Tischler
Tischler fertigen und montieren Möbel, Fenster, Türen, Treppen und Innenausbauten aus Holz und Holzwerkstoffen. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit präzisem Maschinenbetrieb und gestalterischem Gespür. Er eignet sich besonders für Menschen mit Freude am Arbeiten mit dem natürlichen Werkstoff Holz, technischem Verständnis und einem Auge für Maßgenauigkeit und Ästhetik.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
620–900 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.400 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Tischler?
Der Arbeitstag eines Tischlers beginnt meist in der Werkstatt mit der Vorbereitung von Materialien: Massivholz, MDF-, Span- oder Sperrholzplatten werden zugesägt, gehobelt und gefräst. Maschinen wie Formatkreissäge, Abricht- und Dicktenhobelmaschine, CNC-Bearbeitungszentrum oder Kantenfräse kommen dabei täglich zum Einsatz. Anschließend werden Bauteile mittels Dübeln, Lamellos, Schrauben oder Holzverbindern zusammengefügt und verleimt. Oberflächen werden geschliffen, gebeizt, lackiert oder mit Ölen behandelt – entweder per Hand oder mit Spritzpistole und Lackieranlage. Nachmittags steht häufig die Montage beim Kunden auf dem Programm: Einbauküchen, Schranksysteme, Fensterrahmen oder Türzargen werden eingemessen, eingebaut und justiert. Man arbeitet eng mit Innenarchitekten, Bauprojektleitern und Kunden zusammen. Typische Beispielaufgaben: Zeichnungen mit CAD-Software (z. B. Lignum oder KAB) auslesen und Zuschnittlisten erstellen sowie eine Massivholztreppe nach Maßplan schleifen, versiegeln und vor Ort einbauen.
Wo arbeitest du?
Tischler arbeiten überwiegend in kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben (2–20 Mitarbeiter), Schreinereien und Möbelwerkstätten. Größere Arbeitgeber sind Innenausbauunternehmen, Ladenbauunternehmen sowie Fensterhersteller wie Internorm oder Schüco (in Metallkombination). Auch Theater- und Bühnenbildwerkstätten, Restaurierungsbetriebe, Denkmalschutzbehörden sowie die Zulieferindustrie für Küchen (z. B. Häcker, Nolte) beschäftigen Tischler. In Deutschland besteht bundesweit ein deutlicher Fachkräftemangel, besonders in Städten und Ballungsräumen.
Voraussetzungen
Formal reicht ein Hauptschulabschluss, in der Praxis bevorzugen viele Betriebe jedoch Bewerber mit Realschulabschluss. Besonders wichtig sind gute Noten in Mathematik für Maßberechnungen und Fachrechnen, Physik für Werkstoffeigenschaften sowie Werken oder Technik. Räumliches Vorstellungsvermögen und handwerkliches Geschick zahlen sich beim Zuschnitt und der Montage aus, Sorgfalt beim Messen und Geduld bei Feinarbeiten sind ebenso gefragt. Interesse an Gestaltung und Ästhetik sowie körperliche Belastbarkeit für Stehen, Heben und Staubbelastung runden das Anforderungsprofil ab.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr stehen handwerkliche Grundlagen im Mittelpunkt: Holzarten und Holzwerkstoffe kennenlernen, Messen und Anreißen mit Schmiege, Winkel und Reißnadel, Sägen, Hobeln und Stemmen von Hand sowie der sichere Umgang mit stationären Holzbearbeitungsmaschinen. Grundlagen der Werkzeugpflege und des Arbeitsschutzes werden vermittelt. Im zweiten Lehrjahr folgt die Vertiefung: CNC-gesteuerte Maschinen bedienen, Oberflächenbehandlung (Lackieren, Beizen, Ölen), Furniertechnik und das Lesen von technischen Zeichnungen. Im dritten Lehrjahr spezialisieren sich Auszubildende je nach Betrieb auf Möbelbau, Innenausbau, Fenster- und Türenbau oder Ladenbau. Im Vergleich zur Ausbildung zum Holzmechaniker liegt der Schwerpunkt beim Tischler stärker auf individuellem Handwerk, Kundenkontakt und Montage statt auf industrieller Serienproduktion.
IHK-Prüfung & Abschluss
Teil 1 der Gesellenprüfung liegt am Ende des zweiten Ausbildungsjahres: praktisch wird in etwa sieben Stunden ein vorgegebenes Werkstück aus Holz gefertigt, schriftlich folgen in 90 Minuten Fragen zu Holzkunde, Maschinennutzung und Fachrechnen. Teil 2 findet im dritten Lehrjahr statt, üblicherweise im Frühjahr oder Herbst. Die Gesellenarbeit wird vorab im Betrieb angefertigt und bewertet und macht 50 Prozent der Note aus. Schriftlich werden Gestaltung und Konstruktion mit 90 Minuten und 20 Prozent sowie Fertigungstechnik mit ebenfalls 90 Minuten und 20 Prozent geprüft, dazu Wirtschafts- und Sozialkunde mit 60 Minuten und 10 Prozent. Im Anschluss an die Facharbeit findet ein 20-minütiges Fachgespräch statt. Für das Bestehen sind in allen Bereichen mindestens ausreichende Leistungen von 50 Punkten nötig, kein Bereich darf mit ungenügend bewertet werden.
Prüfungsthemen
- Holzkunde und Holzwerkstoffe (Holzarten, Eigenschaften, Verwendung)
- Maschinennutzung und Arbeitssicherheit (Formatkreissäge, CNC, Hobelmaschinen)
- Konstruktion und Verbindungstechniken (Dübel, Zapfen, Lamellos, Beschläge)
- Oberflächenbehandlung (Lackieren, Beizen, Schleifen, Ölen)
- Technisches Zeichnen und Maßplanerstellung
- Fachrechnen (Materialberechnung, Verschnittoptimierung, Kosten)
- Wirtschafts- und Sozialkunde
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Gesellenprüfung kann der Meistertitel (Tischlermeister HwO) angestrebt werden – dieser dauert 2 Jahre in Vollzeit und öffnet die Tür zur Selbstständigkeit sowie zu Ausbilderrechten. Alternativ bieten sich der staatlich geprüfte Techniker (Fachrichtung Holztechnik) oder ein Bachelor-Studium (Holztechnik, Innenarchitektur, Holzingenieurwesen) an. Als Vorarbeiter oder Werkstattleiter ist nach 3–5 Jahren Berufserfahrung realistisch ein Gehalt von 3.000–3.800 EUR brutto erreichbar. Spezialisierungen auf Denkmalpflege, Restaurierung historischer Möbel, Messebau oder exklusiven Objektmöbelbau ermöglichen überdurchschnittliche Honorare. Fachkräfte mit Meisterbrief verdienen als Betriebsleiter 4.000–5.500 EUR brutto.
Aufstiegsfortbildung nach der Ausbildung
Techniker für Holztechnik →
Der Techniker für Holztechnik qualifiziert für Konstruktion, Fertigung und Leitung in Tischlerei, Holzbau und holzverarbeitender Industrie und wird in vielen Bundesländern angeboten.
Tischlermeister →
Der Tischlermeister ist eine handwerkliche Aufstiegsfortbildung, die Tischler zur Meisterin oder zum Meister qualifiziert. Sie befähigt zur Betriebsgründung, Betriebsleitung, Ausbildung von Lehrlingen und zur Übernahme von Führungsverantwortung im Tischlerhandwerk.
Bewerbungstipps
Die Bewerbung sollte 12 bis 18 Monate vor dem Ausbildungsstart im August oder September eingereicht werden, idealerweise zwischen Oktober und Januar des Vorjahres. Ein Anschreiben mit konkretem Bezug zum Betrieb, ein tabellarischer Lebenslauf, aktuelle Schulzeugnisse und ein mögliches Praktikumszeugnis gehören in die Mappe. Viele Betriebe führen einen praktischen Eignungstest durch, bei dem Messen und Anreißen, einfache Säge- und Hobelübungen sowie Materialkenntnisse geprüft werden. Im Vorstellungsgespräch überzeugen Bewerber, die eigene Projekte wie selbst gebaute Vogelhäuschen oder Möbelstücke aus dem Werkunterricht mitbringen oder von Praktika berichten können. Glaubwürdiges handwerkliches Interesse, Pünktlichkeit und Teamfähigkeit sind die entscheidenden Pluspunkte.
Ratgeber
Im Mittelpunkt der Tätigkeit als Tischler steht die Verarbeitung von Massivholz und Plattenwerkstoffen: Bauteile werden gesägt, gefräst, verleimt und lackiert, bevor Einbauküchen, Schranksysteme oder Treppen beim Kunden montiert werden. Zuschnittlisten entstehen häufig mit CAD-Software. Die dreijährige BBiG-Ausbildung wird mit 620 bis 900 Euro vergütet, der Einstieg danach liegt bei rund 2.400 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Tischler in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Tischler?
Gibt es beim Tischler verschiedene Fachrichtungen oder Spezialisierungen?
Welcher Schulabschluss wird für die Tischlerausbildung benötigt?
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Tischler?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Tischlerausbildung?
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