Orthoptist
Orthoptisten sind spezialisierte Fachkräfte im Bereich der Augenheilkunde, die Sehstörungen, Schielerkrankungen und Störungen der Augenbeweglichkeit diagnostizieren und behandeln. Die Ausbildung verbindet medizinisches Fachwissen mit therapeutischer Arbeit an Patienten aller Altersgruppen – von Säuglingen bis zu Senioren. Besonders geeignet ist der Beruf für Menschen mit hohem Einfühlungsvermögen, handwerklichem Geschick und naturwissenschaftlichem Interesse.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
700–1.100 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.600 €
nach der Ausbildung
Prüfung
Staatliche Prüfung
Was machst du als Orthoptist?
Der Arbeitsalltag eines Orthoptisten findet überwiegend in der ophthalmologischen Klinik oder augenärztlichen Praxis statt. Morgens beginnt die Arbeit mit der Vorbereitung der Untersuchungsräume und dem Sichten der Patientenakten im Klinik-Informationssystem (z. B. Orbis oder SAP IS-H). Anschließend werden Patienten empfangen und anamnestische Erstgespräche geführt. Zu den zentralen Tätigkeiten gehören die Messung von Sehschärfe und Sehvermögen mit Sehprobentafeln (z. B. Snellen-Tafeln, LEA-Symbole), die Untersuchung des Binokularsehens mit dem Synoptophor sowie die Messung des Schielwinkels mittels Prismenleiste und Maddox-Kreuz. Nachmittags werden orthoptische Übungsbehandlungen durchgeführt, beispielsweise Okklusionstherapie (Abkleben) bei Amblyopie oder Prismenbrillenanpassung. Außerdem assistieren Orthoptisten bei ophthalmologischen Untersuchungen, dokumentieren Befunde und besprechen Therapieverläufe mit Augenärzten und medizinischem Personal. Elternberatung bei Kinderpatienten und die Erstellung von Behandlungsplänen gehören ebenfalls zum Alltag.
Wo arbeitest du?
Orthoptisten arbeiten überwiegend in ophthalmologischen Kliniken und Universitätskliniken (z. B. Charité Berlin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf), in niedergelassenen Augenarztpraxen und augenärztlichen Gemeinschaftspraxen sowie in MVZ (Medizinische Versorgungszentren). Weitere Arbeitgeber sind Rehabilitationszentren für Sehbehinderte, Schulen für Sehbehinderte und Blindeneinrichtungen. Es besteht ein deutlicher Fachkräftemangel, da die Zahl der Ausbildungsplätze begrenzt und die Nachfrage durch die alternde Bevölkerung stetig steigt.
Voraussetzungen
Für die Ausbildung wird ein mittlerer Bildungsabschluss vorausgesetzt, wobei viele Ausbildungsstätten wegen der hohen naturwissenschaftlichen Anforderungen Bewerber mit Fachhochschulreife oder Abitur bevorzugen. Besonders wichtig sind gute Kenntnisse in Biologie, Physik und Mathematik. Da Orthoptisten mit Patienten aller Altersgruppen arbeiten, sind Einfühlungsvermögen und speziell im Umgang mit Kindern viel Geduld gefragt. Für die Bedienung empfindlicher Messgeräte braucht es feinmotorisches Geschick und eine ausgeprägte Beobachtungsgabe. Interesse an medizinischen Zusammenhängen sowie die Bereitschaft zu kontinuierlicher Weiterbildung sind ebenfalls unerlässlich.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr werden naturwissenschaftliche und medizinische Grundlagen vermittelt: Anatomie und Physiologie des Auges, Optik und Dioptrik, allgemeine Krankheitslehre sowie Grundlagen der Hygiene und Patientenversorgung. Erste einfache orthoptische Untersuchungstechniken wie die Visusprüfung werden praktisch geübt. Im zweiten Lehrjahr folgt die Vertiefung: Neuroophthalmologie, Elektrophysiologie (ERG, VEP), Perimetrie, Tonometrie und Refraktionsbestimmung. Studierende lernen den Umgang mit Spaltlampe, Synoptophor und Okklusionstechniken. Im dritten Lehrjahr stehen Spezialbereiche wie Low-Vision-Rehabilitation, pädiatrische Ophthalmologie, Kontaktlinsenanpassung und die Anleitung von Patienten im Mittelpunkt. Im Vergleich zu Augenoptikern liegt der Schwerpunkt weniger auf der Glasoptik, sondern auf medizinisch-therapeutischer Diagnostik und Behandlung von Sehfunktionsstörungen.
Staatliche Prüfung & Abschluss
Die Ausbildung endet mit einer staatlichen Prüfung nach der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Orthoptisten. Eine formelle Zwischenprüfung gibt es nicht, dafür regelmäßige interne Leistungskontrollen während der Ausbildung. Am Ende des dritten Jahres folgt die Abschlussprüfung mit schriftlichem, mündlichem und praktischem Teil. Schriftlich sind drei Klausuren von je 90 Minuten mit Multiple-Choice- und Freitextaufgaben zu bestehen: Orthoptik und Pleoptik, Augenheilkunde sowie Anatomie, Physiologie, Allgemeine Krankheitslehre und Optik. Mündlich wird pro Prüfling etwa 30 Minuten über alle Ausbildungsfächer geprüft. Im praktischen Teil werden zwei orthoptische Untersuchungen an echten Patienten durchgeführt, jeweils rund 45–60 Minuten, mit vollständiger Befunderhebung, Dokumentation und anschließendem Fachgespräch. Bestanden hat, wer in allen Prüfungsteilen mindestens ausreichende Leistungen, also 50 % der Punkte, erreicht.
Prüfungsthemen
- Orthoptik und Pleoptik (Schieldiagnostik, Amblyopiebehandlung, Synoptophor)
- Augenheilkunde (Erkrankungen des vorderen und hinteren Augenabschnitts, Glaukom, Katarakt)
- Anatomie und Physiologie des Auges sowie der Sehbahn
- Optik und Dioptrik (Linsen, Prismen, Refraktion)
- Allgemeine Krankheitslehre und Neuroophthalmologie
- Elektrophysiologie und Perimetrie
- Patientenkommunikation und Dokumentation
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung stehen verschiedene Weiterbildungswege offen. Der Erwerb eines Bachelor of Science (B.Sc.) in Orthoptik ist an Hochschulen wie der DHBW Stuttgart oder der HAW Hamburg möglich und öffnet Türen für Leitungspositionen und Forschung. Die Weiterbildung zur 'Leitenden Orthoptistin/zum Leitenden Orthoptisten' ermöglicht die Übernahme von Führungsverantwortung in Kliniken. Spezialisierungen sind in den Bereichen pädiatrische Ophthalmologie, Low-Vision-Rehabilitation, neuroophthalmologische Diagnostik oder Elektrophysiologie möglich. Ein weiterführendes Masterstudium in Gesundheitswissenschaften oder ein Studium der Humanmedizin sind ebenfalls denkbare Wege. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Stationsleitung, Lehrorthoptistin an Berufsfachschulen oder Referentin bei medizinischen Gerätherstellern (z. B. Haag-Streit, Zeiss) realistisch.
Bewerbungstipps
Weil die Bewerbungsverfahren an den Berufsfachschulen früh beginnen, sollten die Unterlagen 12–18 Monate vor dem gewünschten Start eingereicht werden. Neben einem Motivationsschreiben mit klarem Bezug zur Augenheilkunde gehören die Zeugnisse der letzten zwei Jahre sowie Praktikumsnachweise aus Augenarztpraxen oder Kliniken in die Mappe. Im Vorstellungsgespräch stehen Motivation, Kenntnisse über das Berufsbild und der Umgang mit Patienten im Mittelpunkt. Einige Schulen verlangen zusätzlich einen Eignungstest mit naturwissenschaftlichen Aufgaben aus Optik und Biologie sowie zum räumlichen Vorstellungsvermögen. Ein vorheriges Praktikum in einer Augenarztpraxis oder Augenklinik ist dringend empfehlenswert und wird von vielen Ausbildungsstätten sogar vorausgesetzt.
Ratgeber
In der Augenklinik oder Praxis messen Orthoptistinnen und Orthoptisten Sehschärfe und Schielwinkel, untersuchen das Binokularsehen am Synoptophor und behandeln etwa Amblyopie mit Okklusionstherapie. Die dreijährige Ausbildung nach dem Orthoptistengesetz wird mit 700 bis 1.100 Euro vergütet, der Einstieg liegt bei rund 2.600 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Orthoptist in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Orthoptist?
Gibt es Spezialisierungen im Beruf des Orthoptisten?
Welcher Schulabschluss ist für die Ausbildung zum Orthoptisten erforderlich?
Bei welchen Arbeitgebern und in welchen Branchen sind Orthoptisten tätig?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Ähnliche Berufe in Gesundheit, Körperpflege, Soziales
Augenoptiker
Augenoptiker fertigen und passen Sehhilfen individuell an – von der Refraktionsbestimmung über die Brillenglasauswahl bis zur Kontaktlinsenanpassung. Der Beruf verbindet handwerkliche Präzision mit medizinischem Fachwissen und intensiver Kundenberatung. Er eignet sich für Menschen, die technisches Geschick, ein Auge für Design und echtes Interesse an Gesundheitsthemen mitbringen.
3 Jahre →
Masseur
Masseure und medizinische Bademeister sind Fachkräfte im Gesundheitswesen, die therapeutische Massagen, Bäder und physikalische Anwendungen durchführen. Die Ausbildung verbindet anatomisches Fachwissen mit praktischen Handgriffen und physikalischen Heilmethoden. Der Beruf eignet sich für Menschen mit Interesse an Gesundheit, körperlicher Arbeit und dem direkten Umgang mit Patienten.
2.5 Jahre →
Medizinischer Technologe für Radiologie
Medizinische Technologen für Radiologie (MTR) sind in der Röntgendiagnostik (Computertomographie, Magnetresonanztomographie, Röntgen, digitale Subtraktionsangiographie), der Strahlentherapie, der Nuklearmedizin und der Dosimetrie tätig. Der Beruf hieß bis 2023 radiologisch-technischer Assistent (RTA) und zählt zu den besonders gefragten Gesundheitsfachberufen mit sehr guten Berufsaussichten.
3 Jahre →
Altenpflegehelfer
Der Altenpflegehelfer ist ein einjähriger bis anderthalbjahriger staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, der auf die unterstützende Pflege älterer Menschen in stationären und ambulanten Einrichtungen vorbereitet. Anders als examinierte Altenpfleger übernehmen Altenpflegehelfer delegierbare Pflegetätigkeiten unter Aufsicht und sind damit ein unverzichtbares Bindeglied im Pflegeteam. Der Beruf eignet sich besonders für Menschen, die schnell in die Pflege einsteigen möchten, eine Basis für die dreijährige Pflegeausbildung legen wollen oder nach einem Quereinstieg suchen. Da die Ausbildungsstrukturen je nach Bundesland leicht variieren, gelten unterschiedliche Schul- und Praktikumsanforderungen.
1.5 Jahre →