Hebamme
Hebammen begleiten Frauen und Familien rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Sie überwachen Schwangere medizinisch, leiten eigenständig physiologische Geburten und betreuen Neugeborene in den ersten Lebenswochen. Der Beruf verbindet medizinisch-pflegerisches Fachwissen mit intensiver psychosozialer Begleitung und eignet sich für Menschen mit hoher Empathie, Belastbarkeit und Interesse an Gynäkologie sowie Neonatologie.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
1.100–1.400 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 3.200 €
nach der Ausbildung
Prüfung
Staatliche Prüfung
Was machst du als Hebamme?
Morgens beginnt der Arbeitstag in der Geburtsklinik oder einer Hebammenpraxis mit der Übergabe: Aktuelle CTG-Aufzeichnungen (Kardiotokografie) werden besprochen, Patientinnenakten im Krankenhausinformationssystem (z. B. Orbis oder iMedOne) geprüft und der Tagesplan abgestimmt. In der Kreißsaalbetreuung überwachst du Wehenaktivität und Herzfrequenz des Ungeborenen mithilfe des CTG-Geräts, führst vaginale Untersuchungen durch und betreust die Gebärende kontinuierlich. Du leitest physiologische Geburten eigenverantwortlich und rufst bei Komplikationen Geburtsmediziner hinzu. Nachmittags finden häufig Vorsorgeuntersuchungen statt: Blutdruckmessung, Urinuntersuchung mit Teststreifen, Fundusstandsmessung und Beratungsgespräche zur Geburtsplanung. Im Wochenbett führst du tägliche Neugeborenenbeurteilungen durch (Nabelkontrolle, Gewichtsmessung, Trinkverhaltensbeobachtung) und unterstützt beim Stillen. Bei Hausgeburten arbeitest du mobil mit einem Hebammentaschensystem inklusive Notfallmedikamenten, Sauerstoff und Reanimationsequipment. Du arbeitest eng mit Gynäkologinnen, Neonatologinnen, Pflegekräften und Sozialarbeiterinnen zusammen.
Wo arbeitest du?
Hebammen arbeiten in kommunalen oder privaten Krankenhäusern mit Geburtsstationen (z. B. Universitätskliniken, DRK-Kliniken, Helios-Kliniken), in Geburtshäusern sowie in freiberuflicher Praxis. Weitere Arbeitgeber sind gynäkologische Praxen, Elternschulen und Beratungsstellen. In Deutschland herrscht ein erheblicher Fachkräftemangel, besonders in ländlichen Regionen und bei freiberuflichen Hebammen. Die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich.
Voraussetzungen
Für den schulischen Ausbildungsweg genügt ein mittlerer Schulabschluss, während das inzwischen übliche Hochschulstudium Abitur oder Fachhochschulreife voraussetzt. Wichtige Schulfächer sind Biologie für Anatomie und Physiologie, Chemie für Pharmakologie sowie Deutsch für Dokumentation und Kommunikation. Da Hebammen Frauen in Extremsituationen begleiten, sind Empathie und Einfühlungsvermögen unverzichtbar, ebenso Stressresistenz für unvorhersehbare Geburtsverläufe, Teamfähigkeit und die Bereitschaft zu Schicht- und Nachtdiensten. Hygienebewusstsein und handwerkliches Geschick für geburtshilfliche Techniken runden das Anforderungsprofil ab.
Was lernst du in der Ausbildung?
Die Hebammenausbildung dauert drei Jahre und ist seit 2020 als primärqualifizierendes Hochschulstudium organisiert; an einigen Standorten existieren noch schulische Ausbildungswege nach altem Recht. Im ersten Lehrjahr stehen anatomische und physiologische Grundlagen der weiblichen Reproduktionsorgane, Embryologie, Grundpflege, Hygiene und Kommunikation im Vordergrund. Du lernst CTG-Grundlagen, steriles Arbeiten und Basismaßnahmen der Neugeborenenversorgung. Im zweiten Lehrjahr vertiefst du geburtshilfliche Handgriffe (Leopold-Handgriffe, Dammschutz), Pathologieerkennung in Schwangerschaft und Geburt sowie Pharmakologie geburtshilflicher Medikamente wie Oxytozin und Prostaglandine. Im dritten Jahr liegt der Fokus auf eigenverantwortlicher Geburtsleitung, Wochenbettbetreuung, Stillmanagement und Notfallmanagement (postpartale Hämorrhagie, Schulterdystokie, neonatale Reanimation). Im Vergleich zu Pflegeberufen ist die Ausbildung stark auf Eigenverantwortung und medizinische Entscheidungskompetenz ausgerichtet.
Staatliche Prüfung & Abschluss
Am Ende des dritten Ausbildungsjahres steht die staatliche Prüfung mit drei Teilen an. Schriftlich sind zwei Klausuren von jeweils 180 Minuten zu bewältigen, die Geburtshilfe, Anatomie und Physiologie, Neonatologie, Pathologie sowie Pharmakologie abdecken. Mündlich folgen 45–60 Minuten mit fallbezogenen Szenarien aus Schwangerenvorsorge, Geburtsleitung und Wochenbettbetreuung vor einer Kommission aus Lehrkräften und einer approbierten Geburtshelferin oder einem Geburtshelfer. Kernstück ist der praktische Teil: Die Kandidatin betreut eigenständig eine Gebärende oder führt eine simulierte Geburtsleitung inklusive Dammschutz, Dokumentation und Neugeborenenerstversorgung durch, was mindestens vier Stunden dauert. Bewertet werden klinische Kompetenz, Kommunikation, Hygiene und Notfallmanagement. Alle drei Prüfungsteile müssen bestanden werden, wobei ein nicht bestandener Teil zweimal wiederholt werden kann.
Prüfungsthemen
- Anatomie und Physiologie der weiblichen Reproduktionsorgane
- Schwangerenvorsorge und Pathologieerkennung
- Physiologische und pathologische Geburtsleitung
- Neugeborenenerstversorgung und Neonatologie
- Wochenbettbetreuung und Stillmanagement
- Geburtshilfliche Pharmakologie (Oxytozin, Prostaglandine, Magnesium)
- Notfallmanagement (Hämorrhagie, Schulterdystokie, neonatale Reanimation)
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung können Hebammen die Fachweiterbildung zur Fachkrankenschwester/-pfleger für Intensivpflege und Anästhesie absolvieren oder sich als Laktationsberaterin IBCLC zertifizieren lassen. Der Studiengang Hebammenwissenschaft (B. Sc.) ist inzwischen der Regelweg; darauf aufbauend sind Master-Studiengänge in Hebammenwissenschaft, Advanced Nursing Practice oder Gesundheitsmanagement möglich. Mit Berufserfahrung sind Leitungspositionen als Kreißsaalleitung, Pflegedienstleitung oder Qualitätsmanagementbeauftragte realistisch. Freiberufliche Niederlassung mit eigener Hebammenpraxis oder als Beleghebamme ist ein häufiger Karriereweg. Das Bruttogehalt steigt mit Berufserfahrung von ca. 3.200 EUR auf 4.500 EUR (TVöD-P) oder höher in leitenden Positionen.
Bewerbungstipps
Da die Ausbildung meist im Oktober startet, sollte die Bewerbung spätestens zwölf Monate vorher, also im Oktober des Vorjahres, eingereicht werden. Zur Mappe gehören Anschreiben, Lebenslauf, Schulzeugnisse, Nachweise über ein Pflegepraktikum von idealerweise mindestens einem Monat sowie gegebenenfalls ein Erste-Hilfe-Zertifikat. Im Vorstellungsgespräch wird nach der Motivation, der Belastbarkeit in Notsituationen und dem persönlichen Bezug zur Geburtshilfe gefragt, häufig anhand von Fallsituationen im Rollenspiel. Manche Schulen setzen zusätzlich einen schriftlichen Eignungstest zu Biologie und Textverständnis ein. Überzeugend wirkt, wer bereits Erfahrungen aus Pflegepraktika oder Freiwilligendiensten im Gesundheitswesen mitbringt, ruhig und empathisch auftritt und den Berufsalltag einer Hebamme fundiert beschreiben kann.
Ratgeber
Wehen und kindliche Herzfrequenz per CTG überwachen, physiologische Geburten eigenverantwortlich begleiten und im Wochenbett Neugeborene sowie Mütter betreuen: Das ist der Kern der Arbeit von Hebammen, auch bei Hausgeburten mit mobiler Notfallausrüstung. Geregelt ist der Beruf im Hebammengesetz, die dreijährige Ausbildung wird mit 1.100 bis 1.400 Euro vergütet, der Einstieg liegt bei rund 3.200 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Hebamme in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Hebamme?
Gibt es Spezialisierungen oder Fachrichtungen im Hebammenberuf?
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zur Hebamme benötigt?
In welchen Bereichen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten ausgebildete Hebammen?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zur Hebamme?
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