Metall- und Glockengießer
Metall- und Glockengießer stellen durch Schmelzen und Gießen von Metallen wie Bronze, Messing, Aluminium oder Gusseisen komplexe Werkstücke und Glocken her. Dieser traditionsreiche Handwerksberuf verbindet jahrhundertealtes Kunsthandwerk mit moderner Produktionstechnik. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Metallverarbeitung, Formengestaltung und akustischen Qualitätsmerkmalen von Glocken.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
680–980 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.300 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Metall- und Glockengießer?
Morgens beginnt der Arbeitstag mit der Kontrolle der Schmelzöfen – Tiegelöfen, Induktionsöfen oder Kupolöfen – und der Vorbereitung der Metalllegierungen. Metall- und Glockengießer bereiten Formkasten mit Sand-Ton-Gemischen oder Wachsausschmelzformen vor und gießen flüssiges Metall bei Temperaturen von bis zu 1200 °C in die Gussformen. Dabei arbeiten sie mit Gießlöffeln, Kränen, Gießpfannen und Pyrometern zur Temperaturmessung. Nachmittags werden die erkalteten Gussstücke ausgeformt, von Gussgraten mit Meißeln, Winkelschleifern und Sandstrahlgeräten befreit und oberflächenbehandelt. Bei der Glockenfertigung wird zudem die akustische Qualität durch Stimmproben und Frequenzmessungen geprüft. Typische Beispielaufgaben sind das Herstellen einer Bronzeglocke nach historischen Schablonen sowie das Gießen von Maschinenbauteilen aus Aluminium. Die Arbeit findet in Gießereien und Glockengießereiwerkstätten statt; enge Zusammenarbeit besteht mit Modellbauern, Formern und Qualitätsprüfern.
Wo arbeitest du?
Metall- und Glockengießer arbeiten hauptsächlich in spezialisierten Handwerksbetrieben wie traditionsreichen Glockengießereien (z. B. Glockengießerei Rincker in Sinn, Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher) sowie in kleinen und mittleren Kunstgießereien. Daneben bieten industrielle Gießereibetriebe der Zulieferindustrie für Maschinenbau und Fahrzeugbau Stellen an. Der Beruf ist eine Nische mit ausgeprägtem Fachkräftemangel, besonders im Bereich Glockenguss, da es bundesweit nur wenige Ausbildungsbetriebe gibt.
Voraussetzungen
Weil Metallkunde und Legierungsberechnungen solide Kenntnisse in Mathematik und Chemie verlangen, wird mindestens ein guter Hauptschulabschluss erwartet, idealerweise eine Mittlere Reife. Physik ist wichtig, um Wärmeausdehnung und die akustischen Schwingungen von Glocken zu verstehen. Handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen und Ausdauer sollten ebenso vorhanden sein wie Hitzebeständigkeit und Zuverlässigkeit, denn die Arbeit an Hochtemperaturöfen verlangt beides. Technisches Interesse, Präzision beim Formen und ein Gespür für Materialqualität zeichnen geeignete Bewerber besonders aus.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Metallkunde im Vordergrund: Eigenschaften von Legierungen wie Bronze (Kupfer-Zinn), Messing (Kupfer-Zink), Aluminium- und Gusseisenlegierungen, Werkzeugkunde sowie das Anmischen und Aufbereiten von Formsanden. Außerdem werden Sicherheitsvorschriften im Umgang mit Hochtemperaturprozessen und Schutzausrüstung (Hitzeschutzanzug, Gesichtsschutz) vermittelt. Im zweiten Lehrjahr folgen Formherstellungsverfahren wie Sandguss, Kokillenguss und Feinguss sowie das Bedienen und Überwachen von Schmelzaggregaten. Im dritten Lehrjahr spezialisieren sich Auszubildende entweder auf Kunstguss und Glockenfertigung – inklusive Stimmanalyse und Klangberechnung – oder auf technische Gussteile für Industrie und Maschinenbau. Im Vergleich zu Gießereimechanikern liegt der Fokus stärker auf handwerklicher Einzelfertigung und akustisch-künstlerischen Aspekten.
IHK-Prüfung & Abschluss
Am Ende des zweiten Ausbildungsjahres, üblicherweise im Januar oder Februar, steht die Zwischenprüfung an: schriftlich 120 Minuten zu Metallkunde, Formherstellungsverfahren und Arbeitssicherheit, praktisch das Erstellen eines einfachen Gussstücks samt Aufbereiten von Formsand. Die Abschlussprüfung am Ende des dritten Lehrjahres, meist im Mai oder Juni, gliedert sich in die schriftlichen Bereiche Fertigungstechnik (150 Minuten, 30 Prozent), Technologie der Werkstoffe und Schmelzprozesse (120 Minuten, 20 Prozent) und Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 10 Prozent) sowie eine rund siebenstündige betriebliche Arbeitsaufgabe - etwa das vollständige Herstellen eines Gussstücks oder einer kleinen Glocke (30 Prozent) - mit anschließendem 20-minütigem Fachgespräch (10 Prozent). In jedem Bereich ist mindestens die Note ausreichend, also 50 Punkte, erforderlich; zwischen schriftlichem und praktischem Teil ist ein begrenzter Ausgleich möglich.
Prüfungsthemen
- Gießverfahren und Formherstellung
- Werkstoffkunde und Metallurgie
- Technisches Zeichnen und Modellbau
- Nachbearbeitung und Qualitätskontrolle
- Arbeitssicherheit und Umweltschutz
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung können Fachkräfte den Vorarbeiter oder Werkstattleiter anstreben. Formale Weiterbildungen umfassen den Industriemeister Metall (IHK), den Meister im Metallgießerhandwerk (HwK) sowie den staatlich geprüften Techniker der Fachrichtung Metallbautechnik oder Gießereitechnik. Passende Studiengänge sind Gießereitechnik (z. B. TU Bergakademie Freiberg), Werkstoffwissenschaften oder Maschinenbau (B. Eng.). Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Gießereileiter, technischer Betriebsleiter oder Qualitätsmanager realistisch. Spezialisierungen bestehen im Kunstguss und Denkmalpflege, in der industriellen Serienfertigung oder im Bereich Glockenguss und kirchliches Handwerk. Das Gehalt steigt mit Meistertitel auf 3.000–3.800 EUR brutto monatlich.
Bewerbungstipps
Weil es nur sehr wenige Ausbildungsbetriebe gibt, sollten sich Bewerber 12 bis 18 Monate vor dem Ausbildungsstart bewerben. Anschreiben, Lebenslauf, aktuelle Schulzeugnisse sowie gegebenenfalls Nachweise über Praktika in Metallbetrieben oder Gießereien gehören in die Mappe. Ausbilder fragen im Vorstellungsgespräch häufig nach Kenntnissen über Metalllegierungen, Interesse am Handwerk und Hitzetoleranz; manche Betriebe führen praktische Eignungstests durch, die handwerkliches Geschick und räumliches Denken bewerten. Besonders überzeugend wirken Bewerber, die ein Schnupperpraktikum im Betrieb absolviert haben, Eigeninitiative zeigen und echte Begeisterung für das traditionsreiche Kunsthandwerk des Glockengusses mitbringen.
Ratgeber
Schmelzöfen wie Tiegel- oder Induktionsöfen kontrollieren, Formen aus Sand-Ton-Gemischen vorbereiten und flüssiges Metall bei bis zu 1.200 °C in Gussformen gießen – bei Glocken wird zusätzlich die akustische Qualität per Stimmprobe und Frequenzmessung geprüft. Die dreijährige BBiG-Ausbildung wird mit 680 bis 980 Euro vergütet, der Berufseinstieg liegt bei etwa 2.300 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Metall- und Glockengießer in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Metall- und Glockengießer?
Gibt es Spezialisierungen im Beruf des Metall- und Glockengießers?
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Metall- und Glockengießer?
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern kann man als Metall- und Glockengießer arbeiten?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
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