Kerzenhersteller und Wachsbildner
Früher: Wachszieher
Wachszieher stellen handwerklich und industriell Kerzen, Wachswaren und verwandte Produkte aus Paraffin, Stearin, Bienenwachs und synthetischen Wachsen her. Der Beruf verbindet chemisch-physikalisches Grundwissen mit handwerklicher Präzision bei Schmelz-, Gieß- und Tauchprozessen. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Materialkunde, Chemie und kreativem Handwerk.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
550–800 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.200 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Kerzenhersteller und Wachsbildner?
Morgens beginnt der Arbeitstag mit dem Vorbereiten der Schmelzanlagen: Rohwachse wie Paraffin (Schmelzpunkt 46–68 °C), Stearin und Bienenwachs werden in Schmelzkesseln und temperierten Gießanlagen auf die erforderliche Verarbeitungstemperatur gebracht. Temperatur und Viskosität werden mit Thermometern und Viskosimetern kontrolliert. Anschließend werden Gussformen gereinigt, Dochte aus Baumwoll- oder Leinengarnen eingespannt und Wachsmassen eingefüllt. Nachmittags stehen Qualitätskontrollen auf dem Programm: Kerzen werden auf Gewicht, Dochtsitz, Brenndauer und Oberflächenbeschaffenheit geprüft. Mängel werden dokumentiert und Rezepturen in Mischprotokollen angepasst. Beim Tauchziehen von Stabkerzen werden Dochte mehrfach durch ein Wachsbad gezogen, bis der gewünschte Durchmesser erreicht ist. Zusätzlich werden Farb- und Duftstoffzusätze nach Rezeptur eingewogen und eingearbeitet. Die Zusammenarbeit erfolgt mit Chemikanten, Maschinenbedienern und der Qualitätssicherung.
Wo arbeitest du?
Wachszieher finden Beschäftigung überwiegend in mittelständischen Kerzenfabriken und spezialisierten Wachswarenbetrieben, beispielsweise bei Unternehmen wie Bolsius, Gies Kerzen oder regionalen Manufakturen. Daneben bieten Hersteller technischer Wachsprodukte (Trennwachse, Schutzwachse, Kosmetikrohstoffe) Stellen an. Die Branche ist klein, der Fachkräftebedarf aber konstant, da kaum Nachwuchs ausgebildet wird — Fachkräftemangel ist in spezialisierten Produktionsbetrieben spürbar.
Voraussetzungen
Formal reicht ein Hauptschulabschluss, in der Praxis bevorzugen die meisten Betriebe aber Bewerber mit Realschulabschluss, weil chemisch-physikalische Grundkenntnisse die Einarbeitung deutlich erleichtern. Chemie, Physik und Mathematik sind die Fächer, in denen man sich auskennen sollte. Wer mit heißen Wachsmassen und exakten Rezepturen arbeitet, braucht vor allem Sorgfalt und Präzision, dazu technisches Verständnis für Maschinen und Anlagen sowie Zuverlässigkeit beim Einhalten von Qualitätsvorgaben. Da mit offenen Flammen und heißen Massen gearbeitet wird, ist ein ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein unverzichtbar.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr werden Grundlagen der Werkstoffkunde vermittelt: Eigenschaften und Unterschiede von Paraffin, Stearin, Carnaubawachs und Bienenwachs, Sicherheitsvorschriften beim Umgang mit Heißmassen und Brandschutz, sowie einfache Schmelz- und Gießverfahren. Grundlegende Maschinenpflege und das Einrichten von Tauchziehautomaten gehören ebenfalls dazu. Im zweiten Lehrjahr vertiefen Auszubildende das Rezepturwesen, die Farbstoff- und Duftstoffdosierung sowie die Verarbeitung von Wachsmischungen mit Additiven (z. B. Opazitätsmittel, UV-Stabilisatoren). Im dritten Lehrjahr folgen Spezialisierungen auf Hochleistungs-Gießanlagen, Rollenkerzenherstellung, Qualitätsmanagementsysteme nach DIN EN ISO 9001 und betriebswirtschaftliche Grundlagen. Im Vergleich zur Ausbildung zum Chemikanten liegt der Schwerpunkt stärker auf produktspezifischen Verarbeitungstechniken als auf allgemeiner Verfahrenstechnik.
IHK-Prüfung & Abschluss
Am Ende des zweiten Ausbildungsjahres steht die Zwischenprüfung an: 120 Minuten schriftlich zu Wachsrohstoffen, Schmelztechnik und Arbeitssicherheit. Im letzten Ausbildungsjahr folgt die Abschlussprüfung (Teil 2) mit vier Bereichen. Die praktische Herstellung zählt 40 Prozent: In sieben Stunden wird an einer Gieß- oder Tauchziehanlage eine vorgegebene Kerzenserie gefertigt und dokumentiert. Schriftlich kommen Wachstechnologie und Rezepturwesen (90 Minuten, 30 Prozent), Produktqualität und Prüfverfahren mit Brennverhalten, Normkenntnissen und Fehlerbewertung (60 Minuten, 20 Prozent) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (45 Minuten, 10 Prozent) hinzu. Ein 15-minütiges Fachgespräch zur praktischen Arbeit rundet die Prüfung ab. Bestanden ist, wer in jedem Bereich mindestens 50 von 100 Punkten erreicht, wobei eine mangelhafte Note durch andere Bereiche ausgeglichen werden kann.
Prüfungsthemen
- Eigenschaften und Verarbeitung von Paraffin, Stearin und Bienenwachs
- Schmelz- und Gießverfahren, Tauchziehprozesse
- Rezepturwesen, Farb- und Duftstoffdosierung
- Qualitätsprüfung: Brenndauer, Oberflächenbeschaffenheit, Normenkunde
- Arbeitssicherheit und Brandschutz beim Umgang mit Heißmassen
- Maschinenpflege und Störungsbeseitigung an Gießanlagen
- Wirtschafts- und Sozialkunde
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung können Wachszieher die Weiterbildung zum Industriemeister Chemie (IHK) absolvieren und damit Schichtleiter- oder Produktionsleiteraufgaben übernehmen. Alternativ bietet der staatlich geprüfte Techniker der Fachrichtung Chemietechnik eine fundierte technische Aufstiegsqualifikation. Für Abiturienten ist ein Studium der Chemieingenieurwissenschaften oder des Verfahrenstechnik-Bachelors (B.Eng.) möglich. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Produktionsleiter, Qualitätsmanager oder Entwickler neuer Wachsrezepturen realistisch. Gehaltlich steigt das Bruttomonatsgehalt von ca. 2.200 EUR im Berufseinstieg auf 3.200–4.000 EUR in Führungspositionen. Spezialisierungen in Dekor-Kerzenherstellung oder technischen Wachsprodukten (z. B. Schutzwachse, Kosmetikwachse) bieten weitere Nischenperspektiven.
Bewerbungstipps
Da es nur wenige Ausbildungsbetriebe in diesem Nischenberuf gibt, sollte die Bewerbung zwölf bis achtzehn Monate vor dem Start im September verschickt werden. Anschreiben, Lebenslauf und aktuelle Zeugnisse bilden die Basis der Bewerbungsmappe. Im Vorstellungsgespräch werden oft einfache Rechenaufgaben wie Mischungs- oder Prozentrechnung gestellt, dazu Fragen zur Arbeitssicherheit. Wer Interesse an Chemie oder Physik nachweisen kann, bereits handwerklich aktiv war - etwa beim Heimwerken oder Kochen - und sauber und ordentlich arbeitet, überzeugt Ausbilder. Ein Praktikum in einer Kerzenfabrik ist ein starkes Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen Bewerbern.
Ratgeber
Kerzenhersteller und Wachsbildner schmelzen Paraffin, Stearin oder Bienenwachs in temperierten Anlagen, gießen die Masse in Formen mit eingespannten Dochten und prüfen fertige Kerzen auf Gewicht, Brenndauer und Oberfläche. Farb- und Duftstoffe werden nach Rezeptur eingearbeitet. Die dreijährige BBiG-Ausbildung wird mit 550 bis 800 Euro vergütet, der Einstieg danach liegt bei etwa 2.200 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Kerzenhersteller und Wachsbildner in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Kerzenhersteller und Wachsbildner?
Gibt es verschiedene Spezialisierungen im Beruf des Wachsziehers?
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Wachszieher benötigt?
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Wachszieher?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zum Wachszieher?
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