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Binnenschiffer

Früher: Ewerführer

Binnenschiffer steuern und bedienen Frachtschiffe, Tanker, Fahrgastschiffe und Schubverbände auf Flüssen, Kanälen und Binnenseen. Der Beruf verbindet nautische Fähigkeiten mit technischem Verständnis für Schiffsmotoren, Schleusentechnik und Ladungsumschlag. Er eignet sich für Menschen, die gerne im Freien arbeiten, naturverbunden sind und keine Scheu vor körperlicher Arbeit sowie längeren Bordzeiten haben.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

600–900 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2.400 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Binnenschiffer?

Morgens beginnt der Arbeitstag mit der Überprüfung des Schiffstagebuchs, der Kontrolle von Motoröl, Kühlwasser, Kraftstoffreserven und der Funktionsfähigkeit der Navigationsanlage (Radar, ECDIS-Kartensystem, AIS-Transponder). Dann werden Ladungspapiere geprüft, Ladungsplan und Stabilitätsberechnung kontrolliert sowie die Ladung – z. B. Schüttgut, Container oder Gefahrgut – korrekt gesichert und verstaut. Nachmittags übernimmt man Steuerhaus-Wachen: Das Schiff wird per Ruderanlage und Bugstrahlruder präzise durch Schleusen, Brückendurchfahrten und Fahrwasserengstellen navigiert. Dabei wird eng mit Schleusenmeistern, Lotsen und anderen Schiffsführern über UKW-Funk kommuniziert. Technische Wartungsarbeiten wie Reinigung der Filter, Überprüfung von Bilgepumpen und kleinere Reparaturen an Deck gehören ebenfalls zum Tagesablauf. Abends werden Fahrtberichte dokumentiert und die Schiffsposition im Logbuch eingetragen. Man arbeitet in einem kleinen Team von 2–4 Personen direkt an Bord.

Wo arbeitest du?

Binnenschiffer arbeiten bei Reedereien wie HGK Shipping, Imperial Logistics, Contargo, Bayerische Schifffahrtsgesellschaft oder bei der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV). Tätig sind sie in der Schüttgut-, Mineralöl-, Chemikalien- und Containerschifffahrt sowie auf Fahrgastschiffen und Flusskreuzfahrten (A-ROSA, Viking River Cruises). Es handelt sich überwiegend um mittelständische Reedereien. Fachkräftemangel ist deutlich spürbar, die Branche sucht dringend qualifizierten Nachwuchs.

Voraussetzungen

Formal reicht ein Hauptschulabschluss für die Ausbildung zum Binnenschiffer, in der Praxis bevorzugen viele Reedereien jedoch Bewerber mit mittlerem Schulabschluss. Mathematik ist wichtig für Berechnungen zu Stabilität, Kraftstoff und Ladung, dazu kommen Physik, Geografie und Deutsch für Schriftverkehr und Logbuchführung. Freude an Natur und Wasser sollte vorhanden sein, ebenso Teamfähigkeit, da man auf engem Raum zusammenlebt, und Verantwortungsbewusstsein. Technisches Interesse sowie die Bereitschaft, längere Zeit von zu Hause entfernt zu sein, gehören zum Berufsbild, Schwindelfreiheit und körperliche Fitness sind ebenfalls wichtig.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im 1. Lehrjahr werden nautische Grundlagen vermittelt: Fahrwasserkunde, Wasserstraßenrecht (Rheinschifffahrtspolizeiverordnung, Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung), Knoten- und Seiltechnik, Umgang mit Anker und Festmacherleinen sowie Grundlagen der Schiffsmotorentechnik (Diesel, Getriebe, Propelleranlage). Im 2. Lehrjahr folgen Vertiefungen in Ladungskunde, Stauerei, Gefahrgutvorschriften (ADN-Abkommen), Stabilität und Trimm sowie Radarbedienung und Funksprechzeugnis (UBI). Im 3. Lehrjahr stehen Schiffsführung, Personalverantwortung, kaufmännische Grundlagen (Frachtverträge, Konnossemente) und Maschinenpflege im Vordergrund. Im Vergleich zu Seeleuten auf Hochseeschiffen konzentriert sich die Binnenschifferausbildung auf Binnengewässer, Schleusentechnik und speziell europäisches Binnenschifffahrtsrecht.

Nautik und WasserstraßenkundeSchiffsmaschinenkundeLadungs- und GüterverkehrskundeWirtschafts- und SozialkundeEnglisch (nautisches Fachvokabular)

IHK-Prüfung & Abschluss

Zur Mitte des zweiten Ausbildungsjahres, etwa zum 18. Monat, findet die Zwischenprüfung statt: ein schriftlicher Teil von rund 90 Minuten zu Wasserstraßenkunde, Motorentechnik und Knotentechnik sowie eine praktische Aufgabe an Bord zu Decksarbeiten, Festmachen und einfacher Wartung von etwa 60 Minuten. Die Abschlussprüfung Teil 2 am Ende des dritten Ausbildungsjahres besteht aus Fahrbetrieb und Nautik (schriftlich, 120 Minuten, 30 Prozent), Schiffsbetriebstechnik (schriftlich, 90 Minuten, 20 Prozent), Ladungsumschlag und Logistik (schriftlich, 90 Minuten, 20 Prozent) sowie einer praktischen Arbeitsaufgabe an Bord samt Fachgespräch von rund 90 Minuten (30 Prozent). Zum Bestehen müssen alle Bereiche mindestens mit 50 von 100 Punkten bewertet sein, ein schwach bestandener schriftlicher Bereich kann unter bestimmten Bedingungen durch gute Leistungen in anderen Bereichen ausgeglichen werden.

Prüfungsthemen

  • Wasserstraßenkunde und Nautik (Fahrwasser, Karten, Peilungen)
  • Binnenschifffahrtsrecht (BinSchStrO, RheinSchPV, EU-Recht)
  • Schiffsmotorentechnik und Maschinenanlage
  • Ladungskunde, Stauerei und Gefahrguttransport (ADN)
  • Schiffsstabilität und Trimm
  • UKW-Funk und Radar-Navigation
  • Schifffahrtskaufmännische Grundlagen und Logistik

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung kann der Matrosenbrief zum Steuermann und schließlich zum Schiffsführerschein (Patentklassen A, B auf dem Rhein) ausgebaut werden. Weiterbildungen umfassen den 'Fachkundenachweis ADN' für Gefahrguttransporte, den 'Radarpatent' nach CCNR-Standard sowie den EU-Befähigungsausweis nach Richtlinie 2017/2397/EU. Mit Berufserfahrung sind Positionen als Schiffsführer (Kapitän) auf Gütermotorschiffen oder Fahrgastschiffen erreichbar. Weiterführende Optionen sind ein Studium Nautik/Seefahrt (Bachelor of Engineering) oder eine Weiterbildung zum Verkehrsfachwirt IHK. Nach 5–10 Jahren sind Flottenverantwortliche oder Disponenten in Reedereien mit einem Bruttogehalt von 3.500–4.500 EUR möglich.

Bewerbungstipps

Idealerweise bewirbt man sich schon in der 9. oder 10. Klasse, also 12 bis 18 Monate vor dem gewünschten Ausbildungsstart, direkt bei Reedereien oder über die ZKR-Ausbildungsdatenbank. Ein Anschreiben mit Bezug zur Wasserstraße oder bisherigen Wassersporterfahrungen gehört in die Mappe, dazu tabellarischer Lebenslauf, die letzten beiden Schulzeugnisse sowie ein ärztliches Tauglichkeitszeugnis nach der Binnenschiffsuntersuchungsordnung. Im Vorstellungsgespräch werden technisches Grundverständnis, Teamfähigkeit und Motivation für den Bordalltag abgefragt, einige Reedereien führen zudem einfache Rechentests und einen Sporteignungstest durch. Punkte machen Bewerber mit Führerschein, Erste-Hilfe-Schein, Erfahrung im Wassersport wie Segeln, Rudern oder Kanufahren, oder einem Praktikum auf einem Schiff.

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Ratgeber

An Bord übernimmt der Binnenschiffer Steuerhaus-Wachen und navigiert das Schiff mit Ruderanlage und Bugstrahlruder durch Schleusen und Fahrwasserengstellen, während er Ladung sichert und Navigationsanlagen wie Radar, ECDIS und AIS-Transponder bedient. Die dreijährige BBiG-Ausbildung wird mit 600 bis 900 Euro vergütet, danach liegt das Einstiegsgehalt bei etwa 2400 Euro. Gearbeitet wird in einem kleinen Team direkt an Bord.

Häufige Fragen

Wie viel verdient man als Binnenschiffer in der Ausbildung?
Das Ausbildungsgehalt als Binnenschiffer liegt bei etwa 600–900 Euro pro Monat. Nach der Ausbildung liegt das Einstiegsgehalt bei etwa 2.400 Euro monatlich.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Binnenschiffer?
Die duale Ausbildung zum Binnenschiffer dauert regulär 3 Jahre. In dieser Zeit wechselst du zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb.
Gibt es bei der Ausbildung zum Binnenschiffer verschiedene Fachrichtungen?
Die Ausbildung zum Binnenschiffer ist nicht in offizielle Fachrichtungen unterteilt, umfasst jedoch verschiedene Tätigkeitsbereiche wie Güter- und Personenschifffahrt. Im Berufsalltag können sich Binnenschiffer später auf bestimmte Schiffstypen wie Tanker, Schubverbände oder Fahrgastschiffe spezialisieren. Zusätzlich gibt es Qualifikationen für das Führen von Fahrzeugen auf bestimmten Wasserstraßen.
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Binnenschiffer benötigt?
Für die Ausbildung zum Binnenschiffer ist kein bestimmter Schulabschluss gesetzlich vorgeschrieben. In der Praxis stellen die meisten Ausbildungsbetriebe Bewerber mit einem Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss ein. Neben schulischen Leistungen werden körperliche Fitness, Teamfähigkeit und die Bereitschaft zu längeren Abwesenheiten von zu Hause erwartet.
Bei welchen Arbeitgebern und in welchen Branchen arbeiten Binnenschiffer?
Binnenschiffer finden Beschäftigung bei Reedereien, Schifffahrtsunternehmen und Transportunternehmen auf Flüssen, Kanälen und Binnenseen. Mögliche Arbeitgeber sind Güterverkehrsunternehmen, Fahrgastschifffahrtsbetriebe sowie Behörden wie das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt. Deutschland verfügt mit dem Rhein, der Elbe und dem umfangreichen Kanalnetz über ein wichtiges Binnenwasserstraßennetz, das kontinuierlich Fachkräfte benötigt.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung können Binnenschiffer den Patentbrief als Schiffsführer oder den Europäischen Schiffsführerschein erwerben, um selbstständig Schiffe zu führen. Eine Weiterbildung zum Techniker oder Meister im Bereich Schifffahrt ist ebenfalls möglich. Mit der Ausbildung und entsprechender Berufserfahrung steht auch der Weg zu einem Studium an einer Fachhochschule, etwa im Bereich Maritime Logistik oder Nautik, offen.

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