Segelmacher
Segelmacher fertigen und reparieren Segel, Planen, Zelte, Markisen und andere technische Textilien aus Hochleistungsgeweben wie Dacron, Mylar, Dyneema oder Carbonfaserlaminaten. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick beim Nähen und Konfektionieren mit physikalischem Verständnis für Windkräfte und Segelgeometrie. Er eignet sich für Menschen mit Freude an Präzisionsarbeit, maritimem Umfeld und dem Umgang mit modernen Hochleistungsmaterialien.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
420–700 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.300 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Segelmacher?
Morgens beginnt der Arbeitstag in der Segelmacherei mit dem Sichten von Aufträgen und dem Zuschneiden von Segeltuch auf großen Schneidetischen oder per CAD-gesteuerter Zuschneidemaschine. Du überträgst Schnittmuster auf Dacron- oder Laminatbahnware, markierst Nahtlinien und bereitest Verstärkungspatches aus Kevlar oder Dyneema vor. An der Industrienähmaschine (z. B. Pfaff oder Dürkopp) nähst du Segelbahnen mit Zickzack- oder Flachnaht zusammen und verarbeitest Lieken, Kausche und Rings aus Edelstahl oder Aluminium mit Hohlnietpresse und Ösenmaschine. Nachmittags werden fertige Segel auf dem Boden oder an Messleinen ausgelegt und geometrisch geprüft – Profiltiefe und Bauchlage werden mit Schablonen und Messlatten kontrolliert. Du besprichst Anpassungen mit Seglern oder Schiffeignern, nähst Reparaturflicken auf gerissene Segel auf und pflegst Maschinen und Werkzeuge. Auch die Herstellung von Persennings, Sprayhoods und Planen aus PVC-beschichtetem Polyester gehört zum Alltag.
Wo arbeitest du?
Segelmacher arbeiten überwiegend in kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben an Küstenstandorten wie Kiel, Hamburg, Lübeck, Rostock, Flensburg, Cuxhaven oder am Bodensee. Bekannte Arbeitgeber sind spezialisierte Segelmachereien (z. B. Elvström Sails, Seidler Segelmacherei, Doyle Sails), Marina-Betreiber mit eigener Werkstatt sowie Hersteller von technischen Textilien und Planen. Es besteht ein deutlicher Fachkräftemangel, da die Zahl der Ausbildungsbetriebe gering ist und handwerklich versierte Nachwuchskräfte gesucht werden.
Voraussetzungen
Empfohlen wird mindestens ein Hauptschulabschluss, in der Praxis bevorzugen viele Betriebe jedoch Bewerber mit Realschulabschluss. Mathematik für Flächenberechnungen und Maßstäbe, Physik für Kräfte und Aerodynamik sowie Werken oder Textilgestaltung zählen zu den wichtigen Schulfächern. Räumliches Vorstellungsvermögen und Präzision bei Maß und Naht sind für die Segelherstellung entscheidend, ebenso Handgeschicklichkeit und Geduld bei langwierigen Näharbeiten. Interesse an Maritimem, Segeln oder Outdoor-Sport ist von Vorteil, dazu farbsicheres Sehen und körperliche Belastbarkeit beim Hantieren großer Tuchbahnen.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Textilverarbeitung im Mittelpunkt: Maschinennähen, Nähtechniken wie Doppelsteppstich und Zickzacknaht, Werkstoffe (Polyester, Nylon, Laminatgewebe, PVC), Schnitttechnik und Kantenbearbeitung sowie Sicherheitsvorschriften im Umgang mit Schneidgeräten und Pressen. Im zweiten Lehrjahr vertiefst du die Segelgeometrie – Höhe, Breite, Bauch, Verdrehung – und lernst CAD-Software zur Segelkonstruktion (z. B. Sailcut CAD) kennen. Du fertigst erste komplette Segel (Großsegel, Fock) und arbeitest mit Laminatmaterialien wie Mylar und Carbon. Im dritten Lehrjahr spezialisierst du dich auf komplexe Produkte wie Spinnaker, Asymmetrische Spinnaker und technische Planen, lernst Beschlagmontage mit Hydraulikpresse sowie Qualitätskontrolle und Kundenberatung. Damit unterscheidet sich die Ausbildung klar von Raumausstatter oder Sattler durch den maritimen Fokus und die Arbeit mit Hochleistungsfaserverbundtextilien.
IHK-Prüfung & Abschluss
Weil Segelmacher ein Handwerksberuf ist, organisiert die zuständige Handwerkskammer die Abschlussprüfung nach dem Berufsbildungsgesetz. Mitte des zweiten Lehrjahres, etwa im 18. Ausbildungsmonat, findet die Zwischenprüfung statt: schriftlich in 90 Minuten zu Werkstoffen, Maschinenkunde und Grundrechnen, praktisch in rund vier Stunden. Die Gesellenprüfung, Teil 2, wird gegen Ende des dritten Lehrjahres abgelegt. Die praktische Arbeitsprobe über etwa zwei Tage beziehungsweise 16 Stunden umfasst die Fertigung eines vollständigen Segels oder einer technischen Plane inklusive aller Beschläge und Lieken und zählt 50 Prozent. Schriftlich werden Technologie mit 120 Minuten, Technische Mathematik mit 60 Minuten und Wirtschafts- und Sozialkunde mit 60 Minuten geprüft, jeweils mit rund 17 Prozent gewichtet. In jedem Prüfungsbereich sind mindestens 50 von 100 Punkten nötig; eine mangelhafte Note in einem Bereich kann unter bestimmten Voraussetzungen durch andere Bereiche ausgeglichen werden.
Prüfungsthemen
- Segelgeometrie und Schnittkonstruktion (Profil, Bauch, Liekenspannung)
- Werkstoffe und ihre Eigenschaften (Dacron, Mylar, Dyneema, PVC-Laminat, Kevlar)
- Maschinenkunde (Industrienähmaschinen, Ösenpresse, Hohlnietmaschine)
- Beschlagmontage und Verbindungstechnik (Kauschen, Schekel, Ringe, Reißverschlüsse)
- Technische Mathematik (Flächenberechnung, Tuchverbrauch, Maßstäbe)
- Qualitätskontrolle und Reparaturtechniken
- Wirtschafts- und Sozialkunde
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Gesellenprüfung besteht die Möglichkeit, den Meistertitel als Segelmachermeister (HwK) abzulegen – dieser berechtigt zur Führung eines eigenen Betriebs und zur Ausbildung. Weiterbildungen zum Techniker (Staatl. geprüfter Techniker Fachrichtung Textiltechnik) oder zum Fachkaufmann für handwerkliche Unternehmen ergänzen die Karriereoptionen. Mit Abitur ist ein Studium im Bereich Textilingenieurwesen (B.Eng.), Schiffbau oder Composite-Technologie möglich. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Werkstattleiter, Betriebsleiter einer Segelmacherei oder Produktmanager bei Segeltuchherstellern (z. B. North Sails, Contender) realistisch. Gehälter steigen vom Berufseinstieg (ca. 2.200–2.600 EUR brutto) auf bis zu 3.500–4.500 EUR als Meister oder Betriebsleiter.
Bewerbungstipps
Bewerbungen sollten 12 bis 18 Monate vor dem Ausbildungsstart im September abgeschickt werden, also bereits im Herbst des Vorjahres. Ein Anschreiben mit Bezug zum Segeln oder zu handwerklichen Hobbys, ein tabellarischer Lebenslauf, die letzten beiden Zeugniskopien und mögliche Nachweise über Segelkurse oder handwerkliche Praktika gehören in die Mappe. Im Vorstellungsgespräch werden häufig praktische Aufgaben gestellt, etwa das Einschätzen von Stoffeigenschaften oder das Bedienen einer Nähmaschine; formale IHK-Einstellungstests sind bei diesem Handwerksberuf weniger üblich, stattdessen zählen Geschicklichkeitsproben. Ausbilder überzeugt, wer Kenntnisse über Segeltypen und -material mitbringt, ein Portfolio eigener Näh- oder Handwerksprojekte vorlegt und Bereitschaft zeigt, in einem kleinen Team eigenverantwortlich zu arbeiten.
Ratgeber
In der Segelmacherei schneiden Segelmacherinnen und Segelmacher Dacron- oder Laminatbahnen zu, nähen sie an Industrienähmaschinen zusammen und prüfen Profiltiefe und Bauchlage der fertigen Segel mit Schablonen. Die dreijährige BBiG-Ausbildung wird mit 420 bis 700 Euro vergütet, der Einstieg danach liegt bei etwa 2.300 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Segelmacher in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Segelmacher?
Gibt es beim Segelmacher verschiedene Fachrichtungen oder Spezialisierungen?
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Segelmacher benötigt?
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Segelmacher?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
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