🧭AG
← Alle Berufe

Edelsteinfasser

Der Edelsteinfasser ist ein hochspezialisierter Goldschmiedehandwerksberuf, bei dem es darum geht, Edelsteine, Diamanten und andere Schmucksteine sicher und ästhetisch ansprechend in Metallfassungen einzusetzen. Das Besondere: Jede Fassung – ob Krappenfassung, Pavéfassung, Kanalfassung oder Zargenfassung – erfordert präzise Handarbeit unter dem Mikroskop und ein tiefes Verständnis für Materialeigenschaften. Der Beruf eignet sich für handwerklich hochbegabte Menschen mit außergewöhnlicher Fingerfertigkeit, Ausdauer und einem ausgeprägten Gespür für Ästhetik und Präzision.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

650–950 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2.200 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Edelsteinfasser?

Der Arbeitsalltag beginnt häufig mit der Materialvorbereitung: Du nimmst Edelsteine unter die Lupe, prüfst Schliff, Größe und Qualität und entnimmst vorbereitete Rohlinge aus dem Lager. Vormittags arbeitest du oft an anspruchsvollen Fassungsarbeiten – zum Beispiel das Einsetzen von Brillanten in eine Pavéfassung eines Platinrings. Dabei nutzt du Gravierstichel, Fassungszangen, Mikroskop, Beizlösung und Polierwerkzeuge. Du arbeitest im Sitzen unter starker Vergrößerung, oft viele Stunden konzentriert an einem einzigen Stück. Nachmittags folgen einfachere Serienarbeiten wie das Fassen von Zirkonia in Channelfassungen für Modeschmuck, Qualitätskontrolle fertiger Stücke oder Nacharbeiten an Reklamationen. Du stimmst dich regelmäßig mit Goldschmieden, Designern und Qualitätsprüfern ab. In Manufakturen arbeitest du im Team, in kleinen Ateliers oft eng mit dem Meister zusammen.

Wo arbeitest du?

Edelsteinfasser arbeiten in Juwelier- und Goldschmiedewerkstätten, Schmuckmanufakturen und in der industriellen Schmuckproduktion. Bekannte Arbeitgeber und Zentren sind Firmen im Schmuckcluster Pforzheim (z.B. Storz & Bickel, Christ), sowie Luxusmarken-Zulieferer. Auch Ateliers in Idar-Oberstein, dem deutschen Edelsteinzentrum, bieten Ausbildungsplätze. Der Arbeitsmarkt ist eng: Es gibt wenige Ausbildungsplätze und deutlichen Fachkräftemangel, was die Jobchancen für Absolventen gut macht.

Voraussetzungen

Ein Realschulabschluss wird empfohlen, da die Ausbildung Kenntnisse in Mathematik für Steindurchmesser und Fasstiefen sowie Physik für Optik und Härte voraussetzt; wichtige Fächer sind außerdem Chemie und Kunst beziehungsweise Werken. Außergewöhnliche Fingerfertigkeit sowie Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer für stundenlange Präzisionsarbeit unter dem Mikroskop solltest du mitbringen. Ein ausgeprägtes Gespür für Ästhetik, Farben und Formen sowie Geduld im Umgang mit teuren Materialien sind unerlässlich, ebenso räumliches Vorstellungsvermögen und eine ruhige Hand.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr lernst du die Grundlagen: Metallkunde (Gold, Silber, Platin, ihre Legierungen), Werkzeugkunde, grundlegende Fassungsarten wie Krappenfassung und Zargenfassung sowie das Anlegen und Schärfen von Graviersticheln. Außerdem: Edelsteinkunde – Grundbegriffe zu Mineralien, Schliffformen und Härtegrade nach Mohs. Im zweiten Lehrjahr kommen komplexere Techniken hinzu: Pavé-, Kanal- und Blindfassungen, das Arbeiten mit Brillanten und empfindlichen Farbsteinen sowie das Einrichten von Fassungsbetten. Du übst das Mikroskoparbeiten intensiv. Im dritten Lehrjahr vertiefst du anspruchsvolle Gestaltungsaufgaben, Reparaturtechniken, Fehleranalyse und Qualitätskontrolle nach DIN-Normen. Die Ausbildung unterscheidet sich von der des Goldschmieds durch den ausschließlichen Fokus auf die Fassungstechnik – Schmieden oder Löten stehen kaum im Mittelpunkt.

Schmuckgestaltung und SchmuckdesignEdelsteine und EdelmetalleFassungstechniken und SteinfassungTechnisches Zeichnen und CADBetriebswirtschaft und KundenberatungDeutsch/KommunikationMathematik und Kalkulation

IHK-Prüfung & Abschluss

Prüfungsteil 1 findet nach etwa 18 Monaten statt: eine praktische Arbeitsprobe, bei der eine vorgegebene Fassung wie ein Krappenring mit Stein in maximal sechs Stunden angefertigt wird, sowie ein 90-minütiger schriftlicher Teil zu Werkstoffkunde und Fassungstechnik. Teil 2 am Ende der dreijährigen Ausbildung besteht aus der praktischen Gesellenstückprüfung - einer komplexen Fassungsarbeit nach Zeichnung, rund sechs bis acht Stunden (50 Prozent) - sowie den schriftlichen Prüfungen Gestaltung und Fertigung (120 Minuten), Werkstofftechnologie (60 Minuten) und Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten). Ein 15- bis 20-minütiges Fachgespräch über die praktische Arbeit ergänzt die Prüfung. In jedem Bereich ist mindestens die Note ausreichend, also 50 Prozent, erforderlich; kein Bereich darf mit ungenügend bewertet sein.

Prüfungsthemen

  • Schleifen, Polieren und Facettieren von Edelsteinen
  • Fassungstechniken und Steinbesatz
  • Edelsteinbestimmung und Klassifizierung
  • Edelmetallverarbeitung und -legierungen
  • Technisches Zeichnen und Schmuckdesign
  • Werkzeug- und Maschinenkunde
  • Qualitätskontrolle und Kundenspezifikationen

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Gesellenprüfung kannst du den Meisterbrief im Goldschmiedehandwerk ablegen – dieser öffnet die Tür zur selbstständigen Atelierleitung. Eine weitere Option ist der 'Geprüfte Gestalter im Handwerk' oder der Fachwirt für Schmuck und Edelsteine. Wer in Richtung Design strebt, kann Schmuck- und Edelsteindesign an Fachhochschulen wie der Akademie für Gestaltung studieren (z.B. Pforzheim, Trier). Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Werkstattleiter in Schmuckmanufakturen, Qualitätsmanager oder Ausbilder realistisch. Das Gehalt steigt mit Meisterbrief auf 2.800–3.500 €/Monat brutto, in leitenden Funktionen darüber hinaus.

Bewerbungstipps

Ab dem Herbst des Vorjahres, also 12 bis 18 Monate vor einem Ausbildungsstart im September, solltest du dich bewerben. In die Mappe gehören Anschreiben, Lebenslauf, letztes Schulzeugnis und besonders wichtig: eine Mappe mit eigenen handwerklichen oder künstlerischen Arbeiten wie Zeichnungen, Modellen oder Bastelarbeiten. Im Vorstellungsgespräch wird auf Präzision, Interesse an Edelsteinen und Schmuck sowie Fingerfertigkeit geachtet, manche Betriebe verlangen einen Eignungstest mit einfachen Feinmotorikübungen. Überzeuge Ausbilder durch Eigeninitiative - ein Praktikum beim Goldschmied oder Juwelier im Vorfeld ist fast unverzichtbar und zeigt echtes Interesse.

Werbung
Professionelle Bewerbungsunterlagen erstellen lassen -- Die Bewerbungsschreiber

Mehr Tipps: Bewerbung für die Ausbildung schreiben →

Ratgeber

Unter starker Vergrößerung setzen Edelsteinfasser Brillanten oder Zirkonia in Fassungen aus Platin oder anderen Metallen ein und arbeiten dabei mit Gravierstichel, Fassungszangen und Mikroskop. Die dreijährige BBiG-Ausbildung wird mit 650 bis 950 Euro vergütet, danach liegt das Einstiegsgehalt bei rund 2200 Euro. Enge Abstimmung erfolgt mit Goldschmieden und Designern.

Häufige Fragen

Wie viel verdient man als Edelsteinfasser in der Ausbildung?
Das Ausbildungsgehalt als Edelsteinfasser liegt bei etwa 650–950 Euro pro Monat. Nach der Ausbildung liegt das Einstiegsgehalt bei etwa 2.200 Euro monatlich.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Edelsteinfasser?
Die duale Ausbildung zum Edelsteinfasser dauert regulär 3 Jahre. In dieser Zeit wechselst du zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb.
Gibt es Spezialisierungen im Beruf des Edelsteinfassers?
Innerhalb der Ausbildung zum Edelsteinfasser gibt es verschiedene Fassungsarten, auf die man sich im Berufsalltag spezialisieren kann, etwa Zargenfassung, Pavéfassung oder Krappenfassung. Zusätzlich können Edelsteinfasser im Bereich Schmuck, Uhren oder dekorative Objekte tätig sein und so unterschiedliche handwerkliche Schwerpunkte entwickeln.
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Edelsteinfasser?
Gesetzlich vorgeschrieben ist kein bestimmter Schulabschluss, jedoch bevorzugen viele Betriebe Bewerber mit einem Hauptschul- oder Realschulabschluss. Von Vorteil sind gute Noten in Mathematik und Werken sowie ein ausgeprägtes handwerkliches Geschick und Feingefühl, da die Arbeit sehr präzise und kleinteilig ist.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Edelsteinfasser?
Edelsteinfasser sind überwiegend in der Schmuck- und Uhrenindustrie beschäftigt, also bei Juwelieren, Goldschmiedebetrieben und Schmuckherstellern. Bekannte Zentren dieser Branche in Deutschland sind unter anderem Pforzheim und Idar-Oberstein. Auch die Luxusgüterindustrie sowie Restaurierungsbetriebe für historischen Schmuck bieten Beschäftigungsmöglichkeiten.
Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zum Edelsteinfasser?
Nach der Ausbildung können Edelsteinfasser die Meisterprüfung im Goldschmiedehandwerk ablegen und sich damit selbstständig machen oder Führungsaufgaben übernehmen. Alternativ ist ein Studium in Bereichen wie Schmuckdesign, Produktdesign oder Werkstoffkunde möglich, sofern die entsprechende Hochschulzugangsberechtigung vorliegt oder über den zweiten Bildungsweg erworben wird.

Ähnliche Berufe in Metallberufe

Präzisionswerkzeugmechaniker

Präzisionswerkzeugmechaniker fertigen hochpräzise Werkzeuge, Schneidwerkzeuge, Lehren und Messmittel auf Zehntel- und Hundertstelmillimeter-Toleranz. Die Ausbildung verbindet klassische Zerspanungstechnik mit modernster CNC-Technologie und Messtechnik. Sie eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem technischen Verständnis, Freude an Genauigkeit und handwerklichem Geschick.

3.5 Jahre →

Mechaniker für Karosserieinstandhaltungstechnik

Mechaniker für Karosserieinstandhaltungstechnik reparieren und instand setzen Fahrzeugkarosserien nach Unfallschäden oder Verschleiß. Sie arbeiten mit modernen Richt- und Schweißtechniken sowie Lackvorbereitung. Der Beruf eignet sich für handwerklich geschickte Menschen mit technischem Verständnis und einem guten Auge für Formen und Maßgenauigkeit.

3 Jahre →

Metallbauer

Metallbauer fertigen und montieren Konstruktionen aus Stahl, Aluminium und anderen Metallen – von Treppen und Geländern über Fassaden bis hin zu Maschinenbauteilen. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit technischem Verständnis und ist in drei Fachrichtungen unterteilt: Konstruktionstechnik, Metallgestaltung und Nutzfahrzeugbau. Er eignet sich für Menschen mit Freude an präziser Metallverarbeitung, räumlichem Denken und körperlicher Arbeit.

3 Jahre →

Fluggerätmechaniker

Fluggerätmechaniker montieren, warten und reparieren Luftfahrzeuge wie Verkehrsflugzeuge, Hubschrauber oder Militärjets – unter höchsten Sicherheitsanforderungen und nach international verbindlichen Luftfahrtvorschriften (LTB, EASA Part-66). Der Beruf gliedert sich in drei Fachrichtungen: Triebwerkstechnik, Instandhaltungstechnik und Fertigungstechnik. Er eignet sich für technisch begeisterte Menschen mit hohem Qualitätsbewusstsein und Sorgfalt, die in einem anspruchsvollen, international geprägten Umfeld arbeiten möchten.

3.5 Jahre →