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Fachkraft für Lederverarbeitung

Die Fachkraft für Lederverarbeitung ist ein handwerklich-industrieller Ausbildungsberuf im Bereich Textil und Bekleidung, der sich mit der Verarbeitung von Leder, Kunstleder und verwandten Materialien befasst. Fachkräfte fertigen und reparieren Taschen, Gürtel, Sattlerwaren, Schuhe oder Lederaccessoires mithilfe spezialisierter Maschinen und Handarbeitstechniken. Der Beruf eignet sich für Menschen mit Gespür für Materialien, handwerklichem Geschick und Interesse an Modeaccessoires oder technischen Produkten aus Leder.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

450–750 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2.100 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Fachkraft für Lederverarbeitung?

Der Arbeitsalltag einer Fachkraft für Lederverarbeitung beginnt meist mit der Materialkontrolle: Leder und Kunstleder werden auf Qualität, Fehler und Maßhaltigkeit geprüft. Anschließend werden Schnittschablonen aus Karton oder CAD-Systemen auf das Leder übertragen und mit Stanzmessern, Rollmessern oder halbautomatischen Stanzmaschinen zugeschnitten. Morgens stehen oft maschinelle Arbeitsschritte im Vordergrund – zum Beispiel das Schärfen (Ausdünnen) der Lederkanten an Schärfmaschinen oder das Aufrauen von Klebestellen. Nachmittags werden die Teile an Industrienähmaschinen mit Dreifachtransport zu fertigen Produkten zusammengenäht oder mit Klebstoffsystemen (z. B. Neoprenkleber) gefügt. Weitere Tätigkeiten umfassen das Prägen von Mustern mittels Heißprägezangen, das Einnähen von Reißverschlüssen sowie Finish-Arbeiten wie Kantenfarbe auftragen. Man arbeitet eng mit Produktionsleitung, Qualitätskontrolle und Lagerpersonal zusammen. Ein typisches Beispiel: Fertigung einer Lederhandtasche vom Zuschnitt bis zur fertig genähten Tasche inklusive Beschläge.

Wo arbeitest du?

Fachkräfte für Lederverarbeitung finden Arbeit in kleinen bis mittelständischen Handwerksbetrieben (Sattlereien, Taschenwerkstätten, Schuhmanufakturen) sowie in industriellen Fertigungsbetrieben für Lederaccessoires, Automobilzulieferer (Lederinnenausstattung) und Modehäuser. Bekannte Arbeitgeber sind Braun Büffel, Bree, MCM, Picard oder regionale Sattlerbetriebe. Auch Reparaturdienste und Luxusgüterhersteller sind relevante Arbeitgeber. Es besteht ein spürbarer Fachkräftemangel, da der Beruf relativ selten ausgebildet wird und traditionelle Handwerkskenntnisse gefragt sind.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein Hauptschulabschluss, ein mittlerer Bildungsabschluss ist jedoch von Vorteil, da betriebswirtschaftliche und technische Inhalte der Berufsschule ein gewisses abstraktes Verständnis erfordern. Mathematik für Maßberechnungen und Kalkulation, Werken oder Technik sowie Kunst für Formgebung und Ästhetik zählen zu den wichtigen Schulfächern. Handwerkliches Geschick, Fingerfertigkeit und Geduld sind für die Lederverarbeitung entscheidend. Sorgfalt beim Arbeiten mit hochwertigen Materialien ist ebenso wichtig wie ein Gespür für Qualität und Detailgenauigkeit; Teamfähigkeit und körperliche Belastbarkeit für stehende Tätigkeit runden das Profil ab.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr werden Grundlagen der Lederverarbeitung vermittelt: Lederarten (Rind, Ziege, Nappa, Velours), Kunstleder und Ersatzmaterialien sowie deren Eigenschaften werden kennengelernt. Grundlegende Handtechniken wie Schneiden, Falzen, Kleben und einfaches Nähen stehen im Vordergrund. Im zweiten und dritten Lehrjahr vertiefen Auszubildende maschinelles Nähen an Industrienähmaschinen, Stanztechnik sowie Qualitätsprüfung nach DIN-Normen. Zentrale Lernfelder sind Fertigungsplanung, Arbeitsvorbereitung, Qualitätssicherung und Kalkulation. Spezialisierungen erfolgen je nach Betrieb in Richtung Taschen- und Kleinlederwaren, Sattlerei, Schuhfertigung oder technische Lederartikel. Im Vergleich zu Schuhmachern liegt der Fokus stärker auf Flächenprodukten und variablen Fertigungslinien als auf der individuellen Fußanpassung.

Fertigungstechnik LederMaterialkunde und QualitätssicherungBetriebswirtschaft und KalkulationWirtschafts- und SozialkundeDeutsch/Kommunikation

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Abschlussprüfung ist nach dem Berufsbildungsgesetz gestreckt und läuft in zwei Teilen. Teil 1 findet am Ende des ersten Ausbildungsjahres, etwa im zwölften Monat, statt: praktisch wird in rund 90 Minuten ein einfaches Lederobjekt nach Vorgabe gefertigt. Teil 2 liegt am Ende des dritten Lehrjahres und gliedert sich in vier Bereiche: Der Fertigungsauftrag als praktische Prüfung dauert etwa sieben Stunden und zählt 50 Prozent. Schriftlich werden Fertigungstechnik und Qualitätssicherung mit 120 Minuten und 20 Prozent sowie Planung und Kalkulation mit 60 Minuten und 15 Prozent geprüft, dazu Wirtschafts- und Sozialkunde mit 60 Minuten und 15 Prozent. Für das Bestehen sind insgesamt mindestens 50 von 100 Punkten nötig, kein Prüfungsbereich darf unter 30 Punkte fallen; an den praktischen Fertigungsauftrag schließt sich ein Fachgespräch von etwa 15 Minuten an.

Prüfungsthemen

  • Lederkunde: Tierarten, Gerbverfahren, Qualitätsmerkmale
  • Schnitttechnik: Schablonenerstellung, Zuschnitt, Stanztechnik
  • Nähtechnik: Maschinenführung, Stichlänge, Fadenstärke
  • Klebetechnik: Klebstoffauswahl, Auftragsmethoden, Aushärtezeiten
  • Qualitätssicherung: Prüfverfahren, Fehleranalyse, DIN-Normen
  • Arbeitsvorbereitung und Kalkulation: Materialbedarf, Stückkosten
  • Wirtschafts- und Sozialkunde: Ausbildungsrecht, Arbeitsvertrag, Sozialversicherung

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung bieten sich mehrere Weiterbildungswege: Der Meister im Lederverarbeitenden Handwerk (HwO) ermöglicht die Führung eines eigenen Betriebs oder die Übernahme von Ausbildungsverantwortung. Alternativ ist ein Techniker-Abschluss (Staatlich geprüfter Techniker Textiltechnik oder Ledertechnik) möglich. Wer führungsseitig stärker in die Betriebsorganisation wechseln möchte, kann den Fachwirt Textilwirtschaft (IHK) absolvieren. Passende Studiengänge sind Modedesign, Produktionstechnik oder Werkstoffwissenschaften. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Schichtleiter, Produktionsleiter oder Qualitätsmanager erreichbar. Das Bruttomonatsgehalt kann dann auf 2.800–3.800 EUR steigen. Spezialisierungen in Luxusgüterherstellung oder technischen Lederprodukten sind besonders gefragt.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor dem Ausbildungsstart eingereicht werden, da viele Betriebe früh planen. Ein Anschreiben mit Bezug auf Materialkunde oder handwerkliche Hobbys, ein tabellarischer Lebenslauf und aktuelle Schulzeugnisse gehören in die Mappe. Im Vorstellungsgespräch wird häufig nach Erfahrungen mit Handarbeit, Nähen oder Basteln gefragt; manche Betriebe führen praktische Eignungstests mit einfachen Schnitt- oder Klebeaufgaben durch. Ausbilder überzeugt man besonders durch nachweisbares handwerkliches Interesse, etwa eigene Nähprojekte, Schuhreparaturen oder Lederarbeiten als Hobby. Pünktlichkeit, Sorgfalt und Materialkenntnis, also das Benennen verschiedener Lederarten, hinterlassen im Gespräch einen starken ersten Eindruck.

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Ratgeber

Wer als Fachkraft für Lederverarbeitung arbeitet, schneidet Leder und Kunstleder anhand von Schablonen mit Stanz- oder Rollmesser zu, näht Bezüge an Industrienähmaschinen zusammen und veredelt Produkte durch Prägen oder Kantenfärben. Die dreijährige Ausbildung nach BBiG wird mit 450 bis 750 Euro vergütet, der Einstiegsverdienst liegt bei etwa 2.100 Euro. Ein typisches Beispiel ist die Fertigung einer Lederhandtasche vom Zuschnitt bis zur Endmontage.

Häufige Fragen

Wie viel verdient man als Fachkraft für Lederverarbeitung in der Ausbildung?
Das Ausbildungsgehalt als Fachkraft für Lederverarbeitung liegt bei etwa 450–750 Euro pro Monat. Nach der Ausbildung liegt das Einstiegsgehalt bei etwa 2.100 Euro monatlich.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Fachkraft für Lederverarbeitung?
Die duale Ausbildung zum Fachkraft für Lederverarbeitung dauert regulär 3 Jahre. In dieser Zeit wechselst du zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb.
Welche Spezialisierungen gibt es in der Ausbildung zur Fachkraft für Lederverarbeitung?
Die Ausbildung kann je nach Ausbildungsbetrieb unterschiedliche Schwerpunkte umfassen, etwa die Herstellung von Schuhen, Taschen, Gürteln, Sattlerwaren oder technischen Lederprodukten. Betriebe aus verschiedenen Teilbranchen der Lederverarbeitung prägen dabei den jeweiligen Ausbildungsinhalt maßgeblich.
Welcher Schulabschluss wird für diese Ausbildung benötigt?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis stellen viele Ausbildungsbetriebe Bewerber mit Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss ein. Entscheidend sind oft handwerkliches Geschick, Sorgfalt und Interesse an der Materialverarbeitung.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern kann man als Fachkraft für Lederverarbeitung arbeiten?
Mögliche Arbeitgeber sind Unternehmen der Schuh- und Lederwarenindustrie, Sattlereien, Hersteller von Reisegepäck und Accessoires sowie Betriebe, die technische Lederprodukte fertigen. Auch kleinere Handwerksbetriebe und Manufakturen im Bereich Luxusgüter kommen als Arbeitgeber infrage.
Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung ist eine Weiterbildung zum Meister im Berufsfeld Leder oder Textil möglich, ebenso Fortbildungen im Bereich Qualitätssicherung oder Produktionsmanagement. Mit entsprechender Berufserfahrung und gegebenenfalls Fachhochschulreife besteht zudem die Möglichkeit, ein Studium im Bereich Modedesign, Textiltechnik oder Betriebswirtschaft aufzunehmen.

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