Luftverkehrskaufmann
Luftverkehrskaufleute organisieren den reibungslosen Ablauf im zivilen Luftverkehr – von der Passagierabfertigung über Frachtlogistik bis hin zur Flugplanung und Tarifgestaltung. Der Beruf verbindet kaufmännisches Denken mit technischem Verständnis für Luftfahrtprozesse und internationalem Arbeiten. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Reise, Logistik und interkultureller Kommunikation, die gerne in einem dynamischen, mehrsprachigen Umfeld tätig sind.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
620–1.050 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.600 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Luftverkehrskaufmann?
Morgens beginnt der Arbeitstag häufig mit der Vorbereitung des Tagesgeschäfts: Du prüfst Buchungssysteme wie Amadeus oder Sabre auf aktuelle Flugmanifeste, bearbeitest Ticketanfragen und kontrollierst Frachtdokumente wie Airwaybills (AWB). Am Check-in-Schalter oder im Backoffice koordinierst du Ein- und Aussteigeprozesse, vergibst Sitzplatzkontingente und stellest sicher, dass Passagierlisten den Sicherheitsvorschriften der IATA und des Luftfahrtbundesamts entsprechen. Nachmittags liegt der Fokus häufig auf kaufmännischen Aufgaben: Du erstellst Offerten für Charterflüge, kalkulierst Frachttarife und bearbeitest Reklamationen von Reisebüros oder Firmenkunden. In der Frachtabteilung prüfst du Gefahrgutdeklarationen gemäß IATA-DGR-Vorschriften und koordinierst die Übergabe von Sendungen an Bodenabfertigungsunternehmen. Zusätzlich wertest du Auslastungsstatistiken mit MS Excel oder spezialisierten Revenue-Management-Systemen aus und pflegst Kundenstammdaten in CRM-Systemen. Du arbeitest eng mit Piloten, Bodenpersonal, Zollbehörden und Reiseveranstaltern zusammen.
Wo arbeitest du?
Luftverkehrskaufleute arbeiten bei Fluggesellschaften wie Lufthansa, Eurowings, Air Berlin (hist.) oder Ryanair, bei Flughafenbetreibern wie Fraport (Frankfurt), Flughafen München GmbH oder Hamburg Airport sowie bei Bodenabfertigungsunternehmen wie Swissport oder Aviapartner. Weitere Arbeitgeber sind Luftfrachtunternehmen (DHL Aviation, Lufthansa Cargo), Reiseveranstalter und Speditionsunternehmen mit Luftfrachtabteilung. Es herrscht ein spürbarer Fachkräftemangel, insbesondere in der Frachtabwicklung und im Passagierservice.
Voraussetzungen
Mindestens ein mittlerer Schulabschluss wird für diese Ausbildung empfohlen, viele Ausbildungsbetriebe bevorzugen aufgrund der internationalen und regulatorisch komplexen Inhalte jedoch Abiturienten. Englisch ist als Arbeitssprache im Luftverkehr unverzichtbar, Mathematik wichtig für Tarifkalkulation und Statistik, dazu kommt Wirtschaft/Rechnungswesen. Organisationstalent, Stressresistenz im Schichtbetrieb, interkulturelle Kompetenz und Teamfähigkeit gehören zu den persönlichen Stärken, ebenso eine ausgeprägte Serviceorientierung. Grundinteresse an Luftfahrt und internationalen Reisethemen ist ein großer Motivationsvorteil.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr stehen kaufmännische Grundlagen im Mittelpunkt: Buchführung, Betriebswirtschaft, Grundzüge des Luftverkehrsrechts sowie eine Einführung in Buchungssysteme wie Amadeus. Du lernst die Struktur des Luftverkehrsmarkts kennen – Fluggesellschaften, Flughafenbetreiber, Handling-Agenten – und eignest dir Grundkenntnisse in Zoll- und Außenhandelsrecht an. Im zweiten und dritten Lehrjahr vertiefen sich die Inhalte: Tarifbildung im Passagier- und Frachtbereich nach IATA-Regeln, Revenue Management, Yield-Optimierung, Abwicklung von Gefahrgut nach IATA-DGR sowie internationale Frachtsendungen inklusive Akkreditivabwicklung. Du erlernst Marketing- und Vertriebsstrategien speziell für Fluggesellschaften. Im Vergleich zur Ausbildung zum Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung liegt der Fokus klar auf dem Luftverkehrsmarkt mit seinen spezifischen Sicherheits- und Regulierungsanforderungen.
IHK-Prüfung & Abschluss
Die Abschlussprüfung folgt dem gestreckten Prüfungsformat mit Teil 1 und Teil 2. Teil 1, die Zwischenprüfung, findet zur Mitte des zweiten Ausbildungsjahres statt und prüft schriftlich die Grundlagen Kaufmännische Steuerung und Kontrolle sowie Luftverkehrsprozesse, jeweils 60 Minuten Bearbeitungszeit. Teil 2 folgt am Ende des dritten Ausbildungsjahres mit den Bereichen Kaufmännische Abwicklung im Luftverkehr (schriftlich, 150 Minuten, 30 Prozent), Wirtschafts- und Sozialkunde (schriftlich, 60 Minuten, 10 Prozent), Luftverkehrsmarkt und Dienstleistungsangebot (schriftlich, 90 Minuten, 20 Prozent) sowie einem Fachgespräch auf Basis einer betrieblichen Fachaufgabe von rund 30 Minuten (40 Prozent), die vorab dokumentiert und im Gespräch erläutert wird. Zum Bestehen sind in jedem Prüfungsbereich mindestens 50 von 100 Punkten erforderlich, eine schlechte Einzelleistung lässt sich durch andere Bereiche nur begrenzt ausgleichen.
Prüfungsthemen
- Passagier- und Gepäckabfertigung (Check-in, Boarding, IATA-Vorschriften)
- Luftfrachtabwicklung und Gefahrgutvorschriften (IATA-DGR)
- Tarifkalkulation und Revenue Management
- Luftverkehrsrecht, Haftungsrecht (Montrealer Übereinkommen, EU-Fluggastrechteverordnung)
- Kaufmännische Steuerung und Rechnungswesen
- Wirtschafts- und Sozialkunde
- Marketing und Vertrieb im Luftverkehr
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung bieten sich zahlreiche Weiterbildungswege: Als ersten Schritt empfiehlt sich der IHK-Fachwirt für den Güterverkehr und die Logistik oder der Tourismusfachwirt. Für Führungsaufgaben eignet sich der Betriebswirt (IHK). Einschlägige Studiengänge sind Aviation Management (B.Sc./B.A.) an Fachhochschulen wie der FH Salzburg, Hochschule Bremen oder International School of Management sowie BWL mit Schwerpunkt Logistik. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Teamleiter Passagier Services, Revenue Manager, Cargo Sales Manager oder Station Manager an internationalen Flughäfen realistisch. Das Bruttomonatsgehalt entwickelt sich mit Berufserfahrung auf 3.500–5.500 EUR, in Führungspositionen auch darüber. Spezialisierungen in Gefahrgut (IATA-DGR-Zertifizierung), Revenue Management oder Airlinevertrieb erhöhen die Marktwert.
Bewerbungstipps
Da Großunternehmen wie Lufthansa oder Fraport früh selektieren, sollte die Bewerbung 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsbeginn im September oder Oktober eingereicht werden. Anschreiben, tabellarischer Lebenslauf, aktuelle Schulzeugnisse sowie gegebenenfalls Nachweise über Sprachkenntnisse wie ein Cambridge-Zertifikat oder Praktika im Tourismus- oder Logistikbereich gehören in die Mappe. Viele Großunternehmen nutzen Online-Assessments mit Englischtest, logischem Denken und kaufmännischen Grundaufgaben, gefolgt von Assessment-Centern mit Gruppenübungen und Einzelinterviews. Im Vorstellungsgespräch werden häufig Situationsaufgaben aus dem Flughafenalltag gestellt, etwa der Umgang mit verärgerten Passagieren bei Flugverspätungen. Überzeugende Bewerber zeigen echte Luftfahrtbegeisterung, korrektes Englisch im Gespräch und nachweisliche Erfahrung im Kundenkontakt.
Ratgeber
Buchungssysteme wie Amadeus oder Sabre pflegen, Frachtdokumente wie Airwaybills prüfen, am Check-in-Schalter Sicherheitsvorschriften der IATA umsetzen und Charterangebote sowie Frachttarife kalkulieren – das prägt den Arbeitsalltag im Luftverkehr. Die dreijährige Ausbildung nach BBiG wird mit 620 bis 1.050 Euro vergütet, Berufseinsteiger verdienen danach etwa 2.600 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Luftverkehrskaufmann in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Luftverkehrskaufmann?
Gibt es Spezialisierungen oder Fachrichtungen im Beruf Luftverkehrskaufmann?
Welcher Schulabschluss ist für die Ausbildung zum Luftverkehrskaufmann erforderlich?
Bei welchen Arbeitgebern und in welchen Branchen kann man als Luftverkehrskaufmann arbeiten?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
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