🧭AG
← Alle Berufe

Holzspielzeugmacher

Holzspielzeugmacher fertigen handwerklich und maschinell Spielzeug, Dekorationsgegenstände und Geschenkartikel aus Holz. Der Beruf verbindet traditionelles Handwerk – besonders in der Erzgebirgstradition – mit modernen Fertigungstechniken. Er eignet sich für Menschen mit handwerklichem Geschick, Freude an Holzbearbeitung und einem Sinn für Ästhetik und Formgebung.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

500–800 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2.100 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Holzspielzeugmacher?

Der Arbeitsalltag findet überwiegend in einer holzverarbeitenden Werkstatt statt, die mit Drechselbänken, Fräsmaschinen, Schleifmaschinen, Sägen und Lackieranlagen ausgestattet ist. Morgens wird der Arbeitsplan besprochen, Holz wie Lindenholz, Ahornholz oder Fichte wird ausgewählt, auf Maß zugeschnitten und auf Fehler kontrolliert. An der Drechselbank entstehen Grundformen für Figuren, Kreisel oder Weihnachtsdekorationen wie Pyramiden und Räuchermänner. Nachmittags werden Oberflächen mit Schleifpapier unterschiedlicher Körnung von 80 bis 400 Grad geglättet, Teile zusammengefügt, verleimt und mit Wasserlacken, Beizen oder traditionellen Farben bemalt. Feinarbeiten wie das Aufbringen von Dekoren, das Einsetzen von Gelenken oder das Drechseln von Kleinstteilen erfordern präzises Arbeiten. Man arbeitet eng mit Gestaltern und Kollegen in der Endmontage zusammen und stimmt Qualitätsanforderungen ab. Typische Beispielaufgaben: das vollständige Drechseln und Bemalen eines Räuchermanns oder die Serienfertigung von Holzkugelsets für Motorikspielzeug.

Wo arbeitest du?

Holzspielzeugmacher arbeiten überwiegend in kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben und Manufakturen, vor allem im Erzgebirge (Sachsen) sowie in Bayern und dem Thüringer Wald, wo Traditionsunternehmen wie SEIFFEN oder KWO (Kunstgewerbe-Werkstätten Olbernhau) ansässig sind. Daneben gibt es Stellen in Spielzeugfabriken, Souvenirherstellern und Designwerkstätten. Der Beruf ist sehr regional konzentriert; überregional arbeiten Fachkräfte in holzverarbeitenden Betrieben. Es besteht ein moderater Fachkräftemangel, insbesondere für qualifizierte Drechsler.

Voraussetzungen

Für diese Ausbildung reicht ein Hauptschulabschluss, ein qualifizierender Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss ist aber von Vorteil, weil technisches Verständnis und mathematische Grundlagen für Maßberechnungen gefragt sind. Mathematik, Werken oder Technik sowie Kunst zählen zu den passenden Schulfächern. Da viele Arbeiten Präzision im Millimeterbereich verlangen, sind handwerkliches Geschick und Fingerfertigkeit unverzichtbar. Geduld, Sorgfalt und ein ausgeprägtes Formgefühl gehören ebenso dazu wie Freude an gestalterischer Arbeit und die Bereitschaft, in einer holzstaubreichen Werkstattumgebung zu arbeiten.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr stehen grundlegende Holzkenntnisse im Vordergrund: Holzarten unterscheiden, Eigenschaften von Linde, Ahorn, Fichte und Buche kennenlernen, einfache Handwerkzeuge wie Stechbeitel, Raspeln und Feilen sicher einsetzen sowie grundlegende Maschinenkunde an Kreissäge und Bandschleifmaschine. Arbeitssicherheit und Umgang mit Lacken und Lösungsmitteln werden von Beginn an vermittelt. Im zweiten Lehrjahr vertieft man das Drechseln an der Leit- und Kopierdrechselbank, lernt Fräs- und Bohrarbeiten sowie die Grundlagen des Oberflächen­veredelns mit Beizen, Grundierungen und Klarlacken. Im dritten Lehrjahr kommen Spezialisierungen hinzu: Serienproduktion an CNC-gesteuerten Drechsel- und Fräsautomaten, Qualitätskontrolle nach DIN EN 71 (Spielzeugsicherheit), Kalkulation und die Gestaltung neuer Artikel. Im Vergleich zur Tischlerausbildung liegt der Fokus stärker auf Formgebung, Oberflächengestaltung und kleinformatiger Serienfertigung statt auf Möbelbau.

Holztechnik / HolzbearbeitungGestaltung und FormenlehreTechnisches Zeichnen / CAD-GrundlagenFachrechnen und KalkulationWirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Nach dem Berufsbildungsgesetz gliedert sich die Abschlussprüfung in zwei Teile. Teil 1, die frühere Zwischenprüfung, liegt gegen Ende des zweiten Ausbildungsjahres, meist im Januar oder Februar: praktisch wird in etwa 240 Minuten eine Drechsel- oder Fräsaufgabe bearbeitet, schriftlich folgen in 60 Minuten Fragen zu Holzkunde, Werkzeugkunde und Arbeitssicherheit. Teil 2 findet am Ende des dritten Lehrjahres statt, üblicherweise im Mai oder Juni, und umfasst vier Bereiche: die praktische Arbeitsaufgabe, das vollständige Herstellen eines Werkstücks in etwa 480 Minuten, wiegt mit 50 Prozent am schwersten. Schriftlich kommen Arbeitsplanung und Gestaltung mit 120 Minuten und 20 Prozent, Fertigungs- und Maschinentechnik mit ebenfalls 120 Minuten und 20 Prozent sowie Wirtschafts- und Sozialkunde mit 60 Minuten und 10 Prozent hinzu. In allen Bereichen sind mindestens 50 Punkte für das Bestehen nötig, wobei die praktische Aufgabe meist das vollständige Fertigen eines Spielzeug- oder Dekorationsartikels samt Oberflächenbehandlung umfasst.

Prüfungsthemen

  • Holzarten und Holzeigenschaften (Linde, Ahorn, Fichte, Buche)
  • Drechseln und Fräsen an Leit-, Kopier- und CNC-Maschinen
  • Oberflächenbehandlung: Beizen, Grundieren, Lackieren, Bemalen
  • Spielzeugsicherheit nach DIN EN 71 und Qualitätskontrolle
  • Arbeitsplanung, Kalkulation und Materialeinsatz
  • Fertigungs- und Maschinentechnik (Maschinenkunde, Arbeitssicherheit)
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung bieten sich mehrere Weiterbildungswege an. Mit dem Meisterbrief als Holzmechaniker- oder Tischlermeister (HwO) kann ein eigener Betrieb eröffnet werden. Der Techniker-Abschluss (staatlich geprüfter Holztechniker) ermöglicht den Aufstieg in technische Leitungsfunktionen. Studiengänge wie Holztechnik (B.Eng.), Produktdesign oder Holzwirtschaft bieten akademische Entwicklungspfade. Spezialisierungen auf traditionelle Erzgebirgskunst, CNC-Fertigung oder Spielzeugentwicklung sind möglich. Nach 5–10 Berufsjahren sind Positionen als Werkstattleiter, Produktionsfachkraft, Qualitätsbeauftragter oder Designverantwortlicher realistisch. Das Gehalt steigt mit Verantwortung von ca. 2.200 EUR auf 3.000–3.500 EUR brutto monatlich.

Bewerbungstipps

Da viele Traditionsbetriebe früh planen, sollte die Bewerbung 12 bis 18 Monate vor dem Start zum 1. August oder 1. September verschickt werden. Ein persönliches Anschreiben mit Bezug zur Holz- und Handwerkstradition, ein tabellarischer Lebenslauf, Schulzeugnisse sowie Praktikumsnachweise, idealerweise aus holzverarbeitenden Betrieben, gehören in die Mappe. Im Vorstellungsgespräch fragen Ausbilder nach Erfahrungen mit Holz, handwerklichen Hobbys und der Motivation für diesen traditionellen Beruf; einige Betriebe verlangen einen praktischen Geschicklichkeitstest mit Sägen, Schleifen oder Feilen. Wer eigene Holz- oder Bastelarbeiten mitbringt, handwerkliches Interesse glaubhaft macht und Neugier auf traditionelle Herstellungsverfahren zeigt, überzeugt Ausbilder besonders.

Werbung
Professionelle Bewerbungsunterlagen erstellen lassen -- Die Bewerbungsschreiber

Mehr Tipps: Bewerbung für die Ausbildung schreiben →

Ratgeber

Zwischen Drechselbank und Malerpinsel bewegt sich der Arbeitsalltag von Holzspielzeugmachern: Aus Linden- oder Ahornholz entstehen Grundformen für Kreisel und Figuren, die anschließend geschliffen, verleimt und mit Wasserlacken oder traditionellen Farben bemalt werden. Die dreijährige BBiG-Ausbildung wird mit 500 bis 800 Euro vergütet, der Einstieg liegt bei rund 2.100 Euro.

Häufige Fragen

Wie viel verdient man als Holzspielzeugmacher in der Ausbildung?
Das Ausbildungsgehalt als Holzspielzeugmacher liegt bei etwa 500–800 Euro pro Monat. Nach der Ausbildung liegt das Einstiegsgehalt bei etwa 2.100 Euro monatlich.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Holzspielzeugmacher?
Die duale Ausbildung zum Holzspielzeugmacher dauert regulär 3 Jahre. In dieser Zeit wechselst du zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb.
Gibt es Spezialisierungen oder Fachrichtungen im Beruf Holzspielzeugmacher?
Der Ausbildungsberuf Holzspielzeugmacher ist nicht in offizielle Fachrichtungen unterteilt. In der Praxis können sich Betriebe jedoch auf bestimmte Produktgruppen spezialisieren, etwa traditionelles Erzgebirgshandwerk, pädagogisches Spielzeug oder dekorative Holzartikel. Die konkrete Spezialisierung hängt stark vom Ausbildungsbetrieb ab.
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Holzspielzeugmacher benötigt?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis stellen viele Betriebe Bewerber mit Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss ein. Handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen und Sorgfalt sind wichtiger als ein bestimmter Bildungsabschluss.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Holzspielzeugmacher?
Holzspielzeugmacher arbeiten hauptsächlich in kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben sowie in der holzverarbeitenden Industrie. Traditionelle Schwerpunkte liegen im Erzgebirge und in Bayern, wo Holzspielzeug und Holzschmuck eine lange regionale Tradition haben. Auch Kunsthandwerksbetriebe und Manufakturen mit Fokus auf Designspielzeug kommen als Arbeitgeber in Frage.
Welche Weiterbildungs- oder Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung können Holzspielzeugmacher den Meisterbrief im Tischler- oder Holzbildhauer-Handwerk anstreben oder sich zum Techniker im Bereich Holztechnik weiterbilden. Mit entsprechender Berufserfahrung ist auch ein Studium im Bereich Holztechnik, Design oder Produktentwicklung an einer Fachhochschule möglich. Die Ausbildung kann in manchen Bundesländern als Zugangsvoraussetzung für ein Studium ohne Abitur anerkannt werden.

Ähnliche Berufe in Holzberufe

Spielzeughersteller

Spielzeughersteller/-innen fertigen mit traditionellen und modernen Techniken Spielzeug und Lernmittel aus Holz, Kunststoff und anderen Materialien. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit gestalterischem Gespür und einem ausgeprägten Qualitätsbewusstsein, da Spielzeug höchsten Sicherheitsanforderungen genügen muss. Geeignet ist er besonders für Menschen mit Freude an Präzisionsarbeit, Holzverarbeitung und kreativem Gestalten.

3 Jahre →

Biologiemodellmacher

Biologiemodellmacher stellen dreidimensionale Lehr- und Anschauungsmodelle biologischer Objekte her – etwa Zellmodelle, Organe, Pflanzenschnitte oder anatomische Präparate in vergrößertem Maßstab. Dabei kombinieren sie handwerkliches Geschick mit naturwissenschaftlichem Fachwissen. Der Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem räumlichen Denken, Freude an feinmechanischer Arbeit und Interesse an Biologie, Medizin oder Zoologie.

3 Jahre →

Technischer Modellbauer

Technische Modellbauer fertigen hochpräzise Urformen, Prototypen und Muster, die als Grundlage für industrielle Serienfertigung dienen – etwa Gießmodelle für Metallguss oder Anschauungsmodelle für den Fahrzeugbau. Der Beruf kombiniert handwerkliches Geschick mit technischem Verständnis und digitalem CAD/CAM-Know-how. Er eignet sich für Menschen mit räumlichem Denkvermögen, Präzisionsanspruch und Freude an der Arbeit mit Holz, Kunststoff und modernen CNC-Maschinen.

3 Jahre →

Holzbildhauer

Holzbildhauer erschaffen künstlerische und dekorative Objekte aus Holz – von figürlichen Skulpturen über Ornamente bis hin zu Reliefs und architektonischen Zierelementen. Die Ausbildung verbindet handwerkliches Geschick mit künstlerischem Gestaltungsvermögen und ist eine der ältesten Holzhandwerkstraditionen Deutschlands. Der Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem räumlichen Vorstellungsvermögen, Freude am geduldigen Arbeiten mit Holz und einem Sinn für Ästhetik und Form.

3 Jahre →