Zimmerer
Zimmerer fertigen und errichten Holzkonstruktionen im Hochbau: Dachstühle, Fachwerkhäuser, Holzrahmenwände und Carports. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit statischem Verständnis und naturnahem Werkstoff. Er eignet sich für Menschen, die körperlich aktiv arbeiten, gerne im Freien und auf Dächern tätig sind und ein Gespür für Holzverbindungen und Maßgenauigkeit mitbringen.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
620–1.050 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.600 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Zimmerer?
Morgens trifft das Zimmerer-Team auf der Baustelle ein, prüft Pläne und richtet den Arbeitsbereich ein. Mit Kettensäge, Handkreissäge, Stemmeisen und Winkelschleifer werden Holzbalken aus Fichte oder Lärche abgelängt, Zapfen und Zapfenlöcher für traditionelle Blattverbindungen gestemmt sowie Sparren und Pfetten zugeschnitten. Moderne Abbundmaschinen (z. B. CNC-Abbundanlage) übernehmen in Zimmereien die computergesteuerte Vorfertigung ganzer Dachstuhlteile. Nachmittags erfolgt die Montage auf dem Rohbau: Balken werden mit Hilfe eines Krans und Kettenzügen positioniert, verschraubt und mit Sparrenpfettenankern gesichert. Ein weiteres Beispiel aus dem Berufsalltag: das Aufbringen von Holzschalung und Unterspannbahn als Vorbereitung für den Dachdecker. Zimmerer arbeiten eng mit Polieren, Bauleitern, Statikern und Dachdeckern zusammen und nutzen Software wie SEMA oder CAD-Abbundprogramme für die Maßplanung im Büro.
Wo arbeitest du?
Zimmerer arbeiten überwiegend in kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben (2–50 Mitarbeitende), im ländlichen Raum aber auch in größeren Holzbauunternehmen wie Rubner Holzbau, Kaufmann Zimmerei & Sägerei oder regionalen Zimmereien. Einsatzbereiche sind Wohnungsbau, Gewerbebau, Denkmalpflege und Fertighausproduktion. Große Fertighaushersteller wie Schwörer, Bien-Zenker oder Fingerhaus beschäftigen Zimmerer in der industriellen Vorfertigung. Es besteht bundesweit deutlicher Fachkräftemangel, besonders in Bayern, Baden-Württemberg und NRW.
Voraussetzungen
Wer als Zimmerer auf Dachstühlen und Rohbauten arbeiten will, sollte mindestens einen guten Hauptschulabschluss mitbringen; viele Betriebe stellen inzwischen lieber Realschulabsolventen ein, weil das Berechnen von Schifterschnitten und statischen Anschlüssen ein sicheres Gefühl für Zahlen verlangt. In der Schule zählen vor allem Mathematik mit Geometrie und Trigonometrie, dazu Werken/Technik und Physik. Da die Montage von Balken und Sparren meist in mehreren Metern Höhe stattfindet, muss Schwindelfreiheit selbstverständlich sein, ebenso körperliche Fitness und die Fähigkeit, sich Bauteile räumlich vorzustellen, bevor sie zugeschnitten werden. Sorgfalt beim Anreißen und Messen entscheidet über die Passgenauigkeit jeder Verbindung, und wer Freude am Werkstoff Holz hat, findet in diesem Beruf schnell seinen Platz. Auf der Baustelle zählen außerdem Teamgeist und Verlässlichkeit, weil ein Abbund nur im eingespielten Team gelingt.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im 1. Lehrjahr stehen Holzbearbeitungsgrundlagen im Mittelpunkt: Holzarten erkennen, manuelles und maschinelles Sägen, Hobeln, Bohren sowie grundlegende Mess- und Anzeichentechniken. Auszubildende lernen Unfallverhütungsvorschriften, Werkzeugpflege und einfache Zimmerarbeiten wie das Herstellen von Verbindungsmitteln. Im 2. Lehrjahr vertiefen sie Holzverbindungen (Versatz, Überblattung, Zapfen), erlernen die Berechnung von Dachneigungen und Schifterschnitte sowie den Umgang mit Abbundmaschinen. Im 3. Lehrjahr liegt der Schwerpunkt auf komplexen Dachformen (Walm, Mansarde, Krüppelwalm), Holzrahmenbau, der Montage vorgefertigter Elemente sowie energetischer Sanierung von Holzkonstruktionen. Die Ausbildung unterscheidet sich von Tischlern durch den Fokus auf tragende Konstruktionen im Außenbereich statt auf Möbel- und Innenausbau.
IHK-Prüfung & Abschluss
Am Ende des zweiten Ausbildungsjahres, meist im April oder Mai, steht Teil 1 der gestreckten Gesellenprüfung an: In rund sechs Stunden fertigen die Auszubildenden ein Zimmererbauteil mit Holzverbindung, etwa einen Sparrenanschluss, nach Zeichnung an, ergänzt durch eine 120-minütige schriftliche Prüfung zu Technologie, Mathematik und Holzkunde. Teil 2 folgt am Ende des dritten Lehrjahres, terminlich entweder im Januar/Februar oder im Juni/Juli. Den Kern bildet die praktische Arbeitsaufgabe Herstellen einer Holzkonstruktion mit etwa sieben Stunden Bearbeitungszeit, die mit 50 Prozent in die Note einfließt. Hinzu kommen drei schriftliche Prüfungsbereiche: Holzbaukonstruktion mit 150 Minuten und 20 Prozent Gewichtung, Bauphysik und Baukonstruktion mit 90 Minuten und ebenfalls 20 Prozent sowie Wirtschafts- und Sozialkunde mit 60 Minuten und 10 Prozent Anteil. Bestanden ist die Prüfung, wenn in jedem der genannten Bereiche mindestens 50 von 100 Punkten erreicht werden; ein freiwilliges Fachgespräch kann auf Antrag die praktische Note noch verbessern.
Prüfungsthemen
- Holzverbindungen und Abbundtechniken (Zapfen, Versatz, Überblattung)
- Dachkonstruktionen und Schifterschnittberechnung
- Holzrahmenbau und Wandelementkonstruktion
- Bauphysik (Wärme-, Feuchte- und Schallschutz)
- Holzwerkstoffe und Holzkunde
- Aufmaß, Mengenermittlung und Bauzeichnung
- Wirtschafts- und Sozialkunde
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Gesellenprüfung sind typische Einstiegspositionen Zimmerergeselle auf der Baustelle oder in der Vorfertigung. Mit einigen Jahren Berufserfahrung bieten sich folgende Weiterbildungen an: Zimmerpolier (HwO), Meister im Zimmererhandwerk (HwO-Meisterprüfung, ermöglicht eigenen Betrieb und Ausbildungsberechtigung), staatlich geprüfter Bautechniker Fachrichtung Holztechnik oder Hochbau. Passende Studiengänge sind Holztechnik (B. Eng.), Bauingenieurwesen oder Architektur – teils über duales Studium. Führungspositionen nach 5–10 Jahren: Polier, Bauleiter, Werkmeister in der Abbundhalle, Betriebsinhaber. Spezialisierungen: Holzrahmenbau, energetische Altbausanierung, Denkmalpflege, Ingenieurholzbau.
Aufstiegsfortbildung nach der Ausbildung
Bewerbungstipps
Wer eine Zimmererlehre anstrebt, sollte sich bereits 12 bis 18 Monate vor dem gewünschten Start bewerben, also im Herbst des Vorjahres zwischen September und November, weil Handwerksbetriebe ihre Ausbildungsplätze früh vergeben. Zur Bewerbungsmappe gehören Anschreiben, tabellarischer Lebenslauf und das letzte Schulzeugnis; ein Praktikumszeugnis aus einer Zimmerei wiegt dabei besonders schwer. Im Vorstellungsgespräch geht es meist um vorhandenes handwerkliches Vorwissen, erste Erfahrungen im Umgang mit Werkzeug und die persönliche Motivation für den Werkstoff Holz. Eignungstests sind im Zimmererhandwerk seltener als in Industrieberufen, einzelne Betriebe fragen aber grundlegendes mathematisches Wissen zu Flächen- und Volumenberechnung sowie räumliches Denken ab. Besonders gut kommt an, wer ein freiwilliges Praktikum oder ein Schülerpraktikum im Betrieb vorweisen kann, Holzbearbeitung als Hobby betreibt oder handwerkliche Erfahrung aus dem Elternhaus mitbringt.
Ratgeber
Zimmerer sägen und stemmen Holzbalken aus Fichte oder Lärche für traditionelle Verbindungen, während CNC-Abbundanlagen ganze Dachstuhlteile computergesteuert vorfertigen. Auf der Baustelle werden die Bauteile per Kran montiert und mit Sparrenpfettenankern gesichert. Die dreijährige BBiG-Ausbildung wird mit 620 bis 1.050 Euro vergütet, der Einstieg danach liegt bei etwa 2.600 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Zimmerer in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Zimmerer?
Gibt es beim Zimmerer Spezialisierungen oder Fachrichtungen?
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Zimmerer benötigt?
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Zimmerer?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zum Zimmerer?
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