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Medizinischer Fachangestellter

Früher: Medizinischer Fachangestellter (MFA)

Medizinische Fachangestellte (MFA) arbeiten in Arztpraxen, medizinischen Versorgungszentren und Kliniken und unterstützen Ärzte bei Diagnose, Behandlung und Verwaltung. Der Beruf verbindet medizinisch-pflegerische Tätigkeiten wie Blutabnahmen und EKG-Messungen mit administrativer Arbeit wie Terminverwaltung und Abrechnung. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Medizin, Organisationstalent und ausgeprägtem Einfühlungsvermögen im Umgang mit Patienten.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

620–1.050 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2.100 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Medizinischer Fachangestellter?

Der Arbeitstag beginnt morgens mit der Vorbereitung der Praxis: Instrumente sterilisieren im Autoklaven, Behandlungsräume herrichten, das Praxisverwaltungssystem (z. B. TurboMed, Medistar oder Dampsoft) hochfahren und Tagestermine koordinieren. Beim Einlass der ersten Patienten werden Krankenversicherungskarten eingelesen, Stammdaten gepflegt und Wartezeiten kommuniziert. Zu den zentralen medizinischen Tätigkeiten gehören venöse Blutentnahmen mit Vacutainer-System, kapilläre Blutuntersuchungen am Analysegerät (z. B. i-STAT oder HemoCue), Blutdruckmessung, Pulsoxymetrie, Spirometrie und 12-Kanal-EKG-Ableitungen. Verbandwechsel, Wundversorgung und das Assistieren bei kleinen chirurgischen Eingrif­fen runden das medizinische Aufgabenspektrum ab. Nachmittags stehen häufig Abrechnungsarbeiten nach EBM (Einheitlicher Bewertungsmaßstab) und GOÄ sowie die Kodierung mit ICD-10-Schlüsseln an. MFA arbeiten eng mit Ärzten, anderen MFA-Kollegen und medizinischen Labors zusammen und übernehmen telefonische Beratung sowie die Koordination von Überweisungen.

Wo arbeitest du?

MFA arbeiten überwiegend in niedergelassenen Arztpraxen aller Fachrichtungen (Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Gynäkologie, Orthopädie, Dermatologie) sowie in medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und Polikliniken. Krankenhäuser, Rehabilitationskliniken und betriebsärztliche Dienste von Großunternehmen wie Volkswagen oder Bayer beschäftigen ebenfalls MFA. Der Fachkräftemangel ist ausgeprägt: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung meldet bundesweit mehrere Zehntausend unbesetzte Stellen, was die Jobsicherheit für ausgebildete MFA außerordentlich hoch macht.

Voraussetzungen

Für die MFA-Ausbildung wird mindestens ein Realschulabschluss empfohlen, da umfangreiche Schreib- und Rechenkenntnisse sowie das Verständnis medizinischer Zusammenhänge gefragt sind. Zu den wichtigen Fächern zählen Biologie für Anatomie und Physiologie, Chemie für Laborgrundlagen, Deutsch für Patientenkommunikation und Dokumentation sowie Mathematik für Abrechnungen und Dosierungsberechnungen. Persönlich überzeugen Bewerber mit Empathie gegenüber kranken Menschen, Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten und Stressresistenz im oft hektischen Praxisbetrieb. Sorgfalt bei medizinischen Tätigkeiten sowie echtes Interesse an naturwissenschaftlichen Zusammenhängen runden das Profil ab.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr werden Grundlagen der Anatomie und Physiologie, Hygiene (RKI-Richtlinien, Händedesinfektion, Sterilisation), erste Assistenzaufgaben beim Arzt sowie grundlegende Verwaltungsaufgaben wie Terminplanung und Karteiführung vermittelt. Außerdem wird der Umgang mit Praxisverwaltungssoftware eingeführt. Im zweiten Lehrjahr vertiefen Auszubildende medizinisch-technische Fertigkeiten: Blutentnahme, EKG, Lungenfunktionsmessung, Urinstatus und einfache Labordiagnostik im Praxislabor. Abrechnung nach EBM und GOÄ sowie Datenschutz nach DSGVO gewinnen an Bedeutung. Im dritten Lehrjahr folgen Spezialisierungen je nach Fachrichtung der Praxis (z. B. Pädiatrie, Orthopädie, Dermatologie), vertieftes Qualitätsmanagement (QM-Systeme nach DIN EN ISO 9001), Pharmakologie und Notfallmanagement inklusive Reanimationsübungen. Im Vergleich zur Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten liegt der Fokus stärker auf internistischer Diagnostik und Allgemeinmedizin statt auf zahnärztlichen Behandlungsassistenz.

BehandlungsassistenzPraxisorganisation und -verwaltungAbrechnung und RechnungswesenKommunikation und PatientenbetreuungBiologie und Krankheitslehre

IHK-Prüfung & Abschluss

Am Ende des zweiten Ausbildungsjahres, meist im Frühjahr, steht die Zwischenprüfung an: ein 120-minütiger schriftlicher Test zu medizinischen Grundlagen, Hygiene und Verwaltung, der nicht in die Abschlussnote einfließt. Die eigentliche Abschlussprüfung (Teil 2) besteht aus drei Bereichen: "Behandlungsassistenz" mit 120 Minuten und Fragen zu Diagnostik, Pharmakologie und Notfallmaßnahmen (Gewichtung 35 %), "Praxisorganisation und -verwaltung" mit 90 Minuten schriftlich zu Abrechnung nach EBM und GOÄ, ICD-10-Kodierung und Datenschutz (ebenfalls 35 %) sowie ein praktischer Teil "Patientenbegleitung und Praxisorganisation" von etwa 60–90 Minuten mit anschließendem Fachgespräch von rund 15 Minuten (30 %). Bestanden hat, wer in allen drei Bereichen mindestens ausreichende Leistungen, also 50 von 100 Punkten, erreicht, wobei ein Ausgleich zwischen den schriftlichen Bereichen unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist.

Prüfungsthemen

  • Medizinische Diagnostik und Behandlungsassistenz (EKG, Spirometrie, Blutentnahme)
  • Labordiagnostik und Mikroskopie im Praxislabor
  • Abrechnung nach EBM und GOÄ sowie ICD-10-Kodierung
  • Hygiene, Sterilisation und Infektionsschutz nach RKI-Richtlinien
  • Pharmakologie, Arzneimittelkunde und Impfwesen
  • Notfallmanagement und Erste Hilfe in der Praxis
  • Datenschutz (DSGVO), Qualitätsmanagement und Praxisorganisation

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung bieten sich zahlreiche Weiterbildungswege: Die IHK-Fortbildung zur 'Fachwirtin für ambulante medizinische Versorgung' (ehemals Praxismanagerin) qualifiziert für Leitungsaufgaben in großen Praxen und MVZ. Spezialisierungen als 'Medizinische Fachangestellte mit Fortbildung in der onkologischen Schwerpunktpraxis' oder als 'Wundassistentin (ICW)' eröffnen Nischen. Der Aufstieg zur leitenden MFA oder Praxismanagerin ist nach 3–5 Jahren realistisch, verbunden mit Gehaltssprüngen auf 2.400–3.200 EUR brutto. Über den Zweiten Bildungsweg oder Abitur sind Studiengänge wie Gesundheitsmanagement (B.A.), Pflegewissenschaft oder Humanmedizin erreichbar. Im Bereich Industrie bieten Pharmaunternehmen und Medizintechnikhersteller Positionen als Außendienstmitarbeiter oder Clinical Sales Specialist.

Bewerbungstipps

Da der Ausbildungsstart meist im Oktober liegt, sollten die Unterlagen bereits ab Herbst des Vorjahres, also 12–18 Monate vorher, verschickt werden. Das Anschreiben sollte sich konkret auf die Fachrichtung der jeweiligen Praxis beziehen, ergänzt durch Lebenslauf, aktuelles Schulzeugnis und Praktikumsnachweise aus einer Arztpraxis oder dem sozialen Bereich. Viele Praxen und Berufsverbände setzen einen IHK-Einstellungstest oder eigene Tests zu Allgemeinwissen, Textverständnis und Rechenaufgaben ein, und im Vorstellungsgespräch wird häufig nach der Motivation sowie dem Umgang mit Ekel, Stress und Diskretion gefragt. Wer ein Praktikum in einer Praxis nachweisen kann, den Praxisalltag realistisch einschätzt und glaubhaft Freude am direkten Patientenkontakt vermittelt, hat gute Chancen.

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Ratgeber

Wer als Medizinischer Fachangestellter arbeitet, sterilisiert Instrumente im Autoklaven, nimmt Blut ab, misst EKG, Blutdruck und Lungenfunktion und übernimmt zusätzlich die Abrechnung nach EBM und GOÄ sowie die ICD-10-Kodierung in der Arztpraxis. Die dreijährige BBiG-Ausbildung wird mit 620 bis 1.050 Euro vergütet, der Berufseinstieg liegt bei rund 2.100 Euro.

Häufige Fragen

Wie viel verdient man als Medizinischer Fachangestellter in der Ausbildung?
Das Ausbildungsgehalt als Medizinischer Fachangestellter liegt bei etwa 620–1.050 Euro pro Monat. Nach der Ausbildung liegt das Einstiegsgehalt bei etwa 2.100 Euro monatlich.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Medizinischer Fachangestellter?
Die duale Ausbildung zum Medizinischer Fachangestellter dauert regulär 3 Jahre. In dieser Zeit wechselst du zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb.
Gibt es Spezialisierungen oder Fachrichtungen im MFA-Beruf?
Der MFA-Beruf selbst ist nicht in offizielle Fachrichtungen unterteilt, jedoch können sich Fachkräfte nach der Ausbildung durch Fortbildungen spezialisieren, etwa als Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen, als Praxismanager oder in speziellen medizinischen Bereichen wie Abrechnung oder Chirurgie. Die Spezialisierung ergibt sich häufig durch die Fachrichtung der jeweiligen Arztpraxis, z. B. Pädiatrie, Dermatologie oder Orthopädie.
Welcher Schulabschluss wird für die MFA-Ausbildung benötigt?
Formal ist kein bestimmter Schulabschluss gesetzlich vorgeschrieben, jedoch stellen die meisten Ausbildungsbetriebe Bewerber mit einem mittleren Schulabschluss (Realschule) ein. Ein Hauptschulabschluss ist in Einzelfällen ebenfalls möglich, wenn die sonstigen Leistungen und sozialen Kompetenzen überzeugen. Gute Noten in Biologie, Deutsch und Mathematik sind von Vorteil.
In welchen Bereichen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten MFAs?
Medizinische Fachangestellte arbeiten hauptsächlich in niedergelassenen Arztpraxen aller Fachrichtungen sowie in Gemeinschaftspraxen und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ). Weitere Arbeitgeber sind Krankenhäuser, Rehakliniken, Gesundheitsämter und Pflegeeinrichtungen. Auch in der Pharmaindustrie oder bei Krankenkassen finden MFAs Beschäftigung.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der MFA-Ausbildung?
Nach der Ausbildung stehen zahlreiche Fortbildungswege offen, darunter die Qualifikation zur Medizinischen Fachwirtin oder zum Praxismanager. Mit einschlägiger Berufserfahrung kann unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne Abitur ein Studium, z. B. Pflegemanagement, Gesundheitswissenschaften oder Medizin, aufgenommen werden. Viele Bundesländer ermöglichen den Hochschulzugang über die Begabtenprüfung oder durch Kombination von Ausbildung und Weiterbildungsabschlüssen.

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