüstung und Umschlagtechnik (Ladegeschirr, Winden, Luken)
- Umweltschutz auf See (MARPOL, Kläranlage, Ölwasserabscheider)
- Fertigungstechnik und Instandhaltung (Schweißen, Drehen, Messen)
- Wirtschafts- und Sozialkunde
- Hydraulik und Pneumatik an Bord
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung können Schiffsmechaniker die Befähigung zum Schiffsbetriebsmeister (Nautisch-Technischer Schiffsoffizier, NTB) über Lehrgänge an Seefahrtschulen wie der Hochschule Bremen oder der Hochschule Flensburg erwerben. Darüber hinaus ist der Aufstieg zum Schiffsingenieur (Wachtingenieur, Leitender Ingenieur) über ein Studium zum Bachelor of Engineering im Bereich Schiffsbetriebstechnik möglich. An Land bieten sich Positionen als Techniker im Schiffsservice, Sachverständiger bei Klassifikationsgesellschaften (z. B. DNV, Bureau Veritas) oder als Wartungskoordinator in Reedereien an. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Gehälter von 4.500–6.500 EUR brutto monatlich erreichbar; Leitende Ingenieure auf großen Containerschiffen erzielen über 8.000 EUR.
Aufstiegsfortbildung nach der Ausbildung
Bewerbungstipps
Da Reedereien früh planen, sollten Bewerbungen 12 bis 18 Monate vor dem gewünschten Start im September oder Oktober eingereicht werden. Die Mappe enthält Anschreiben, tabellarischen Lebenslauf, aktuelle Schulzeugnisse, das Ergebnis eines Seediensttauglichkeitstests - eine Voruntersuchung ist empfehlenswert - sowie gegebenenfalls Nachweise über Ferienpraktika oder Segelscheine. Im Vorstellungsgespräch werden technisches Grundverständnis, die Motivation für die Seefahrt und Englischkenntnisse geprüft, einige Reedereien und die Handelskammer Hamburg setzen zudem einen standardisierten Einstellungstest mit mathematischen und technisch-physikalischen Aufgaben ein. Bewerber überzeugen besonders durch nachgewiesenes handwerkliches Geschick, Erfahrungen auf Segeljollen oder in technischen AGs sowie durch glaubhafte Begeisterung für das Leben an Bord.
Ratgeber
Bei Schiffsmechanikern dreht sich der Wachdienst an Bord um die Kontrolle von Dieselmotoren, Pumpen und Ladegeschirr sowie um Instandhaltungsarbeiten wie Schweißen oder das Überholen von Deckskränen. Die dreijährige BBiG-Ausbildung wird mit 600 bis 950 Euro vergütet, der Einstieg danach liegt bei rund 2.800 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Schiffsmechaniker in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Schiffsmechaniker?
Gibt es beim Schiffsmechaniker Spezialisierungen oder Fachrichtungen?
Welcher Schulabschluss ist für die Ausbildung zum Schiffsmechaniker erforderlich?
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Schiffsmechaniker?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
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