Gold- und Silberschmied
Früher: Edelmetallprüfer
Gold- und Silberschmiede gestalten und fertigen Schmuck sowie kunsthandwerkliche Gegenstände aus Edelmetallen wie Gold, Silber und Platin, oft ergänzt durch Edelsteine und andere Materialien. Die Arbeit verbindet handwerkliches Geschick mit künstlerischem Gestaltungswillen auf höchstem Niveau. Dieser Beruf eignet sich für Menschen mit einem ausgeprägten Sinn für Ästhetik, Feinmotorik und Freude an der Arbeit mit wertvollen Materialien.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
320–620 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.100 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Gold- und Silberschmied?
Der Arbeitsalltag eines Gold- und Silberschmieds findet hauptsächlich an einer individuell eingerichteten Werkbank statt, ausgestattet mit Lötlampe, Schmiedefeuer, Ziehbank, Walzwerk und Feinwerkzeugen wie Feilen, Sticheln und Körner. Morgens werden häufig Kundengespräche geführt, bei denen Schmuckwünsche besprochen, Entwürfe mit Bleistift oder CAD-Software wie RhinoGold skizziert und Kostenangebote kalkuliert werden. Anschließend beginnt die eigentliche Werkstattarbeit: Edelmetallbleche oder -drähte werden geformt, gesägt, gelötet, gehämmert und gefasst. Nachmittags stehen oft Oberflächenbearbeitungen wie Polieren, Mattieren oder Galvanisieren sowie das Einsetzen von Brillanten, Rubinen oder anderen Edelsteinen per Zargenfassung oder Krappenfassung auf dem Programm. Beispielaufgaben sind das Reparieren eines Platinrings mit gebrochenem Verschluss oder die Neufertigung eines individuellen Anhängers aus 18-Karat-Gelbgold nach Kundenwunsch. Die Zusammenarbeit erfolgt eng mit Kunden, Edelmetalllieferanten und ggf. Graveurmeistern.
Wo arbeitest du?
Gold- und Silberschmiede arbeiten überwiegend in kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben sowie in Juweliergeschäften mit eigener Werkstatt. Industrielle Arbeitgeber sind Schmuckhersteller aus Pforzheim (dem deutschen Schmuckzentrum), Hanau und Schwäbisch Gmünd, darunter Unternehmen wie Wempe, Christ, Bucherer oder Trauringstudio-Ketten. Auch Edelmetallverarbeiter, Museen mit Restaurierungswerkstätten sowie das Kunsthandwerk (Silberschmieden, kirchliches Gerät) bieten Stellen. Es herrscht spürbarer Fachkräftemangel, besonders in qualifizierten Werkstätten für individuelle Anfertigung.
Voraussetzungen
Ein guter Hauptschulabschluss ist Grundvoraussetzung, idealerweise sollte ein Realschulabschluss vorliegen, da Geometrie, technisches Zeichnen und Physik wichtige Grundlagen bilden. Besonders relevant sind Mathematik für Kalkulation und Flächenberechnungen, Kunst und Werken sowie Chemie für Legierungskunde und Galvanik. Ausgeprägte Feinmotorik und ein ruhiges Händchen, räumliches Vorstellungsvermögen, Sinn für Ästhetik und Form sowie Geduld und Präzision beim Arbeiten sind entscheidend, dazu Interesse an kunsthandwerklichen und gestalterischen Tätigkeiten. Ein Praktikum in einem Goldschmiede- oder Juweliersbetrieb ist dringend empfehlenswert.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr stehen grundlegende Metalltechniken im Vordergrund: Sägen, Feilen, Biegen, Löten und Hämmern mit Silber als Übungsmaterial. Außerdem werden Grundkenntnisse in Materialkunde (Legierungen von Gold 333er bis 999er Feingehalt, Silber 925 Sterling, Platin 950) und Werkzeugkunde vermittelt. Im zweiten Lehrjahr vertiefen die Auszubildenden das Fassentechnik-Repertoire, erlernen das Walzen, Ziehen und Schmieden sowie Grundlagen der Schmuckgestaltung und Entwurfszeichnung. Das dritte Lehrjahr widmet sich der Spezialisierung: Galvanotechnik, Emaillearbeiten, Steinkunde (Edelstein- und Schmucksteinkunde nach DSEF-Standard), Kalkulation sowie anspruchsvolle Fassarbeiten wie Pavé- und Kanalfassungen. Im Unterschied zur Ausbildung zum Uhrmacher liegt der Fokus nicht auf Mechanik, sondern auf Formgebung, Oberflächengestaltung und Edelsteinkunde.
IHK-Prüfung & Abschluss
Am Ende des zweiten Ausbildungsjahres steht die Zwischenprüfung an: eine praktische Arbeitsaufgabe von rund sechs Stunden, bei der ein vorgegebenes Schmuckstück aus Silber oder einer Legierung gefertigt wird, sowie ein 120-minütiger schriftlicher Teil zu technologischen Grundlagen. Die Abschlussprüfung, gemeinsam von Goldschmiedefachverbänden und IHK organisiert, umfasst vier Bereiche: die praktische Arbeitsaufgabe - ein Schmuckstück nach Vorgabe, eigenständig in rund 14 Stunden gefertigt (50 Prozent) -, ein Fachgespräch zur gefertigten Arbeit (10 Prozent), die schriftliche Prüfung in Gestaltung und Technologie (25 Prozent, 120 Minuten) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (15 Prozent, 60 Minuten). Im Gesamtergebnis sind mindestens 50 Punkte nötig, kein Bereich darf unter 30 Punkte fallen.
Prüfungsthemen
- Edelmetallkunde und Legierungen (Gold, Silber, Platin)
- Schmuckfertigung und -reparatur (Löten, Hämmern, Walzen)
- Fassentechniken (Zargen-, Krappen-, Pavé-, Kanalfassung)
- Edelstein- und Schmucksteinkunde
- Entwurf und Gestaltung von Schmuckstücken
- Galvanotechnik und Oberflächenveredelung
- Kalkulation und Wirtschafts- und Sozialkunde
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung kann der Meistertitel als Goldschmiedemeister (HwO) abgelegt werden, der zur selbstständigen Betriebsführung und Ausbildung berechtigt. Alternativ bieten sich staatlich anerkannte Weiterbildungen zum Schmuckgestalter oder Designer an Fachschulen wie der Goldschmiedeschule Pforzheim oder der Zeichenakademie Hanau an. Akademische Wege führen über den Bachelor of Arts in Schmuck- und Produktdesign oder Industrial Design. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Werkstattleiter, Chefdesigner in einem Schmuckunternehmen oder selbstständiger Goldschmiedemeister realistisch. Spezialisierungen in der Edelsteinkunde (FGA-Zertifikat der Gemmological Association), Restaurierung antiker Schmuckstücke oder Trauringmanufaktur sind möglich. Das Gehalt als Meister liegt bei 2.800–4.200 EUR brutto monatlich.
Bewerbungstipps
Spätestens im Herbst des Vorjahres, also 12 bis 18 Monate vor dem angestrebten Start, sollte man sich bewerben, da viele Betriebe früh planen. Neben Anschreiben und Lebenslauf gehört eine kleine Mappe mit eigenen Zeichnungen, Basteleien oder Fotos selbst gefertigter Objekte dazu - das demonstriert handwerkliches und gestalterisches Interesse besser als jedes Wort. Im Vorstellungsgespräch werden häufig einfache Fingerübungen wie das Falten oder Schneiden von Papierformen gestellt, um die Feinmotorik einzuschätzen, manche Betriebe verlangen zusätzlich einen IHK-Einstellungstest oder einen eigenen Eignungstest zu Mathematik und räumlichem Denken. Besonders überzeugend sind Bewerber, die bereits ein Praktikum in einem Goldschmiede- oder Juweliersbetrieb absolviert haben und konkret schildern können, welche Arbeitsschritte sie beobachtet haben.
Ratgeber
Zwischen Kundenberatung und Werkbankarbeit bewegt sich der Arbeitsalltag von Gold- und Silberschmieden: Nach Entwurf und Kalkulation werden Edelmetallbleche geformt, gesägt, gelötet und Edelsteine per Zargen- oder Krappenfassung eingesetzt. Die dreijährige BBiG-Ausbildung ist mit 320 bis 620 Euro vergleichsweise niedrig vergütet, der Einstieg liegt anschließend bei rund 2.100 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Gold- und Silberschmied in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Gold- und Silberschmied?
Welche Fachrichtungen gibt es beim Gold- und Silberschmied?
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Gold- und Silberschmied benötigt?
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Gold- und Silberschmiede?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
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