Fluggerätmechaniker
Fluggerätmechaniker montieren, warten und reparieren Luftfahrzeuge wie Verkehrsflugzeuge, Hubschrauber oder Militärjets – unter höchsten Sicherheitsanforderungen und nach international verbindlichen Luftfahrtvorschriften (LTB, EASA Part-66). Der Beruf gliedert sich in drei Fachrichtungen: Triebwerkstechnik, Instandhaltungstechnik und Fertigungstechnik. Er eignet sich für technisch begeisterte Menschen mit hohem Qualitätsbewusstsein und Sorgfalt, die in einem anspruchsvollen, international geprägten Umfeld arbeiten möchten.
Ausbildungsdauer
3.5 Jahre
Azubi-Gehalt
680–980 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.400 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Fluggerätmechaniker?
Der Arbeitsalltag eines Fluggerätmechanikers unterscheidet sich je nach Fachrichtung erheblich. In der Instandhaltung beginnt der Tag typischerweise mit der Übergabe der Arbeitskarten (Job Cards), auf denen genau dokumentiert ist, welche Wartungsarbeiten am jeweiligen Flugzeug fällig sind – etwa die 'A-Check' nach 400–600 Flugstunden oder die umfangreichere 'C-Check'. Man arbeitet mit kalibrierten Drehmomentschlüsseln, Boroskopen zur Inspektion schwer zugänglicher Triebwerksbereiche, hydraulischen Testsystemen und CMMS-Software (Computerized Maintenance Management System) wie Lufthansa Technik's Amos. Nachmittags werden Messungen dokumentiert, Teile bestellt oder Korrosionstests durchgeführt. In der Fertigungstechnik entstehen im Team Strukturbauteile aus Aluminium, Titan und Faserverbundwerkstoffen (CFK). Man arbeitet eng mit Qualitätsprüfern, Fachingenieuren und Avionik-Technikern zusammen. Alle durchgeführten Arbeiten werden in den Logbooks des Luftfahrzeugs lückenlos eingetragen und von lizenzierten B1/B2-Technikern freigegeben.
Wo arbeitest du?
Fluggerätmechaniker arbeiten bei MRO-Dienstleistern wie Lufthansa Technik (Hamburg/Frankfurt), SR Technics oder Air Hamburg, bei Herstellern wie Airbus (Hamburg, Bremen) oder MTU Aero Engines (München), bei der Bundeswehr (Heeresinstandsetzungslogistik) sowie bei Regionalfluggesellschaften und Business-Aviation-Betreibern. Der Fachkräftemangel ist erheblich: Laut BDLI fehlen bis 2030 europaweit rund 60.000 Luftfahrttechniker – die Jobaussichten sind entsprechend ausgezeichnet.
Voraussetzungen
Empfohlen wird mindestens die Mittlere Reife, da die Ausbildung hohe Anforderungen in Mathematik (Trigonometrie, technische Berechnungen), Physik (Strömungslehre, Mechanik) und Englisch für internationale Dokumentationen stellt; Betriebe wie Lufthansa Technik oder Airbus bevorzugen sogar Bewerber mit Fachhochschulreife oder Abitur. Absolute Sorgfalt und Genauigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen sowie Teamfähigkeit im Schichtbetrieb sind entscheidend. Wer zudem Stressresistenz bei engen Turnaround-Zeiten und nachweisbares Interesse an Luftfahrttechnik mitbringt, erfüllt die zentralen persönlichen Voraussetzungen.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr stehen grundlegende Metallbearbeitung, Messen und Prüfen, Werkstoffkunde (Aluminium, Titan, CFK) sowie Elektrotechnik-Grundlagen im Vordergrund. Man lernt, Zeichnungen und technische Dokumentationen nach Luftfahrtnormen zu lesen. Ab dem zweiten Lehrjahr vertiefen sich die Inhalte je nach Fachrichtung: In der Triebwerkstechnik lernt man Gasturbinenprinzipien, Triebwerksdemontage und -montage sowie Leckageprüfungen; in der Instandhaltung Hydrauliksysteme, Fahrwerke, Pneumatik und das Arbeiten mit AMM (Aircraft Maintenance Manual). Im dritten Lehrjahr kommen Qualitätssicherung nach ISO/EN 9110, Luftrecht, EASA-Regularien, Schadensbewertung an Strukturbauteilen und komplexe Fehlersuche hinzu. Die enge Verzahnung mit international geltenden Luftfahrtvorschriften unterscheidet diese Ausbildung fundamental von vergleichbaren KFZ- oder Industriemechaniker-Ausbildungen.
IHK-Prüfung & Abschluss
Die IHK-Prüfung ist zweigeteilt. Teil 1 findet nach etwa 18 Monaten, zur Mitte des zweiten Lehrjahres, statt: eine rund siebenstündige praktische Arbeitsaufgabe zu mechanischen und elektrotechnischen Grundfertigkeiten, etwa das Anfertigen und Prüfen von Bauteilen nach Zeichnung, mit 30 Prozent Gewicht. Teil 2 am Ende der 3,5-jährigen Ausbildung besteht aus einer 14- bis 16-stündigen praktischen Arbeitsaufgabe - einer vollständigen Instandhaltungs- oder Fertigungsaufgabe am realen Bauteil (45 bis 50 Prozent) - sowie drei schriftlichen Prüfungen zu Fluggerätbau und Instandhaltung, Wartung und Instandsetzung sowie Wirtschafts- und Sozialkunde von je 50 bis 90 Minuten. Ein 20-minütiges Fachgespräch ist Teil der praktischen Prüfung. Zum Bestehen darf kein Prüfungsbereich mit ungenügend und höchstens ein Bereich mit mangelhaft bewertet werden.
Prüfungsthemen
- Flugzeugsysteme und Komponenten (Hydraulik, Pneumatik, Elektrik)
- Wartung, Inspektion und Reparaturverfahren
- Sicherheit und Luftfahrtvorschriften (CS-23, JAR-23, FAR Part 23)
- Fehlerdiagnose und Fehlerbehebung an Systemen
- Metallbearbeitung und Werkstofftechnik in der Luftfahrt
- Technische Dokumentation und Wartungshandbücher
- Qualitätssicherung und Dokumentation
Karriere nach der Ausbildung
Mit der Ausbildung als Basis können Fluggerätmechaniker zügig die EASA Part-66 Lizenz (Kategorie B1 oder B2) erwerben, die zur selbstständigen Freigabe von Luftfahrtarbeiten berechtigt und das Gehalt auf 3.200–4.500 €/Monat steigert. Als Weiterbildung bieten sich der staatlich geprüfte Techniker Fachrichtung Maschinentechnik/Luft- und Raumfahrttechnik oder der Industriemeister Metall an. Passende Studiengänge sind Luft- und Raumfahrttechnik (B.Eng.), Maschinenbau oder Aviation Management. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Teamleiter Wartung, Qualitätsprüfer (Quality Inspector), Maintenance Planner oder technischer Ausbilder realistisch. Führungskräfte in der MRO-Branche (Maintenance, Repair, Overhaul) verdienen 5.000–7.500 €/Monat.
Bewerbungstipps
Da große Unternehmen wie Airbus oder Lufthansa Technik ihre Ausbildungsplätze sehr früh besetzen, sollten Bewerbungen 12 bis 18 Monate vor dem Start eingereicht werden. Die Mappe muss ein Anschreiben mit konkretem Technikbezug enthalten - eigene Bastelprojekte, Modellbau, Praktika in Werkstätten -, dazu ein lückenloses Schulzeugnis und einen tabellarischen Lebenslauf. Größere Unternehmen setzen einen mehrstufigen Eignungstest ein, der Mathematik, technisches Verständnis, räumliches Denken und Konzentrationsfähigkeit prüft; eine gezielte Vorbereitung mit Einstellungstestbüchern lohnt sich hier. Im Vorstellungsgespräch überzeugen Bewerber mit konkretem Wissen über die EASA, Grundkenntnissen in Flugtriebwerken und dem Nachweis praktischer Erfahrungen wie Werkkurse oder Schülerpraktika in Metallbetrieben.
Ratgeber
Ob Wartung nach Job Cards mit Boroskop und Drehmomentschlüssel oder Fertigung von Strukturbauteilen aus Titan und CFK – Fluggerätmechaniker übernehmen je nach Fachrichtung sehr unterschiedliche Aufgaben rund um Flugzeuge. Alle Arbeiten werden lückenlos im Logbuch dokumentiert. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre nach BBiG, vergütet mit 680 bis 980 Euro, der Einstieg liegt bei rund 2.400 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Fluggerätmechaniker in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Fluggerätmechaniker?
Welche Fachrichtungen gibt es bei der Ausbildung zum Fluggerätmechaniker?
Welchen Schulabschluss brauche ich für die Ausbildung zum Fluggerätmechaniker?
Bei welchen Arbeitgebern und in welchen Branchen kann ich als Fluggerätmechaniker arbeiten?
Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zum Fluggerätmechaniker?
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