🧭AG
← Alle Berufe

Uhrmacher

Uhrmacher stellen mechanische, elektronische und quarzgesteuerte Zeitmesser her, warten und reparieren diese. Der Beruf verbindet feinmechanisches Handwerk mit Elektronik und Optik auf höchstem Präzisionsniveau. Er eignet sich für Menschen mit außergewöhnlichem Fingerspitzengefühl, Geduld und einem Faible für Feinmechanik sowie ästhetisch anspruchsvolle Werkstücke.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

420–700 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2.200 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Uhrmacher?

Morgens beginnt der Arbeitsalltag in der Werkstatt mit der Annahme von Kundenuhren und der Fehlerdiagnose: Mit Lupenbrille oder Stereomikroskop wird das Uhrwerk analysiert, Gangabweichungen werden am elektronischen Prüfgerät (Witschi Timing Center) gemessen. Dann werden Uhren sorgfältig zerlegt – Platinen, Räderwerke, Hemmungen, Federn und Zifferblätter werden in Sortierschalen abgelegt. Die Reinigung erfolgt im Ultraschallbad oder der mechanischen Uhrenwaschmaschine. Nachmittags werden gereinigte Uhrwerke mit Pinzette, Federstecker, Schraubenziehern und Ölauftragsstiften wieder zusammengesetzt und präzise eingestellt. Typische Aufgaben: Wechseln einer gebrochenen Unruhspiralfeder bei einer mechanischen Armbanduhr sowie das Programmieren und Kalibrieren von GPS-Funkuhren. Zusammengearbeitet wird eng mit Kunden, Lieferanten für Ersatzteile (Eta, Rolex, Swatch Group) sowie bei größeren Betrieben mit Goldschmieden oder Juwelieren.

Wo arbeitest du?

Uhrmacher arbeiten überwiegend in kleinen und mittelständischen Uhrmacherbetrieben und Juweliergeschäften mit eigener Werkstatt. Weitere Arbeitgeber sind autorisierte Servicecenter internationaler Uhrenmarken (Rolex, LVMH, Swatch Group, Patek Philippe), Uhrenhersteller sowie Restaurierungswerkstätten für historische Uhren. Museen mit uhrmacherischen Sammlungen beschäftigen ebenfalls spezialisierte Fachkräfte. Es besteht ein deutlicher Fachkräftemangel, da bundesweit nur noch wenige Berufsschulen diesen Beruf anbieten und die Absolventenzahlen stark zurückgegangen sind.

Voraussetzungen

Ein guter Hauptschulabschluss ist Grundvoraussetzung, idealerweise sollte ein Realschulabschluss vorliegen, da Physik, Mathematik und Chemie für das Verständnis von Mechanik, Elektrotechnik und Werkstoffkunde unerlässlich sind. Besonders wichtig sind Physik mit Schwingungslehre und Optik, Mathematik mit Geometrie und Trigonometrie sowie Werken beziehungsweise Technik. Ausgeprägte Feinmotorik und Konzentrationsfähigkeit sollten Bewerber ebenso mitbringen wie geduldiges, präzises Arbeiten und ein ästhetisches Gespür für hochwertige Objekte. Interesse an historischen und modernen Zeitmessern sowie technisches Verständnis sind von großem Vorteil.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Feinmechanik im Vordergrund: Werkstoffkunde (Stahl, Messing, Rubin, Synthetiksteine), der Umgang mit Werkzeug wie Pinzetten, Feilen, Drehmaschinen und Präzisionsschraubenziehern sowie das Zeichnen und Lesen technischer Zeichnungen. Grundbegriffe der Elektrotechnik und Optik werden eingeführt. Im zweiten Lehrjahr vertiefen Auszubildende die Demontage und Montage mechanischer Hemmungen (Ankerhemmung, Zylinderhemmung), die Prüfung von Ganggenauigkeit sowie Grundlagen der Quarztechnik. Im dritten Lehrjahr werden komplexe Arbeiten wie das Reparieren von Komplikationen (Chronograph, Kalender, Mondphase), die Instandsetzung von Taschenuhren, Großuhren und Wanduhren sowie die Fehlersuche in elektronischen Uhrwerken und Funkuhren gelehrt. Im Unterschied zu Feingerätemechanikern spezialisieren sich Uhrmacher ausschließlich auf Zeitmessgeräte.

Uhrentechnik (Fachtheorie mechanische und elektronische Uhren)Feinmechanik und WerkstoffkundeElektrotechnik und ElektronikTechnisches ZeichnenWirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Zur Mitte des zweiten Ausbildungsjahres, etwa im 18. Monat, findet die Zwischenprüfung statt: schriftlich 120 Minuten zu technologischen Grundlagen sowie eine rund vierstündige praktische Arbeitsaufgabe, bei der ein einfaches mechanisches Uhrwerk demontiert, gereinigt und wieder zusammengesetzt wird. Die Abschlussprüfung am Ende des dritten Lehrjahres gliedert sich schriftlich in 'Fertigungs- und Instandhaltungstechnik' (70 Minuten, 30 Prozent), 'Systemelektronik und Informationsverarbeitung' (60 Minuten, 10 Prozent) und 'Wirtschafts- und Sozialkunde' (60 Minuten, 10 Prozent). Der praktische Bereich - ein vollständiges Uhrwerk wird instandgesetzt und eingestellt - dauert 14 Stunden und ist mit 50 Prozent gewichtet, ergänzt durch ein 15-minütiges Fachgespräch als Teil der praktischen Prüfung. Alle Bereiche müssen mit mindestens 50 Punkten abschließen, kein Bereich darf unter 30 Punkte fallen.

Prüfungsthemen

  • Mechanische Uhrwerke: Hemmungen, Räderwerke, Federhäuser und Komplikationen
  • Quartz- und Elektronikuhren: Schaltkreise, Batterietausch, Kalibrierung
  • Funkuhren und GPS-Zeitsynchronisation
  • Werkstoffkunde: Metalle, Legierungen, Synthetiksteine, Schmiermittel
  • Messtechnik und Gangprüfung mit elektronischen Prüfgeräten
  • Instandsetzung und Restaurierung von Taschenuhren und Großuhren
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung ist die Weiterbildung zum Uhrmachermeister (HwO) der klassische Karriereweg, der den Weg zur eigenen Werkstatt und zur Ausbildungsberechtigung öffnet. Alternativ bietet der IHK-geprüfte Techniker Fachrichtung Feinwerktechnik eine technisch vertiefte Qualifikation. Im Hochpreissegment ermöglichen Zertifikatskurse bei Manufakturen wie Rolex, Patek Philippe oder ETA den Einstieg in den Luxusuhrenservice. Studiengänge wie Feinwerktechnik (B.Eng.) oder Mikrosystemtechnik erweitern die Möglichkeiten in Richtung Entwicklung und Produktion. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Werkstattleiter, technischer Servicemanager bei Uhrenmarken oder selbstständiger Uhrmachermeister realistisch. Das Gehalt steigt mit dem Meistertitel auf 3.000–4.500 EUR brutto monatlich.

Bewerbungstipps

Weil die Zahl der Ausbildungsplätze bundesweit sehr begrenzt ist, sollten sich Bewerber 12 bis 18 Monate vor dem Start im August oder September bewerben. Die Mappe enthält Anschreiben, Lebenslauf, Schulzeugnisse und gegebenenfalls Nachweise über Praktika oder Hobbys in der Feinmechanik, etwa Modellbau oder reparierte Uhren. Im Vorstellungsgespräch wird oft ein praktischer Eignungstest durchgeführt: feinmotorische Aufgaben wie das Sortieren kleiner Teile mit der Pinzette oder das Zusammensetzen einfacher Baugruppen sind typisch. Kenntnisse über bekannte Uhrwerke oder Uhrenmarken hinterlassen einen guten Eindruck. Ausbilder überzeugen Bewerber, die Geduld und Ruhe demonstrieren, eigene Uhren mitbringen und echte Begeisterung für Mechanik und Präzisionshandwerk zeigen.

Werbung
Professionelle Bewerbungsunterlagen erstellen lassen -- Die Bewerbungsschreiber

Mehr Tipps: Bewerbung für die Ausbildung schreiben →

Ratgeber

Wer als Uhrmacher arbeitet, diagnostiziert Gangabweichungen an elektronischen Prüfgeräten, zerlegt Uhrwerke bis ins letzte Rädchen und setzt sie nach der Reinigung im Ultraschallbad präzise wieder zusammen. Auch das Kalibrieren von Funkuhren gehört zum Handwerk. Die dreijährige BBiG-Ausbildung wird mit 420 bis 700 Euro vergütet, der Einstieg danach liegt bei rund 2.200 Euro.

Häufige Fragen

Wie viel verdient man als Uhrmacher in der Ausbildung?
Das Ausbildungsgehalt als Uhrmacher liegt bei etwa 420–700 Euro pro Monat. Nach der Ausbildung liegt das Einstiegsgehalt bei etwa 2.200 Euro monatlich.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Uhrmacher?
Die duale Ausbildung zum Uhrmacher dauert regulär 3 Jahre. In dieser Zeit wechselst du zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb.
Gibt es beim Uhrmacher verschiedene Fachrichtungen oder Spezialisierungen?
Die Ausbildung zum Uhrmacher kann sich auf unterschiedliche Schwerpunkte konzentrieren, etwa auf Chronometrie (hochwertige mechanische Uhren), Uhrenreparatur und -restaurierung oder industrielle Uhrentechnik. In der Praxis spezialisieren sich viele Uhrmacher auf mechanische Luxusuhren oder auf elektronische Zeitmessgeräte. Diese Spezialisierung ergibt sich häufig durch den Ausbildungsbetrieb und dessen Ausrichtung.
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Uhrmacher?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, jedoch bevorzugen die meisten Ausbildungsbetriebe Bewerber mit einem Realschulabschluss. Gute Noten in Mathematik, Physik und Technik sind von Vorteil, da filigrane handwerkliche Fähigkeiten und technisches Verständnis gefragt sind. Auch Hauptschulabsolventen haben Chancen auf einen Ausbildungsplatz, wenn sie handwerkliches Geschick nachweisen können.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern können Uhrmacher arbeiten?
Uhrmacher finden Beschäftigung in Juweliergeschäften und Fachbetrieben für Uhrenreparatur, bei Uhrenherstellern und -händlern sowie in spezialisierten Werkstätten für historische oder Luxusuhren. Auch Museen mit uhrentechnischen Sammlungen oder die Industrie (z. B. Messgeräte- und Präzisionstechnik) bieten Stellen an. Der Markt für mechanische Luxusuhren hat in Deutschland und der Schweiz trotz der Digitalisierung weiterhin Bestand.
Welche Weiterbildungs- oder Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zum Uhrmacher?
Nach der Ausbildung kann man den Uhrmachermeister ablegen, der selbstständiges Arbeiten und das Führen eines eigenen Betriebs ermöglicht. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich zum Techniker im Bereich Feinwerktechnik weiterzubilden. Mit dem Meisterabschluss oder der Fachhochschulreife ist auch ein Studium in Bereichen wie Feinwerktechnik, Mikrosystemtechnik oder Produktdesign möglich.

Ähnliche Berufe in Metallberufe

Verfahrenstechnologe Metall

Verfahrenstechnologen Metall steuern und überwachen industrielle Fertigungsprozesse zur Herstellung und Veredelung von Metallerzeugnissen wie Blechen, Rohren, Drähten oder Profilen. Der Beruf verbindet metallurgisches Fachwissen mit der Bedienung moderner Prozessleittechnik und CNC-gesteuerter Anlagen. Er eignet sich für technisch interessierte Personen, die Freude an kontinuierlichen Produktionsprozessen, Qualitätssicherung und der Arbeit in der Metallindustrie haben.

3 Jahre →

Edelsteinfasser

Der Edelsteinfasser ist ein hochspezialisierter Goldschmiedehandwerksberuf, bei dem es darum geht, Edelsteine, Diamanten und andere Schmucksteine sicher und ästhetisch ansprechend in Metallfassungen einzusetzen. Das Besondere: Jede Fassung – ob Krappenfassung, Pavéfassung, Kanalfassung oder Zargenfassung – erfordert präzise Handarbeit unter dem Mikroskop und ein tiefes Verständnis für Materialeigenschaften. Der Beruf eignet sich für handwerklich hochbegabte Menschen mit außergewöhnlicher Fingerfertigkeit, Ausdauer und einem ausgeprägten Gespür für Ästhetik und Präzision.

3 Jahre →

Schneidwerkzeugmechaniker

Schneidwerkzeugmechaniker fertigen und schärfen hochpräzise Zerspanungswerkzeuge wie Bohrer, Fräser, Drehmeißel und Sägeblätter für die metallverarbeitende Industrie. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit moderner CNC-Schleiftechnik und erfordert ein tiefes Verständnis für Werkstoffkunde und Geometrien. Er eignet sich besonders für technisch interessierte Menschen mit Sinn für Präzision und Qualitätsbewusstsein.

3 Jahre →

Fachkraft für Metalltechnik - Fachrichtung Montagetechnik

Die Fachkraft für Metalltechnik in der Fachrichtung Montagetechnik montiert und demontiert metallische Baugruppen, Konstruktionen und Anlagen nach technischen Zeichnungen und Montageplänen. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit technischem Verständnis für Verbindungstechniken und Maschinenkunde. Er eignet sich besonders für Menschen, die präzise mit Werkzeugen arbeiten möchten und Interesse an mechanischen Systemen sowie körperlich-aktivem Arbeiten haben.

2 Jahre →