Industrieelektriker
Industrieelektriker installieren, warten und reparieren elektrische Betriebsmittel und Anlagen in der Industrie. Die zweijährige Ausbildung richtet sich an handwerklich geschickte Personen mit technischem Verständnis, die lieber praktisch als theoretisch arbeiten. Dieser Beruf ist der ideale Einstieg in die Elektrotechnik – mit klarer Erweiterungsoption zum Elektroanlagenmonteur oder Weiterqualifizierung zum Mechatroniker.
Ausbildungsdauer
2 Jahre
Azubi-Gehalt
650–950 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.600 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Industrieelektriker?
Industrieelektriker arbeiten in Produktionshallen, Fertigungsanlagen und Werkstätten industrieller Betriebe. Der Arbeitstag beginnt typischerweise mit der Übergabe offener Aufgaben aus dem Schichtbuch und der Prüfung anstehender Wartungsaufträge im Instandhaltungssystem (z. B. SAP PM). Morgens werden häufig elektrische Betriebsmittel wie Schaltschränke, Motoren oder Steuerungseinheiten geprüft und gewartet – dabei kommen Multimeter, Isolationsmessgeräte und Oszilloskope zum Einsatz. Ein typisches Beispiel: Austausch eines defekten Frequenzumrichters an einer Produktionsmaschine inklusive Funktionskontrolle. Nachmittags stehen oft Installationsarbeiten an – etwa das Verlegen von Leitungen (NYM, NYMJ, H07V-K) in Kabelkanälen und Rohrsystemen, das Konfektionieren von Steckverbindern oder das Verdrahten von Schaltschränken nach Stromlaufplan. Die Zusammenarbeit erfolgt eng mit Maschinenführern, Instandhaltungstechnikern und Schichtleitern. Fehlersuche an SPS-gesteuerten Anlagen (z. B. Siemens S7) gehört ebenfalls zum Alltag.
Wo arbeitest du?
Industrieelektriker finden Stellen in der Automobilindustrie (BMW, Volkswagen, Bosch), in der chemischen Industrie (BASF, Bayer), bei Energie- und Versorgungsunternehmen sowie in Maschinenbauunternehmen und Lebensmittelproduktionsbetrieben. Auch Zeitarbeitsfirmen mit Industriespezialisierung und Instandhaltungsdienstleister beschäftigen Industrieelektriker. Fachkräftemangel ist in der Branche spürbar – qualifizierte Bewerber finden in der Regel schnell eine Anschlussbeschäftigung.
Voraussetzungen
Der formale Mindestabschluss ist der Hauptschulabschluss, wobei ein qualifizierender Hauptschulabschluss oder die Mittlere Reife die Chancen verbessert. Gute Noten in Mathematik, etwa bei der Berechnung von Strömen, Widerständen und Leistungen, sowie in Physik zu den Grundlagen der Elektrizitätslehre zählen zu den wichtigsten schulischen Voraussetzungen. Technisches Verständnis, handwerkliches Geschick und räumliches Vorstellungsvermögen sind unverzichtbar, ebenso Sorgfalt und Genauigkeit beim Messen und Verdrahten. Da in vielen Industriebetrieben im Schichtsystem gearbeitet wird, sollte diese Bereitschaft vorhanden sein. Wer zudem echtes technisches Interesse und Freude an praktischer, lösungsorientierter Arbeit mitbringt, passt gut in diesen Beruf.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr stehen elektrotechnische Grundlagen im Mittelpunkt: Grundschaltungen (Reihen-, Parallel- und Brückenschaltung), Sicherheitsvorschriften nach DGUV V3, Umgang mit Handwerkzeugen wie Abisolierwerkzeug, Crimpzangen und Lötkolben sowie das Lesen einfacher Schaltpläne. Außerdem werden Mess- und Prüftechniken eingeübt – Widerstandsmessung, Spannungsprüfung, Stromstärkemessung. Im zweiten Lehrjahr erfolgt die Vertiefung auf die gewählte Fachrichtung: entweder 'Betriebstechnik' (Wartung und Instandhaltung elektrischer Anlagen, Fehlerdiagnose an Maschinen, SPS-Grundlagen) oder 'Geräte und Systeme' (Montage und Prüfung elektrischer Geräte, Funktionsprüfung, Qualitätssicherung). Im Unterschied zum Elektroniker für Betriebstechnik (3,5 Jahre) ist die Ausbildung stärker auf schnellen Praxiseinsatz ausgerichtet und kürzer – sie schult weniger Planungs-, dafür mehr Ausführungskompetenzen.
IHK-Prüfung & Abschluss
Die Abschlussprüfung des Industrieelektrikers besteht aus zwei Teilen. Teil 1 findet bereits am Ende des ersten Ausbildungshalbjahres statt, also etwa im sechsten Monat, und beinhaltet eine dreistündige praktische Arbeitsaufgabe, bei der eine einfache elektrische Schaltung aufgebaut und vermessen wird. Teil 2 folgt am Ende der zweijährigen Ausbildung, ungefähr im 24. Monat: Der Arbeitsauftrag als praktische Prüfung dauert 6 Stunden und wiegt mit 50 Prozent am schwersten, hier werden je nach Fachrichtung eine elektrische Anlage aufgebaut, geprüft und dokumentiert. Dazu kommen die schriftliche Prüfung Elektrotechnische Systeme (90 Minuten, 25 Prozent), Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 10 Prozent) sowie ein Fachgespräch zur praktischen Prüfungsaufgabe (15 bis 20 Minuten, 15 Prozent). Bestanden ist die Prüfung, wenn in allen Bereichen mindestens 50 von 100 Punkten erreicht werden und im praktischen Bereich kein Teil mit mangelhaft oder schlechter bewertet wird.
Prüfungsthemen
- Elektrische Grundschaltungen und Messtechnik
- Installation und Verdrahtung elektrischer Betriebsmittel
- Schutzmaßnahmen und Sicherheitsvorschriften (VDE, DGUV V3)
- Prüfung und Inbetriebnahme elektrischer Anlagen
- SPS-Grundlagen und elektrische Steuerungstechnik
- Lesen und Anwenden von Schalt- und Stromlaufplänen
- Wirtschafts- und Sozialkunde
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung besteht die Möglichkeit zur Externenprüfung als Elektroniker für Betriebstechnik oder Mechatroniker. Formale Weiterbildungswege sind der Industriemeister Elektrotechnik IHK (3–4 Semester berufsbegleitend), der staatlich geprüfte Techniker Fachrichtung Elektrotechnik sowie der Fachwirt für Energie- und Gebäudetechnik. Mit Fachabitur oder Abitur öffnen sich Studiengänge wie Elektrotechnik B.Eng. oder Wirtschaftsingenieurwesen. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Schichtmeister, Instandhaltungsleiter oder Betriebselektriker-Teamleiter realistisch. Das Bruttogehalt steigt mit Weiterbildung von ca. 2.600 EUR auf 4.000–5.500 EUR monatlich.
Bewerbungstipps
Da der Ausbildungsstart meist im August oder September liegt, sollte die Bewerbung schon 9 bis 12 Monate vorher, also ab Oktober des Vorjahres, verschickt werden. Die Mappe enthält ein Anschreiben mit Bezug auf konkrete elektrotechnische Interessen, den tabellarischen Lebenslauf, das letzte Schulzeugnis und eventuelle Praktikumsnachweise. Im Vorstellungsgespräch werden häufig einfache technische Fragen gestellt, etwa zu den Grundlagen der Elektrotechnik oder dem Ohmschen Gesetz. Viele Unternehmen setzen zusätzlich technische Eignungstests ein, die räumliches Denken, Grundrechenarten und Elektronik-Grundwissen prüfen, oder greifen auf den IHK-Einstellungstest zurück. Besonders positiv fallen Bewerber auf, die eigene Bastelprojekte wie Elektronikbausätze oder Arduino-Experimente vorweisen, ein Schülerpraktikum in einem technischen Betrieb absolviert haben oder bereits Grundkenntnisse zu Schaltkreisen und Elektrosicherheit mitbringen.
Ratgeber
Schaltschränke prüfen, Frequenzumrichter tauschen und Leitungen nach Stromlaufplan verlegen: Das ist der Arbeitsalltag von Industrieelektrikern, die zudem Fehler an SPS-gesteuerten Anlagen wie Siemens S7 mit Multimeter und Oszilloskop suchen. Die Ausbildung dauert nur 2 Jahre nach BBiG und wird mit 650 bis 950 Euro vergütet, der Einstieg liegt bei rund 2.600 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Industrieelektriker in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Industrieelektriker?
Gibt es beim Industrieelektriker verschiedene Fachrichtungen?
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Industrieelektriker?
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Industrieelektriker?
Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zum Industrieelektriker?
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