Kaufmann im Gesundheitswesen
Kaufleute im Gesundheitswesen verbinden betriebswirtschaftliches Know-how mit dem besonderen Umfeld des deutschen Gesundheitssystems. Sie übernehmen kaufmännische Aufgaben in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Krankenkassen und medizinischen Versorgungszentren. Der Beruf eignet sich für Menschen, die Zahlen und Organisation mögen, dabei aber im sozialen Bereich tätig sein wollen.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
620–1.050 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.600 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Kaufmann im Gesundheitswesen?
Der Arbeitsalltag findet überwiegend im Büro statt – in der Verwaltung eines Krankenhauses, einer Pflegeeinrichtung oder einer Krankenkasse. Morgens beginnt die Arbeit häufig mit der Bearbeitung von Eingangspost und E-Mails, der Kontrolle von Rechnungen und der Pflege von Patientenstammdaten in Softwaresystemen wie SAP IS-H (Krankenhausinformationssystem) oder DATEV. Ein typisches Beispiel: die Prüfung und Weiterleitung von DRG-Abrechnungen (Diagnosis Related Groups) an Krankenkassen oder das Controlling von Budgets einzelner Stationen. Nachmittags stehen häufig Aufgaben wie die Erstellung von Statistiken zur Belegungsauslastung, die Vorbereitung von Vergabeunterlagen nach Vergaberecht oder die Koordination von Dienstleistungsverträgen mit externen Lieferanten an. Man arbeitet eng mit Ärzten, Pflegedienstleitungen, dem medizinischen Controlling und externen Kostenträgern wie AOK oder TK zusammen. Auch das Personalwesen, etwa die Erstellung von Arbeitszeitplänen oder die Bearbeitung von Urlaubsanträgen, gehört je nach Abteilung zum Aufgabenbereich.
Wo arbeitest du?
Kaufleute im Gesundheitswesen arbeiten in Krankenhäusern (z.B. Helios, Asklepios, Rhön-Klinikum, Unikliniken), Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten, medizinischen Versorgungszentren (MVZ), gesetzlichen Krankenkassen (AOK, Barmer, TK), Kassenärztlichen Vereinigungen sowie Reha-Kliniken und Wohlfahrtsverbänden (Caritas, AWO, Diakonie). Es herrscht in vielen Regionen Fachkräftemangel, besonders im Bereich Abrechnung und medizinisches Controlling.
Voraussetzungen
Für die Ausbildung im Gesundheitswesen wird meist ein mittlerer Schulabschluss erwartet, da anspruchsvolle Abrechnungssysteme und sozialrechtliche Grundlagen zum Ausbildungsinhalt gehören. Mathematik ist wichtig für Prozentrechnung und Kalkulation, Deutsch für die schriftliche Kommunikation, dazu kommen Wirtschaft und Sozialkunde als relevante Fächer. Bewerber sollten Freude am Umgang mit Zahlen und Daten mitbringen, sorgfältig und strukturiert arbeiten und echtes Interesse am Gesundheitswesen zeigen. Einfühlungsvermögen im Kontakt mit Patienten und Angehörigen ist von Vorteil, ebenso Diskretion beim Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr werden kaufmännische Grundlagen vermittelt: Buchführung, Grundzüge des Rechnungswesens, das deutsche Gesundheitssystem mit seinen Akteuren (GKV, PKV, KBV, MDK) sowie Kommunikation und Büroorganisation. Lernfelder wie 'Gesundheitsbetriebe repräsentieren und Informationen verarbeiten' oder 'Beschaffungsprozesse durchführen' stehen im Vordergrund. Im zweiten und dritten Lehrjahr vertiefen Auszubildende das Abrechnungswesen (GOÄ, EBM, DRG-System), das Controlling im Gesundheitswesen, Personalwirtschaft sowie Marketing und Qualitätsmanagement nach DIN EN ISO 9001. Zudem lernen sie rechtliche Grundlagen – Sozialgesetzbuch (SGB V), Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) und Arbeitsrecht. Im Vergleich zu Kaufleuten im Büromanagement ist dieser Beruf deutlich stärker auf branchenspezifische Abrechnungssysteme, Sozialrecht und das Gesundheitswesen als Markt spezialisiert.
IHK-Prüfung & Abschluss
Die Abschlussprüfung folgt dem Streckenprinzip und gliedert sich in zwei Teile. Teil 1 findet am Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt, ungefähr im Frühjahr beziehungsweise nach 18 Monaten, und prüft schriftlich in 90 Minuten den Bereich Geschäftsprozesse im Gesundheitswesen. Am Ende der Ausbildung, im Frühjahr oder Herbst des dritten Lehrjahres, folgt Teil 2 mit den Bereichen Kaufmännische Steuerung und Kontrolle (schriftlich, 90 Minuten, 20 Prozent), Wirtschafts- und Sozialkunde (schriftlich, 60 Minuten, 10 Prozent) sowie dem bereits in Teil 1 geprüften Bereich Geschäftsprozesse im Gesundheitswesen, der hier mit 35 Prozent gewichtet wird. Hinzu kommt eine praktische Arbeitsaufgabe in Form eines fallbezogenen Fachgesprächs von etwa 15 Minuten, ebenfalls mit 35 Prozent gewichtet. Zum Bestehen müssen alle Prüfungsbereiche mindestens 50 Punkte erreichen, kein Bereich darf unter 30 Punkte fallen.
Prüfungsthemen
- DRG-Abrechnungssystem und GOÄ/EBM-Abrechnung
- Gesetzliche und private Krankenversicherung (SGB V, PKV)
- Rechnungswesen und kaufmännische Steuerung im Gesundheitsbetrieb
- Personalwirtschaft und Arbeitsrecht im Gesundheitswesen
- Qualitätsmanagement (DIN EN ISO 9001, KTQ)
- Beschaffung, Logistik und Versorgungsmanagement
- Wirtschafts- und Sozialkunde
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung sind folgende Weiterbildungen besonders beliebt: - Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen (IHK) – Dauer ca. 1–2 Jahre berufsbegleitend - Betriebswirt im Gesundheitswesen - Studium: Gesundheitsmanagement (B.A./B.Sc.), Gesundheitsökonomie oder Pflegemanagement an FH/HS Nach 5–10 Jahren sind Positionen wie Abteilungsleiter Patientenaufnahme, Leiter medizinisches Controlling, Verwaltungsleiter in einer Pflegeeinrichtung oder Referent bei einer Krankenkasse realistisch. Das Gehalt steigt dabei von ca. 2.600 EUR auf 3.500–5.000 EUR brutto monatlich. Spezialisierungen im Bereich Qualitätsmanagement, Abrechnung oder Personalmanagement erhöhen die Chancen deutlich.
Bewerbungstipps
Weil Krankenhäuser und Krankenkassen ihre Auswahlverfahren oft schon im Oktober oder November des Vorjahres starten, sollte die Bewerbung 6 bis 12 Monate vor dem meist zum 1. September liegenden Ausbildungsstart raus. Ein Anschreiben mit klarem Bezug zum Arbeitgeber, etwa der Spezialisierung Krankenhaus gegenüber Krankenkasse, gehört ebenso in die Mappe wie tabellarischer Lebenslauf, die letzten beiden Schulzeugnisse und mögliche Praktikumsnachweise aus dem Gesundheitswesen. Klinikketten und Krankenkassen setzen häufig einen IHK-Einstellungstest oder eigene Eignungstests mit Textverständnis, Mathematik und Allgemeinwissen zum Gesundheitssystem ein. Im Vorstellungsgespräch wird oft gefragt, warum man sich ausgerechnet für das Gesundheitswesen und nicht für einen anderen kaufmännischen Beruf entschieden hat. Praktikumserfahrung in einer Praxis, einem Krankenhaus oder einer Kasse sowie Kenntnisse in MS Office überzeugen die Ausbilder besonders.
Ratgeber
Rechnungen prüfen, Patientenstammdaten in Systemen wie SAP IS-H verwalten, DRG-Abrechnungen mit Krankenkassen koordinieren und Statistiken zur Belegungsauslastung erstellen – Kaufleute im Gesundheitswesen übernehmen die Verwaltung von Kliniken, Pflegeeinrichtungen oder Krankenkassen. Die dreijährige BBiG-Ausbildung wird mit 620 bis 1.050 Euro vergütet, nach Abschluss liegt das Einstiegsgehalt bei rund 2.600 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Kaufmann im Gesundheitswesen in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Kaufmann im Gesundheitswesen?
Gibt es Spezialisierungen oder Fachrichtungen beim Kaufmann im Gesundheitswesen?
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Kaufmann im Gesundheitswesen erwartet?
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern kann man als Kaufmann im Gesundheitswesen arbeiten?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
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