Kaufmann für audiovisuelle Medien
Kaufleute für audiovisuelle Medien organisieren und koordinieren die Produktion von Film-, Fernseh-, Radio- und Onlinemedien. Sie arbeiten an der Schnittstelle zwischen kreativem Medienbetrieb und kaufmännischer Steuerung. Der Beruf eignet sich für Menschen, die Leidenschaft für Medienproduktion mit wirtschaftlichem Denken verbinden und in einem dynamischen, projektorientierten Umfeld arbeiten möchten.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
620–950 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.500 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Kaufmann für audiovisuelle Medien?
Der Arbeitstag beginnt häufig mit der Planung und Koordination laufender Produktionen: Du prüfst Drehpläne, stimmst Ressourcen wie Kamerateams, Schneideräume oder Tonstudios ab und überwachst Budgets in Produktionssoftware wie SAP oder mediaspezifischen ERP-Systemen. Du erstellst Kalkulations- und Angebotsdokumente für neue Projekte und kommunizierst mit Regisseuren, Tonmeistern, Cuttern und externen Dienstleistern. Nachmittags koordinierst du beispielsweise Drehmaterial-Übergaben an die Postproduktion, verfolgst Lizenzverhandlungen für Musik oder Archivmaterial und bearbeitest Vertragsunterlagen. Du pflegst Produktionsdatenbanken, erstellst Abschlussabrechnungen für abgeschlossene Projekte und kommunizierst mit Sendern, Streamingplattformen oder Werbekunden. Typische Beispielaufgaben: Erstellung einer Kostenkalkulation für einen 30-minütigen Dokumentarfilm inklusive GEMA-Lizenzen und Technikeinsatz, sowie die Disposition von Studiobuchungen und Crewmitgliedern für eine mehrteilige Doku-Reihe. Du arbeitest eng mit Produktionsleitern, Redakteuren und Buchhaltung zusammen.
Wo arbeitest du?
Hauptarbeitgeber sind öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten (ARD, ZDF, Landesrundfunkanstalten), private TV-Sender (RTL, ProSiebenSat.1), unabhängige Produktionsfirmen (z. B. UFA, Constantin Film, Bavaria Film), Werbeagenturen mit AV-Produktion, Streamingdienste sowie Postproduktionshäuser. Es gibt auch Stellen bei Nachrichtenagenturen, Radiostationen und Medientechnikdienstleistern. Der Markt ist stark in Ballungsräumen wie München, Berlin, Köln und Hamburg konzentriert. Fachkräftemangel herrscht insbesondere im Bereich digitaler Streaming-Produktion.
Voraussetzungen
Für die Ausbildung zum Kaufmann für audiovisuelle Medien wird ein mittlerer Schulabschluss oder das Abitur empfohlen, da umfangreiche kaufmännische Inhalte sowie Medienwirtschaft und Recht auf dem Lehrplan stehen. Mathematik hilft bei Kalkulationen und Controlling, Deutsch bei der Vertragskorrespondenz, Englisch wird für internationale Koproduktionen gebraucht, dazu kommt das Fach Wirtschaft/Politik. Organisatorisches Talent, strukturiertes Denken und Kommunikationsstärke sollten zu den persönlichen Stärken gehören. Interesse an Medienproduktion, Teamfähigkeit in kreativen Umfeldern sowie ein gutes Zeitmanagement unter Termindruck sind besonders gefragt.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr stehen kaufmännische Grundlagen im Mittelpunkt: Rechnungswesen, Buchführung mit DATEV oder Lexware, Grundlagen des Vertragsrechts sowie eine Einführung in Medienproduktionsprozesse – von der Idee bis zur Ausstrahlung. Du lernst Produktionsarten wie Fiction, Non-Fiction, Werbung und Newsmedia zu unterscheiden. Im zweiten und dritten Lehrjahr vertiefst du Kalkulation und Controlling von Medienprojekten, Lizenz- und Urheberrecht (UrhG, GEMA, VG Bild-Kunst), Marktforschung und Medienrecht. Du spezialisierst dich auf Produktionsplanung mit Software wie ScheduAll oder Medialoopster, Personalplanung von Freiberuflern und die Abwicklung von Koproduktionen. Im Vergleich zur Ausbildung zum Mediengestalter liegt der Schwerpunkt klar auf betriebswirtschaftlicher Steuerung statt auf technisch-gestalterischer Ausführung.
IHK-Prüfung & Abschluss
Die Abschlussprüfung besteht aus zwei Teilen. Teil 1 findet am Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt, meist im Frühjahr oder April, und umfasst schriftliche Aufgaben zu Medienproduktion und kaufmännischen Grundlagen in 90 Minuten, gewichtet mit 25 Prozent der Gesamtnote. Teil 2 folgt im dritten Lehrjahr, im Frühjahr oder Sommer, mit den Bereichen Medienproduktion (schriftlich, 120 Minuten, 30 Prozent), Kaufmännische Steuerung und Kontrolle (schriftlich, 60 Minuten, 10 Prozent), Wirtschafts- und Sozialkunde (schriftlich, 60 Minuten, 10 Prozent) sowie einer Fachaufgabe in der Medienwirtschaft mit Fachgespräch, praktisch-mündlich und rund 30 Minuten lang (25 Prozent). Die praktische Fachaufgabe besteht aus einem selbst erstellten betrieblichen Projektbericht mit anschließendem Fachgespräch vor der Prüfungskommission. Zum Bestehen ist in jedem Prüfungsbereich mindestens 50 von 100 Punkten erforderlich, mangelhafte Leistungen lassen sich durch andere Bereiche nur begrenzt ausgleichen.
Prüfungsthemen
- Kalkulation und Budgetierung von AV-Produktionen
- Urheberrecht, Lizenzrecht und GEMA
- Produktionsplanung und Ressourcendisposition
- Medienrecht und Rundfunkrecht
- Kaufmännische Steuerung und Kostenrechnung
- Marketing und Vertrieb von Medienprodukten
- Wirtschafts- und Sozialkunde
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung stehen vielfältige Weiterbildungswege offen: Der IHK-Fachwirt für Marketing und Kommunikation oder der Medienfachwirt IHK (Prüfung nach ca. 2 Jahren Berufserfahrung) bieten sich als direkter Aufstieg an. Der staatlich geprüfte Medientechniker oder ein Studium im Bereich Medienmanagement (B.A.), Medien- und Kommunikationswissenschaften oder Betriebswirtschaft mit Medienschwerpunkt ermöglichen weitere Entwicklung. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Produktionsleiter, Head of Production oder Abteilungsleiter Postproduktion realistisch. Gehälter steigen von ca. 2.400–2.800 EUR brutto beim Einstieg auf 4.000–5.500 EUR brutto in Führungspositionen. Spezialisierungen in Streaming-Plattformen, Werbung oder internationale Koproduktionen sind gefragt.
Bewerbungstipps
Da Medienbetriebe früh planen, sollte die Bewerbung spätestens 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsstart raus, also bereits ab Herbst oder Winter des Vorjahres. Ein strukturiertes Anschreiben mit konkretem Medienbezug gehört in die Mappe, dazu tabellarischer Lebenslauf und aktuelle Schulzeugnisse, Praktikumsnachweise bei Filmproduktionen, Redaktionen oder Radiostationen heben die Bewerbung deutlich hervor. Viele öffentlich-rechtliche Sender verlangen einen schriftlichen Einstellungstest mit kaufmännischen Rechenaufgaben, Allgemeinwissen und Medienthemen. Im Vorstellungsgespräch wird gezielt nach Kenntnissen über aktuelle Medienproduktionen, Sender und Streamingtrends gefragt. Wer nachweisbare Medienkenntnisse mitbringt, selbst erstellte Projekte wie einen YouTube-Kanal, Podcast oder eine Schülerzeitung vorweisen kann und Produktionskosten grundsätzlich einzuschätzen weiß, überzeugt die Ausbilder am ehesten.
Ratgeber
Drehpläne prüfen, Budgets von Filmproduktionen überwachen und Lizenzverhandlungen für Musik oder Archivmaterial führen: Das ist der Arbeitsalltag von Kaufleuten für audiovisuelle Medien, die Kamerateams, Tonstudios und Postproduktion koordinieren. Kalkulationen für Dokumentarfilme inklusive GEMA-Lizenzen gehören ebenfalls dazu. Die dreijährige BBiG-Ausbildung wird mit 620 bis 950 Euro vergütet, der Einstieg liegt bei rund 2.500 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Kaufmann für audiovisuelle Medien in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Kaufmann für audiovisuelle Medien?
Gibt es Spezialisierungen innerhalb der Ausbildung zum Kaufmann für audiovisuelle Medien?
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Kaufmann für audiovisuelle Medien erwartet?
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeitet man als Kaufmann für audiovisuelle Medien?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
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