Bauten- und Objektbeschichter
Bauten- und Objektbeschichter bereiten Oberflächen an Gebäuden, Fassaden und Innenräumen vor und versehen sie mit Farben, Lacken, Putzen oder dekorativen Beschichtungen. Der Beruf vereint handwerkliches Geschick mit Materialkunde und ästhetischem Gespür. Er eignet sich für Menschen, die gerne körperlich arbeiten, präzise mit Pinsel, Rolle und Spachtel umgehen und sichtbare Ergebnisse ihrer Arbeit schätzen.
Ausbildungsdauer
2 Jahre
Azubi-Gehalt
620–800 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.400 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Bauten- und Objektbeschichter?
Der Arbeitstag beginnt meist auf der Baustelle oder im Betrieb mit der Vorbereitung des Arbeitsbereichs: Schutzfolien und Abklebebänder werden ausgelegt, Gerüste und Leitern aufgebaut. Vormittags stehen Untergrundarbeiten im Vordergrund – Altanstriche schleifen mit Exzenterschleifern, Risse und Löcher mit Spachtelmasse und Füllern ausbessern, Wände mit Tiefengrund grundieren. Nachmittags folgen die eigentlichen Beschichtungsarbeiten: Fassaden streichen mit Dispersionsfarben oder Silikonharzfarben, Innenräume mit Dispersions- oder Latexfarben rollen und pinseln, Tapeten zuschneiden und verkleben oder Strukturputze mit Reibebrett und Glättkelle auftragen. Dabei werden Werkzeuge wie Malerpinsel, Farbroller, Spritzpistolen (HVLP-Systeme) und Rührwerke eingesetzt. Man arbeitet eng mit Maurern, Trockenbauern und Bodenleger zusammen und stimmt Arbeitsabläufe mit dem Vorarbeiter ab. Eine typische Aufgabe: das gleichmäßige Auftragen eines Wärmedämm-Verbundsystems (WDVS) an einer Außenfassade.
Wo arbeitest du?
Bauten- und Objektbeschichter finden Stellen hauptsächlich in Malerbetrieben und Bauunternehmen des Handwerks. Weitere Arbeitgeber sind Facility-Management-Unternehmen, kommunale Bauhöfe, Wohnungsbaugesellschaften und Industriebetriebe mit eigenen Instandhaltungsabteilungen. Bekannte Arbeitgeber sind regionale Malerbetriebe, Baukonzerne wie Bilfinger SE oder STRABAG sowie Gebäudemanagementdienstleister wie Wisag und Dussmann. Im Handwerk herrscht spürbarer Fachkräftemangel, besonders in Ballungsräumen.
Voraussetzungen
Für den Einstieg genügt formal ein Hauptschulabschluss, in der Praxis greifen Betriebe aber häufiger zu Bewerbern mit mittlerem Schulabschluss. Aus dem Schulunterricht sind Mathematik für Flächenberechnung und Mengenermittlung, Chemie für Werkstoffkunde und Lösemittel sowie Werken oder Technik von Nutzen. Da Gerüste, Leitern und kniende Arbeitshaltungen zum Alltag gehören, sollten Bewerber körperliche Belastung nicht scheuen und zugleich schwindelfrei sein. Sorgfalt beim Abkleben und Schützen angrenzender Flächen ist ebenso gefragt wie Zuverlässigkeit im Baustellenalltag und ein Gespür für Ordnung und Farbgestaltung.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr werden Grundlagen vermittelt: Arbeitssicherheit, Gerüstaufbau, Untergrundbeurteilung, Umgang mit Schleif- und Spachtelwerkzeug sowie einfache Streich- und Rolltechniken mit Dispersionsfarben. Grundkenntnisse in Farbenlehre (RAL-Farbtöne, NCS-System) und Materialkunde (Bindemittel, Pigmente, Lösemittel) stehen ebenfalls auf dem Lehrplan. Im zweiten Lehrjahr vertiefen Auszubildende Putz- und Beschichtungstechniken, lernen das Verarbeiten von Tapeten, Korrosionsschutzanstrichen und das Grundieren verschiedener Untergründe wie Beton, Holz und Metall. Dazu kommen Kenntnisse in Wärmedämmverbundsystemen und Fassadenbeschichtungen. Im Vergleich zu Malern und Lackierern liegt der Schwerpunkt weniger auf Dekorationsmalerei, sondern stärker auf Schutzbeschichtungen und Grundierungsarbeiten an Gebäuden.
IHK-Prüfung & Abschluss
Da die Ausbildung nur zwei Jahre dauert, entfällt eine separate Zwischenprüfung; stattdessen begleiten laufende Beurteilungen den Ausbildungsstand. Die Abschlussprüfung selbst findet im Frühjahr, meist April oder Mai, oder im Herbst zwischen Oktober und November statt. Im rund siebenstündigen praktischen Teil bearbeiten die Prüflinge ein komplettes Beschichtungsobjekt, etwa einen Fassadenabschnitt oder einen Innenraum, von der Untergrundvorbereitung über die Grundierung bis zur Schlussbeschichtung, gefolgt von einem etwa 15-minütigen Fachgespräch zur eigenen Arbeit. Schriftlich werden die Bereiche Beschichten von Bauteilen und Objekten mit 120 Minuten sowie Wirtschafts- und Sozialkunde mit 60 Minuten geprüft. Bei der Gewichtung zählt die Praxis mit 60 Prozent am stärksten, die schriftliche Beschichtungsaufgabe mit 30 Prozent und Wirtschafts- und Sozialkunde mit 10 Prozent. Bestanden hat, wer in jedem einzelnen Prüfungsbereich mindestens 50 von 100 Punkten erreicht.
Prüfungsthemen
- Untergrundvorbereitung und -beurteilung (Schleifen, Spachteln, Grundieren)
- Beschichtungsstoffe und ihre Eigenschaften (Dispersionsfarben, Silikonharzfarben, Lacke)
- Farbenlehre und Farbtonsysteme (RAL, NCS)
- Fassadenbeschichtungen und Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS)
- Arbeits- und Gesundheitsschutz auf Baustellen
- Werkzeug- und Maschinenkunde (Spritzpistolen, Schleifmaschinen, Rührwerke)
- Wirtschafts- und Sozialkunde
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung kann der Bauten- und Objektbeschichter zunächst als Geselle im Betrieb weiterarbeiten und sich zum Maler und Lackierer durch eine verkürzte Umschulung (ca. 1 Jahr) qualifizieren. Weiterführende Abschlüsse sind der Malermeister (HwK, ca. 3 Jahre berufsbegleitend), der Staatlich geprüfte Techniker Fachrichtung Farb- und Lacktechnik oder ein Studium im Bereich Bauingenieurwesen bzw. Farb- und Lacktechnologie (Bachelor). Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Vorarbeiter, Bauleiter oder Betriebsinhaber realistisch. Spezialisierungen in Korrosionsschutz, Brandschutzanstrichen oder Wärmedämmbeschichtungen erhöhen die Verdienstchancen erheblich.
Bewerbungstipps
Da der Ausbildungsstart meist im August oder September liegt, sollten Bewerbungen bereits 12 bis 18 Monate vorher auf den Weg gebracht werden. Anschreiben, Lebenslauf, letztes Schulzeugnis und, sofern vorhanden, Nachweise über Praktika im Handwerk bilden die Bewerbungsmappe. Im Gespräch fragen Ausbilder gern nach handwerklicher Vorerfahrung, Schwindelfreiheit und Teamfähigkeit, da viel im Team auf Gerüsten gearbeitet wird. Häufig folgt ein kurzer Eignungstest mit Rechenaufgaben zur Flächenberechnung und kleinen Geschicklichkeitsübungen. Besonders überzeugend wirken Bewerber, die bereits ein Praktikum im Maler- oder Bauhandwerk absolviert haben, Sorgfalt und Ordentlichkeit ausstrahlen und erkennen lassen, dass sie Farb- und Materialunterschiede bewusst wahrnehmen. Wer sich zusätzlich eigenständig mit Beschichtungsmaterialien beschäftigt hat, punktet im Gespräch zusätzlich.
Ratgeber
Wände schleifen, spachteln und mit Dispersionsfarbe streichen: Bauten- und Objektbeschichter bereiten Untergründe vor und tragen anschließend Fassaden- oder Innenraumfarben, Strukturputz oder Wärmedämm-Verbundsysteme auf. Die zweijährige BBiG-Ausbildung wird mit 620 bis 800 Euro vergütet, danach liegt das Einstiegsgehalt bei rund 2400 Euro. Gearbeitet wird auf Gerüsten ebenso wie in Innenräumen.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Bauten- und Objektbeschichter in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Bauten- und Objektbeschichter?
Gibt es Spezialisierungen im Beruf des Bauten- und Objektbeschichters?
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Bauten- und Objektbeschichter benötigt?
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Bauten- und Objektbeschichter?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
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