🧭AG
← Alle Berufe

Industrieelektriker

Industrieelektriker installieren, warten und reparieren elektrische Betriebsmittel und Anlagen in der Industrie. Die zweijährige Ausbildung richtet sich an handwerklich geschickte Personen mit technischem Verständnis, die lieber praktisch als theoretisch arbeiten. Dieser Beruf ist der ideale Einstieg in die Elektrotechnik – mit klarer Erweiterungsoption zum Elektroanlagenmonteur oder Weiterqualifizierung zum Mechatroniker.

Ausbildungsdauer

2 Jahre

Azubi-Gehalt

650–950 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2.600 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Industrieelektriker?

Industrieelektriker arbeiten in Produktionshallen, Fertigungsanlagen und Werkstätten industrieller Betriebe. Der Arbeitstag beginnt typischerweise mit der Übergabe offener Aufgaben aus dem Schichtbuch und der Prüfung anstehender Wartungsaufträge im Instandhaltungssystem (z. B. SAP PM). Morgens werden häufig elektrische Betriebsmittel wie Schaltschränke, Motoren oder Steuerungseinheiten geprüft und gewartet – dabei kommen Multimeter, Isolationsmessgeräte und Oszilloskope zum Einsatz. Ein typisches Beispiel: Austausch eines defekten Frequenzumrichters an einer Produktionsmaschine inklusive Funktionskontrolle. Nachmittags stehen oft Installationsarbeiten an – etwa das Verlegen von Leitungen (NYM, NYMJ, H07V-K) in Kabelkanälen und Rohrsystemen, das Konfektionieren von Steckverbindern oder das Verdrahten von Schaltschränken nach Stromlaufplan. Die Zusammenarbeit erfolgt eng mit Maschinenführern, Instandhaltungstechnikern und Schichtleitern. Fehlersuche an SPS-gesteuerten Anlagen (z. B. Siemens S7) gehört ebenfalls zum Alltag.

Wo arbeitest du?

Industrieelektriker finden Stellen in der Automobilindustrie (BMW, Volkswagen, Bosch), in der chemischen Industrie (BASF, Bayer), bei Energie- und Versorgungsunternehmen sowie in Maschinenbauunternehmen und Lebensmittelproduktionsbetrieben. Auch Zeitarbeitsfirmen mit Industriespezialisierung und Instandhaltungsdienstleister beschäftigen Industrieelektriker. Fachkräftemangel ist in der Branche spürbar – qualifizierte Bewerber finden in der Regel schnell eine Anschlussbeschäftigung.

Voraussetzungen

Der formale Mindestabschluss ist der Hauptschulabschluss, wobei ein qualifizierender Hauptschulabschluss oder die Mittlere Reife die Chancen verbessert. Gute Noten in Mathematik, etwa bei der Berechnung von Strömen, Widerständen und Leistungen, sowie in Physik zu den Grundlagen der Elektrizitätslehre zählen zu den wichtigsten schulischen Voraussetzungen. Technisches Verständnis, handwerkliches Geschick und räumliches Vorstellungsvermögen sind unverzichtbar, ebenso Sorgfalt und Genauigkeit beim Messen und Verdrahten. Da in vielen Industriebetrieben im Schichtsystem gearbeitet wird, sollte diese Bereitschaft vorhanden sein. Wer zudem echtes technisches Interesse und Freude an praktischer, lösungsorientierter Arbeit mitbringt, passt gut in diesen Beruf.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr stehen elektrotechnische Grundlagen im Mittelpunkt: Grundschaltungen (Reihen-, Parallel- und Brückenschaltung), Sicherheitsvorschriften nach DGUV V3, Umgang mit Handwerkzeugen wie Abisolierwerkzeug, Crimpzangen und Lötkolben sowie das Lesen einfacher Schaltpläne. Außerdem werden Mess- und Prüftechniken eingeübt – Widerstandsmessung, Spannungsprüfung, Stromstärkemessung. Im zweiten Lehrjahr erfolgt die Vertiefung auf die gewählte Fachrichtung: entweder 'Betriebstechnik' (Wartung und Instandhaltung elektrischer Anlagen, Fehlerdiagnose an Maschinen, SPS-Grundlagen) oder 'Geräte und Systeme' (Montage und Prüfung elektrischer Geräte, Funktionsprüfung, Qualitätssicherung). Im Unterschied zum Elektroniker für Betriebstechnik (3,5 Jahre) ist die Ausbildung stärker auf schnellen Praxiseinsatz ausgerichtet und kürzer – sie schult weniger Planungs-, dafür mehr Ausführungskompetenzen.

Elektrotechnische SystemeElektrische InstallationstechnikSteuerungs- und RegelungstechnikWirtschafts- und SozialkundeTechnische Mathematik

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Abschlussprüfung des Industrieelektrikers besteht aus zwei Teilen. Teil 1 findet bereits am Ende des ersten Ausbildungshalbjahres statt, also etwa im sechsten Monat, und beinhaltet eine dreistündige praktische Arbeitsaufgabe, bei der eine einfache elektrische Schaltung aufgebaut und vermessen wird. Teil 2 folgt am Ende der zweijährigen Ausbildung, ungefähr im 24. Monat: Der Arbeitsauftrag als praktische Prüfung dauert 6 Stunden und wiegt mit 50 Prozent am schwersten, hier werden je nach Fachrichtung eine elektrische Anlage aufgebaut, geprüft und dokumentiert. Dazu kommen die schriftliche Prüfung Elektrotechnische Systeme (90 Minuten, 25 Prozent), Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 10 Prozent) sowie ein Fachgespräch zur praktischen Prüfungsaufgabe (15 bis 20 Minuten, 15 Prozent). Bestanden ist die Prüfung, wenn in allen Bereichen mindestens 50 von 100 Punkten erreicht werden und im praktischen Bereich kein Teil mit mangelhaft oder schlechter bewertet wird.

Prüfungsthemen

  • Elektrische Grundschaltungen und Messtechnik
  • Installation und Verdrahtung elektrischer Betriebsmittel
  • Schutzmaßnahmen und Sicherheitsvorschriften (VDE, DGUV V3)
  • Prüfung und Inbetriebnahme elektrischer Anlagen
  • SPS-Grundlagen und elektrische Steuerungstechnik
  • Lesen und Anwenden von Schalt- und Stromlaufplänen
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung besteht die Möglichkeit zur Externenprüfung als Elektroniker für Betriebstechnik oder Mechatroniker. Formale Weiterbildungswege sind der Industriemeister Elektrotechnik IHK (3–4 Semester berufsbegleitend), der staatlich geprüfte Techniker Fachrichtung Elektrotechnik sowie der Fachwirt für Energie- und Gebäudetechnik. Mit Fachabitur oder Abitur öffnen sich Studiengänge wie Elektrotechnik B.Eng. oder Wirtschaftsingenieurwesen. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Schichtmeister, Instandhaltungsleiter oder Betriebselektriker-Teamleiter realistisch. Das Bruttogehalt steigt mit Weiterbildung von ca. 2.600 EUR auf 4.000–5.500 EUR monatlich.

Bewerbungstipps

Da der Ausbildungsstart meist im August oder September liegt, sollte die Bewerbung schon 9 bis 12 Monate vorher, also ab Oktober des Vorjahres, verschickt werden. Die Mappe enthält ein Anschreiben mit Bezug auf konkrete elektrotechnische Interessen, den tabellarischen Lebenslauf, das letzte Schulzeugnis und eventuelle Praktikumsnachweise. Im Vorstellungsgespräch werden häufig einfache technische Fragen gestellt, etwa zu den Grundlagen der Elektrotechnik oder dem Ohmschen Gesetz. Viele Unternehmen setzen zusätzlich technische Eignungstests ein, die räumliches Denken, Grundrechenarten und Elektronik-Grundwissen prüfen, oder greifen auf den IHK-Einstellungstest zurück. Besonders positiv fallen Bewerber auf, die eigene Bastelprojekte wie Elektronikbausätze oder Arduino-Experimente vorweisen, ein Schülerpraktikum in einem technischen Betrieb absolviert haben oder bereits Grundkenntnisse zu Schaltkreisen und Elektrosicherheit mitbringen.

Werbung
Professionelle Bewerbungsunterlagen erstellen lassen -- Die Bewerbungsschreiber

Mehr Tipps: Bewerbung für die Ausbildung schreiben →

Ratgeber

Schaltschränke prüfen, Frequenzumrichter tauschen und Leitungen nach Stromlaufplan verlegen: Das ist der Arbeitsalltag von Industrieelektrikern, die zudem Fehler an SPS-gesteuerten Anlagen wie Siemens S7 mit Multimeter und Oszilloskop suchen. Die Ausbildung dauert nur 2 Jahre nach BBiG und wird mit 650 bis 950 Euro vergütet, der Einstieg liegt bei rund 2.600 Euro.

Häufige Fragen

Wie viel verdient man als Industrieelektriker in der Ausbildung?
Das Ausbildungsgehalt als Industrieelektriker liegt bei etwa 650–950 Euro pro Monat. Nach der Ausbildung liegt das Einstiegsgehalt bei etwa 2.600 Euro monatlich.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Industrieelektriker?
Die duale Ausbildung zum Industrieelektriker dauert regulär 2 Jahre. In dieser Zeit wechselst du zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb.
Gibt es beim Industrieelektriker verschiedene Fachrichtungen?
Ja, der Ausbildungsberuf Industrieelektriker ist in zwei Fachrichtungen unterteilt: Betriebstechnik und Geräte und Systeme. In der Fachrichtung Betriebstechnik liegt der Schwerpunkt auf der Instandhaltung elektrischer Anlagen, während in der Fachrichtung Geräte und Systeme eher die Montage und Prüfung elektrischer Geräte im Vordergrund steht.
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Industrieelektriker?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis stellen die meisten Ausbildungsbetriebe Bewerber mit einem Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss ein. Gute Noten in Mathematik, Physik und Technik sind von Vorteil.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Industrieelektriker?
Industrieelektriker sind vor allem in der Industrie tätig, etwa in der Fertigungsindustrie, im Maschinenbau, in der Automobilindustrie sowie in der Energie- und Versorgungswirtschaft. Auch große Industrieunternehmen aus der Chemie-, Lebensmittel- oder Papierbranche beschäftigen Industrieelektriker für die Wartung und den Betrieb ihrer Produktionsanlagen.
Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zum Industrieelektriker?
Nach der Ausbildung kann man sich etwa zum Elektromeister oder zum staatlich geprüften Techniker weiterbilden. Über den zweiten Bildungsweg oder eine Aufstiegsfortbildung ist auch ein Studium in einem technischen Fach wie Elektrotechnik möglich. Zudem besteht die Option, die Ausbildung als Grundlage für eine Umschulung oder eine erweiterte Berufsausbildung zu nutzen.

Ähnliche Berufe in Elektroberufe

Systemelektroniker

Systemelektroniker und Systemelektronikerinnen entwickeln, installieren und warten komplexe elektronische Systeme und Baugruppen – von Steuerungsanlagen über Kommunikationssysteme bis hin zu industriellen Mess- und Regelungstechniksystemen. Der Beruf vereint tiefes Elektronikwissen mit IT-Kompetenz und handwerklichem Geschick. Er eignet sich für technikbegeisterte Menschen mit ausgeprägtem analytischen Denkvermögen und Interesse an präziser Fehlerdiagnose.

3.5 Jahre →

Elektroniker für Betriebstechnik

Elektroniker für Betriebstechnik installieren, warten und reparieren elektrische Anlagen und Maschinen in Industriebetrieben, Kraftwerken und Versorgungsunternehmen. Der Beruf verbindet handwerkliche Arbeit mit der Analyse komplexer Steuerungs- und Automatisierungssysteme. Er eignet sich für technisch interessierte Menschen, die gerne mit Händen und Köpfen arbeiten und Verantwortung für die Betriebssicherheit von Anlagen übernehmen möchten.

3.5 Jahre →

Fluggerätelektroniker

Elektroniker für Fluggeräte installieren, warten und reparieren elektrische und elektronische Systeme an Luftfahrzeugen wie Verkehrsflugzeugen, Hubschraubern oder militärischen Jets. Der Beruf verbindet hochpräzise Elektronik mit strenger Luftfahrtregulierung und höchsten Sicherheitsstandards nach EASA und Luftfahrtbehörden. Er eignet sich für technisch begeisterte Menschen mit ausgeprägtem Qualitätsbewusstsein und Verantwortungsgefühl.

3.5 Jahre →

Elektroniker

Elektroniker/-innen installieren, warten und reparieren elektrische und elektronische Anlagen und Geräte. Die Ausbildung existiert in mehreren Fachrichtungen – etwa Energie- und Gebäudetechnik, Automatisierungstechnik oder Informations- und Telekommunikationstechnik. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit technischem Verständnis und eignet sich für Menschen, die gerne mit Schaltplänen, Messgeräten und modernen Steuerungssystemen arbeiten.

3.5 Jahre →