Mikrotechnologe
Mikrotechnologen fertigen mikroskopisch kleine Bauteile und Strukturen für Halbleiter, Sensoren, Mikrosysteme und optische Bauelemente. Die Ausbildung verbindet Physik, Chemie und Präzisionstechnik in Reinraumumgebungen. Besonders geeignet ist der Beruf für naturwissenschaftlich interessierte Menschen mit Sorgfalt, Konzentrationsfähigkeit und technischem Verständnis.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
650–950 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.200 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Mikrotechnologe?
Mikrotechnologen arbeiten überwiegend im Reinraum – einer staubfreien Umgebung mit geregeltem Luftdruck, Temperatur und Feuchte – und tragen dabei Schutzanzüge (Bunny-Suits), um empfindliche Substrate nicht zu kontaminieren. Morgens starten sie mit der Kontrolle von Anlagen wie Sputter-Beschichtern, Ätzanlagen oder Lithografiesystemen, prüfen Prozessparameter und dokumentieren Messwerte in Prozessleitsystemen wie CAMSTAR oder ähnlicher MES-Software. Nachmittags stehen oft konkrete Fertigungsschritte an: etwa das Aufbringen von Fotolack (Spin Coating) auf Siliziumwafer, die Belichtung mit UV-Licht über Masken (Photolithografie) und anschließendes nasschemisches Ätzen in Säurebädern. Eine weitere typische Aufgabe ist die Qualitätsprüfung gefertigter Schichten mit Ellipsometern, Profilometern oder Rasterelektronenmikroskopen. Mikrotechnologen arbeiten eng mit Prozessingenieuren, Qualitätssicherern und Anlagentechnikern zusammen und melden Abweichungen sofort im Schichtbuch.
Wo arbeitest du?
Mikrotechnologen finden Stellen in der Halbleiterindustrie bei Unternehmen wie Infineon Technologies, Robert Bosch (Halbleitersparte), X-Fab, GlobalFoundries (Dresden), Siltronic oder OSRAM Opto Semiconductors. Weitere Arbeitgeber sind Forschungsinstitute wie das Fraunhofer IPMS oder IMT sowie Hersteller medizintechnischer Mikrosysteme und MEMS-Sensorhersteller. Es herrscht deutlicher Fachkräftemangel, besonders in Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg.
Voraussetzungen
Für den Einstieg wird ein guter Realschulabschluss empfohlen, weil chemische und physikalische Zusammenhänge schnell durchdrungen werden müssen. Physik, Chemie und Mathematik zählen zu den entscheidenden Schulfächern. Präzision und Sorgfalt stehen an oberster Stelle, denn schon kleinste Fehler können ganze Waferchargen unbrauchbar machen. Wer über mehrere Stunden im Reinraum konzentriert bleiben kann, sich auf Schichtarbeit im Team einlässt und auch strenge Hygienevorschriften ohne Murren mitträgt, bringt gute Voraussetzungen mit. Abgerundet wird das Profil durch echtes technisches Interesse an Mikro- und Nanotechnologie.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr werden Grundlagen der Physik und Chemie vertieft: Kristallstrukturen, Halbleiterprinzipien, Laborsicherheit, Werkstoffkunde sowie der sichere Umgang mit Gefahrstoffen wie Salzsäure, Flusssäure und Lösemitteln. Außerdem lernen Azubis Reinraumregeln und grundlegende Messtechnik. Im zweiten Lehrjahr folgt die Vertiefung in Prozesstechnologie: Lithografie, Ätzprozesse (nass-chemisch und trocken/Plasma), CVD- und PVD-Beschichtungsverfahren sowie Dotierungsverfahren wie Ionenimplantation. Im dritten Lehrjahr spezialisieren sich Auszubildende je nach Fachrichtung – entweder auf Halbleitertechnik (z. B. Transistor- und IC-Fertigung), Mikrosystemtechnik (MEMS, Sensoren) oder Mikro-Optik (Linsen, Wellenleiter). Im Vergleich zur Elektronik-Ausbildung liegt der Fokus nicht auf Schaltungen, sondern auf nanometergenauer Strukturerzeugung auf Substratebene.
IHK-Prüfung & Abschluss
Teil 1, die Zwischenprüfung, findet am Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt, üblicherweise im April oder Mai, und prüft Grundkenntnisse der Prozess- und Messtechnik: schriftlich in 120 Minuten zu Reinraumtechnik, Lithografie und Werkstoffkunde sowie praktisch in einer vierstündigen Aufgabe, etwa Schichtabscheidung mit anschließender Messung am Profilometer. Teil 2 folgt im dritten Ausbildungsjahr, meist im Sommer, also Juni oder Juli, und setzt sich zusammen aus der praktischen Arbeitsaufgabe mit Dokumentation (rund 7 Stunden, 50 Prozent), der schriftlichen Prüfung Technologie (90 Minuten, 20 Prozent), der schriftlichen Prüfung Systemintegration (90 Minuten, 20 Prozent) sowie Wirtschaft und Soziales (60 Minuten, 10 Prozent). Bestanden ist die Prüfung, wenn in allen Bereichen mindestens 50 Prozent der Punkte erreicht werden und kein Bereich mit null Punkten abschließt. Zur praktischen Aufgabe gehört ein rund 15-minütiges Fachgespräch.
Prüfungsthemen
- Halbleiterwerkstoffe und deren Eigenschaften
- Reinraumtechnik und Kontaminationskontrolle
- Lithographie und Strukturierungsprozesse
- Dünnschichttechnik und Dotierungsprozesse
- Qualitätssicherung und Messtechnik in der Mikrofertigung
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung bietet sich die Weiterbildung zum Staatlich geprüften Techniker Fachrichtung Mikrotechnik oder Elektronik an, was Gehälter von 3.200–4.000 €/Monat ermöglicht. Alternativ führt der Weg zum Industriemeister IHK Fachrichtung Elektro-/Informationstechnik. Mit Fachhochschulreife ist ein Studium in Mikrosystemtechnik, Halbleitertechnologie, Physikalische Technik oder Electrical Engineering an FH oder TU möglich. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Prozessverantwortlicher, Schichtführer, Anlagenverantwortlicher oder Qualitätsingenieur realistisch. Spezialisierungen in MEMS-Design, CMOS-Fertigung oder Dünnschichttechnik sind besonders gefragt.
Bewerbungstipps
Weil der Ausbildungsstart im September liegt, sollte die Bewerbung spätestens im Herbst des Vorjahres, also 12 bis 18 Monate vorher, eingereicht werden. Die Mappe sollte ein Anschreiben mit Bezug auf naturwissenschaftliche Interessen enthalten, dazu einen lückenlosen Lebenslauf, Schulzeugnisse mit Betonung auf Physik, Chemie und Mathematik sowie mögliche Praktikumsnachweise aus Labor oder Industrie. Im Vorstellungsgespräch werden oft Grundkenntnisse in Physik und Chemie abgefragt, außerdem Reinlichkeit, Sorgfalt und die Motivation für Hightech-Fertigung. Größere Unternehmen wie Infineon führen standardisierte Einstellungstests zu Mathematik, Logik und naturwissenschaftlichem Verständnis durch. Wer bereits ein Praktikum im Reinraum absolviert oder sich in einer Schul-AG mit Elektronik oder Mikroskopie beschäftigt hat, überzeugt Ausbilder besonders.
Ratgeber
Im Reinraum bedienen Mikrotechnologen Anlagen wie Sputter-Beschichter oder Lithografiesysteme, tragen Fotolack im Spin-Coating-Verfahren auf Siliziumwafer auf, belichten Strukturen per Photolithografie und prüfen gefertigte Schichten mit Ellipsometern oder Rasterelektronenmikroskopen. Die dreijährige BBiG-Ausbildung wird mit 650 bis 950 Euro vergütet, der Einstieg danach liegt bei rund 2.200 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Mikrotechnologe in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Mikrotechnologe?
Welche Fachrichtungen gibt es in der Ausbildung zum Mikrotechnologen?
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Mikrotechnologen?
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Mikrotechnologen?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
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