Sattler
Sattler fertigen und reparieren handwerkliche Produkte aus Leder, Kunstleder, Textil- und technischen Geweben – von Fahrzeugsitzen und Polstermöbeln bis zu Reitsattelwerk und Fahrzeugverdecken. Der Beruf verbindet traditionelles Handwerk mit modernen Materialien und Maschinentechnik. Er eignet sich für Menschen mit Gespür für Formen, präzises Arbeiten mit den Händen und Interesse an Leder sowie Textilverarbeitung.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
450–750 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.200 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Sattler?
Morgens beginnt der Arbeitstag in der Sattlerwerkstatt mit der Auftragsplanung: Materialien wie Rindsleder, Alcantara, Kunstleder oder PVC-Beschichtungsgewebe werden gesichtet, zugeschnitten und vorbereitet. Mit Zuschneideschablonen, Rollmessern, Stanzmessern und Schärfmaschinen werden Lederteile passgenau hergestellt. Anschließend werden Nähte an Industrie-Nähmaschinen (z. B. Pfaff oder Dürkopp Adler) mit Stärke-7- oder Stärke-12-Faden genäht. Nachmittags stehen oft Polster- und Schaumarbeiten an: Kaltschaumzuschnitt mit Bandmesser, Einziehrahmen setzen oder Klimasitzpolster aufbauen. Bei der Fahrzeugsattlerei werden Autositzbezüge, Armaturenbretter und Verdecke für Cabrios montiert. In der Reitsattelsparte werden Sattelgestelle mit Leder bespannt und Gurtwerk vernietet. Die Zusammenarbeit erfolgt eng mit Polsterern, Karosseriebauern oder Reitfachhändlern. Zwei typische Aufgaben: Neubezug eines Motorradtanksattels mit perforiertem Leder sowie Reparatur eines gerissenen LKW-Fahrerhauses-Sitzpolsters.
Wo arbeitest du?
Sattler arbeiten in kleinen und mittleren Handwerksbetrieben (Reitsattlereien, Autosattlereien, Polster-Sattlereien), aber auch in der Automobilindustrie bei BMW, Mercedes-Benz, Audi und deren Zulieferern (z. B. Lear Corporation, Faurecia). Weitere Arbeitgeber sind Hersteller von Nutzfahrzeugen und Wohnmobilen, Luftfahrtunternehmen (Innenausstattung), Bühnen- und Filmausstatter sowie Hersteller von Reitsportartikeln. Es besteht ein deutlicher Fachkräftemangel, besonders in der Fahrzeugsattlerei und bei spezialisierten Handwerksbetrieben.
Voraussetzungen
Ein Hauptschulabschluss reicht formal aus, doch gerade Betriebe aus der Fahrzeug- oder Luftfahrtsattlerei nehmen lieber Bewerber mit Realschulabschluss. Werken und Technik, Mathematik für Flächenberechnung und Materialkalkulation sowie Physik und Chemie für das Verhalten von Klebstoffen und Materialien sind die Fächer, auf die es ankommt. Wer in diesem Beruf bestehen will, braucht flinke Finger, ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und die Geduld, auch bei kleinteiligen Präzisionsarbeiten dranzubleiben. Ein Gespür für Formen und Farben rundet das Profil ab, und je nachdem, ob ein Betrieb auf Fahrzeuge, Reitsport oder Möbel spezialisiert ist, hilft entsprechendes Interesse an genau diesem Bereich zusätzlich.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Werkstoffkunde im Mittelpunkt: Eigenschaften von Leder (Narbenleder, Spaltleder, Veloursleder), Kunstledern und technischen Geweben, dazu Werkzeugkunde sowie einfache Näh- und Zuschnitttechniken an Handmaschinen. Sicherheitsvorschriften im Umgang mit Klebstoffen (z. B. Kontaktkleber auf Neoprenbasis) werden eingeübt. Im zweiten Lehrjahr vertiefen Auszubildende Polstergrundlagen, Schäumtechniken und maschinelles Nähen komplexerer Nähte sowie Ziernahttechniken. Auch Verfahren zur Oberflächenveredelung von Leder (Färben, Lackieren) werden vermittelt. Im dritten Lehrjahr erfolgt die Spezialisierung je nach Betrieb: Fahrzeugsattlerei (Autoverdecke, Sitzbezüge), Reitsattlerei (Sattelreparatur, Gurte) oder Möbel- und Flugzeugsattlerei. Im Gegensatz zur Raumausstatterausbildung liegt der Fokus stärker auf dreidimensionalem Formgeben und Lederverarbeitung statt auf Gardinen und Bodenbelägen.
IHK-Prüfung & Abschluss
Teil 1 der Abschlussprüfung findet am Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt, etwa im 18. Monat: In 150 Minuten wird ein vorgegebenes Lederteil, zum Beispiel eine Geldtasche oder ein Riemen, zugeschnitten und vernäht. Teil 2 folgt im letzten Ausbildungshalbjahr und besteht aus einer umfangreichen praktischen Gesamtarbeit von rund 21 Stunden, die einem kleinen Meisterstück ähnelt, plus einem etwa 20-minütigen Fachgespräch, in dem Material- und Verarbeitungsentscheidungen begründet werden müssen. Schriftlich kommen drei Bereiche hinzu: Produkt- und Fertigungstechnologie (120 Minuten, 30 Prozent), Gestaltung und Konstruktion (90 Minuten, 20 Prozent) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 10 Prozent); die praktische Gesamtarbeit samt Fachgespräch zählt 40 Prozent. Bestanden ist, wer in jedem Bereich mindestens 50 von 100 Punkten erreicht, wobei eine mangelhafte schriftliche Leistung unter bestimmten Bedingungen ausgeglichen werden kann.
Prüfungsthemen
- Leder- und Kunstlederkunde (Tierarten, Gerbverfahren, Qualitätsmerkmale)
- Technische Gewebe und Polstermaterialien (Schaumstoffe, Watte, Federn)
- Zuschnitt- und Schnittkonstruktion
- Näh- und Verbindungstechniken (Sattelstich, Ziernaht, Schweißverfahren)
- Oberflächenveredelung und Pflege von Leder
- Fahrzeugsattlerei und Verdecktechnik
- Wirtschafts- und Sozialkunde
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung bietet sich die Weiterbildung zum Sattlermeister (HwK, ca. 1–2 Jahre berufsbegleitend oder Vollzeit) als klassischer Aufstiegsweg an, der zur selbstständigen Betriebsführung berechtigt. Alternativ ist der Staatlich geprüfte Techniker Fachrichtung Leder- und Kunststofftechnik möglich. Im Fahrzeugbereich qualifizieren sich viele über interne Herstellerschulungen (z. B. BMW, Daimler) zum Fahrzeugsattler-Spezialisten. Passende Studiengänge sind Produktdesign, Modedesign (Fachrichtung Accessoires/Leder) oder Fahrzeugtechnik. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Werkstattleiter, Qualitätsprüfer in der Fahrzeugproduktion oder selbstständiger Meisterbetrieb realistisch. Das Gehalt steigt mit Meistertitel auf 2.800–3.800 EUR brutto monatlich.
Bewerbungstipps
Zehn bis zwölf Monate vor dem meist im September oder Oktober liegenden Ausbildungsstart sollte die Bewerbung raus sein, kleine Handwerksbetriebe planen oft noch früher. In die Mappe gehören ein Anschreiben mit klarem Bezug zum jeweiligen Betriebsschwerpunkt - etwa Reitsattlerei oder Fahrzeugsattlerei -, Lebenslauf, aktuelles Zeugnis und Fotos eigener Handarbeiten oder Basteleien. Manche Betriebe setzen einen kleinen Eignungstest ein, bei dem präzises Schneiden oder das Nähen einer einfachen Naht gefragt ist. Wer Kenntnisse über Lederarten mitbringt, gern näht oder bastelt und echte Begeisterung für den jeweiligen Betriebsschwerpunkt zeigt, überzeugt im Gespräch. Ein Schnupperpraktikum vorab gilt bei vielen Betrieben fast als Pflichtprogramm für die Auswahl.
Ratgeber
In der Sattlerwerkstatt schneiden Sattlerinnen und Sattler Leder und Kunstleder zu, nähen es an Industrienähmaschinen zusammen und fertigen je nach Fachrichtung Autositze, Reitsättel oder Polstermöbel. Die dreijährige BBiG-Ausbildung wird mit 450 bis 750 Euro vergütet, der Einstieg liegt bei rund 2.200 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Sattler in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Sattler?
Welche Fachrichtungen gibt es bei der Sattler-Ausbildung?
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Sattler benötigt?
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern können Sattler arbeiten?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
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