🧭AG
← Alle Berufe

Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik

Früher: Gerber

Die Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik verwandelt tierische Rohhäute durch chemische und mechanische Prozesse in hochwertiges Leder. Der Beruf verbindet handwerkliches Können mit chemisch-technischem Wissen und ist Teil einer traditionsreichen, aber hochspezialisierten Branche. Er eignet sich für Menschen mit Interesse an Materialkunde, Chemie und industriellen Produktionsprozessen.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

550–800 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2.200 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik?

Der Arbeitsalltag findet überwiegend in der Gerberei oder Lederfabrik statt – einer Kombination aus Produktionshalle, Labor und Maschinenraum. Morgens beginnt die Arbeit mit der Kontrolle laufender Gerbereimaschinen wie Walkfässern, Entfleischmaschinen oder Spaltmaschinen. Rohhäute werden angenommen, sortiert und für die Weiche vorbereitet, bei der sie in Soakingbädern aufgeweicht werden. Im Laufe des Vormittags werden Bäder für die Äscherung mit Natriumsulfid und Kalk angesetzt und Häute durch die Beamingmaschine geführt, um Haare und Fleischreste zu entfernen. Nachmittags stehen Gerbprozesse im Mittelpunkt: Chromgerbung mit Chromsulfat oder vegetabile Gerbung mit Tanninen wird in rotierenden Fässern durchgeführt. Dazu kommen Retuschen, Zurichtungsarbeiten mit Walzen und Appretiermaschinen sowie die Qualitätskontrolle mittels pH-Wert-Messung und Dickenprüfung. Man arbeitet eng mit Laboranten, Maschinenführern und Qualitätssicherungspersonal zusammen.

Wo arbeitest du?

Fachkräfte arbeiten in Lederfabriken und Gerbereien, Schuhoberlederwerken, Autolederherstellern und Polsterlederproduktionsbetrieben. Bekannte Arbeitgeber sind Unternehmen wie Wollsdorf Leder, Boxmark Leather oder Weinheimer Leder sowie Zulieferer für BMW, Mercedes und Audi. Die Branche ist stark mittelständisch geprägt. Aufgrund der Spezialisierung und des Strukturwandels in der deutschen Lederindustrie ist der Ausbildungsmarkt klein, aber es besteht ein deutlicher Fachkräftemangel – Absolventen haben sehr gute Übernahmechancen.

Voraussetzungen

Ein mittlerer Schulabschluss wird empfohlen, da Chemie, Mathematik und Biologie wichtige Grundlagenfächer sind. Grundkenntnisse in Chemie sind unverzichtbar, um Gerbprozesse zu verstehen und Badansätze korrekt zu berechnen. Technisches Verständnis für Maschinen und Produktionsabläufe ist ebenso wichtig wie ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein beim Umgang mit umweltrelevanten Chemikalien. Sorgfalt und eine gute Beobachtungsgabe für Materialveränderungen sind entscheidend, ebenso körperliche Belastbarkeit, da die Arbeit mit schweren Häuten und in feuchten Umgebungen stattfindet.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr stehen die Grundlagen der Rohwarenkunde im Mittelpunkt: Aufbau und Eigenschaften tierischer Häute und Felle, Grundprinzipien der Wasserwerkstatt (Weiche, Äschern, Beizen) sowie Arbeitssicherheit und Umweltschutz beim Umgang mit Chemikalien wie Kalk, Säuren und Gerbstoffen. Grundlegende Maschinenkunde zu Entfleischmaschinen und Spaltmaschinen wird ebenfalls vermittelt. Im zweiten Lehrjahr vertiefen sich die Kenntnisse in den verschiedenen Gerbverfahren – Chromgerbung, vegetabile Gerbung, Kombinationsgerbung – sowie in der Nasszurichtung: Neutralisation, Fettung und Färbung von Leder. Im dritten Lehrjahr folgt die Spezialisierung auf die Trockenzurichtung, Appretierung, Oberflächenbehandlung mit Lackiersystemen und Prägeverfahren sowie auf Qualitätsprüfungen nach DIN/ISO-Normen. Anders als Gerber in handwerklichen Betrieben arbeiten Fachkräfte stärker an industriellen Produktionsanlagen und übernehmen Prozesssteuerung.

Gerbereitechnik und LederherstellungsprozesseChemie und WerkstoffkundeMaschinen- und AnlagentechnikQualitätssicherung und UmweltschutzWirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Nach dem Berufsbildungsgesetz findet die Zwischenprüfung Mitte des zweiten Lehrjahres, etwa im 18. Ausbildungsmonat, statt: schriftlich werden in 120 Minuten Grundlagen der Wasserwerkstatt, Rohwarenkunde und Arbeitssicherheit geprüft, praktisch folgt eine rund 60-minütige Aufgabe. Die Abschlussprüfung, Teil 2, liegt am Ende des dritten Lehrjahres und besteht aus vier Bereichen: Lederherstellungsprozesse schriftlich mit 90 Minuten und 30 Prozent, Technologie und Chemie schriftlich mit ebenfalls 90 Minuten und 30 Prozent sowie Wirtschafts- und Sozialkunde schriftlich mit 60 Minuten und 10 Prozent. Die praktische Prüfung, eine betriebliche Arbeitsaufgabe wie die Durchführung eines vollständigen Gerbprozessabschnitts mit Dokumentation und Qualitätskontrolle, dauert etwa sieben Stunden und zählt 30 Prozent, ergänzt durch ein Fachgespräch von rund 15 Minuten. In allen Prüfungsbereichen sind mindestens 50 von 100 Punkten für das Bestehen nötig.

Prüfungsthemen

  • Wasserwerkstattprozesse (Weiche, Äschern, Beizen)
  • Gerbverfahren (Chromgerbung, vegetabile Gerbung, Kombinationsgerbung)
  • Nasszurichtung (Neutralisation, Färbung, Fettung)
  • Trockenzurichtung und Oberflächenbehandlung (Appretierung, Lackierung, Prägung)
  • Qualitätsprüfung und Messtechnik nach DIN/ISO-Normen
  • Chemikalien, Umweltschutz und Arbeitssicherheit in der Gerberei
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung kann man sich zum Industriemeister Fachrichtung Textil/Leder (IHK) weiterqualifizieren und Schichtleiter- oder Fertigungsleiteraufgaben übernehmen. Der staatlich geprüfte Techniker für Textiltechnik oder Chemietechnik eröffnet Positionen in der Arbeitsvorbereitung und Qualitätssicherung. Einschlägige Studiengänge sind Leder- und Kunstledertechnik (Hochschule Albstadt-Sigmaringen), Textiltechnologie oder Werkstoffwissenschaften. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Produktionsleiter, Qualitätsmanager oder technischer Einkäufer realistisch. Das Gehalt wächst von ca. 2.200–2.600 EUR brutto (Berufseinsteiger) auf 3.200–4.200 EUR brutto in Führungspositionen. Spezialisierungen sind möglich in der Lederchemie, nachhaltigen Gerbverfahren oder der Automobilzulieferung.

Bewerbungstipps

Da deutschlandweit nur wenige Ausbildungsplätze vergeben werden, sollten Bewerbungen 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsstart, also ab Frühjahr des Vorjahres, eingereicht werden. Ein aussagekräftiges Anschreiben mit Bezug auf Interesse an Chemie und Materialverarbeitung, ein tabellarischer Lebenslauf sowie die letzten beiden Schulzeugnisse gehören in die Mappe. Im Vorstellungsgespräch werden häufig grundlegende Chemiekenntnisse und technisches Verständnis abgefragt; einige Betriebe setzen einen schriftlichen Eignungstest zu Mathematik, Chemie und Allgemeinwissen ein. Besonders überzeugend wirken Bewerber, die ein Praktikum in einer Gerberei oder einem lederverarbeitenden Betrieb vorweisen können und Kenntnisse über Umweltschutzauflagen in der Lederindustrie zeigen.

Werbung
Professionelle Bewerbungsunterlagen erstellen lassen -- Die Bewerbungsschreiber

Mehr Tipps: Bewerbung für die Ausbildung schreiben →

Ratgeber

In der Gerberei bereiten Fachkräfte für Lederherstellung und Gerbereitechnik Rohhäute in Weichbädern vor, führen Chrom- oder vegetabile Gerbung in rotierenden Fässern durch und kontrollieren die Lederqualität per pH-Wert- und Dickenmessung. Die dreijährige Ausbildung nach BBiG wird mit 550 bis 800 Euro vergütet, der Einstieg liegt bei rund 2.200 Euro monatlich. Die Arbeit findet überwiegend in Produktionshalle, Labor und Maschinenraum der Gerberei statt.

Häufige Fragen

Wie viel verdient man als Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik in der Ausbildung?
Das Ausbildungsgehalt als Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik liegt bei etwa 550–800 Euro pro Monat. Nach der Ausbildung liegt das Einstiegsgehalt bei etwa 2.200 Euro monatlich.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik?
Die duale Ausbildung zum Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik dauert regulär 3 Jahre. In dieser Zeit wechselst du zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb.
Gibt es Spezialisierungen innerhalb der Ausbildung zur Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik?
Die Ausbildung kann je nach Betrieb unterschiedliche Schwerpunkte haben, etwa in der Rohhautaufbereitung, der Nassbearbeitung oder der Zurichtung und Veredelung von Leder. Betriebe sind häufig auf bestimmte Lederarten oder Produktionsstufen spezialisiert, sodass die praktische Ausbildung entsprechend ausgerichtet ist. Formal festgelegte Fachrichtungen im Sinne des Ausbildungsrahmenplans gibt es jedoch nicht.
Welcher Schulabschluss wird für diese Ausbildung vorausgesetzt?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis stellen viele Ausbildungsbetriebe Bewerberinnen und Bewerber mit Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss ein. Gute Kenntnisse in Chemie und Biologie sind von Vorteil, da chemische Prozesse einen zentralen Teil der Gerbereitechnik ausmachen.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern kann man als Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik arbeiten?
Absolventen arbeiten überwiegend in Gerbereien und Lederherstellungsbetrieben, die Leder für die Schuh-, Bekleidungs-, Automobil- oder Möbelindustrie produzieren. Da die Branche in Deutschland vergleichsweise klein ist, gibt es eine überschaubare Zahl an Ausbildungsbetrieben, vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Auch die chemische Industrie, die Gerbhilfsmittel und Lederveredlungschemikalien herstellt, kommt als Arbeitgeber infrage.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung können Fachkräfte eine Weiterbildung zum Gerbermeister oder zum Techniker im Bereich Lederverarbeitung anstreben. Mit entsprechender Berufserfahrung und dem Meisterabschluss ist auch die Selbstständigkeit möglich. Wer studieren möchte, kann über Fachhochschulreife oder Begabtenprüfung Studiengänge wie Leder- und Textilingenieurwesen aufnehmen.

Ähnliche Berufe in Textil- und Bekleidungsberufe

Modist

Modisten fertigen und restaurieren Hüte, Mützen, Kopfbedeckungen und Haarschmuck aus Materialien wie Filz, Stroh, Sinamay, Tüll und Federn. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick mit modischem Gespür und kreativem Gestaltungswillen. Er eignet sich für Menschen mit Freude an detailreicher Handarbeit, Ästhetik und individueller Kundenberatung – und ist eines der seltensten Handwerksgewerbe in Deutschland.

3 Jahre →

Segelmacher

Segelmacher fertigen und reparieren Segel, Planen, Zelte, Markisen und andere technische Textilien aus Hoch­leistungs­geweben wie Dacron, Mylar, Dyneema oder Carbon­faser­laminaten. Der Beruf verbindet handwerkliches Geschick beim Nähen und Konfektionieren mit physikalischem Verständnis für Wind­kräfte und Segelgeometrie. Er eignet sich für Menschen mit Freude an Präzisions­arbeit, maritimem Umfeld und dem Umgang mit modernen Hoch­leistungs­materialien.

3 Jahre →

Schuhmacher

Schuhmacher fertigen, reparieren und restaurieren Schuhe sowie Lederwaren von Hand und mit spezialisierten Maschinen. Der Beruf vereint traditionelles Handwerk mit modernen Fertigungstechniken und erfordert ein feines Gespür für Materialien wie Leder, Gummi und synthetische Werkstoffe. Er eignet sich für handwerklich geschickte Menschen mit Sinn für Ästhetik, Präzision und Freude an der direkten Kundenarbeit.

3 Jahre →

Maßschuhmacher

Maßschuhmacher fertigen individuelle Schuhe nach den genauen Maßen und Bedürfnissen einzelner Kunden – von der Fußvermessung über den Leistenbau bis zur handwerklichen Fertigstellung. Der Beruf verbindet traditionelles Handwerk mit orthopädischem Fachwissen und ist ideal für Menschen mit handwerklichem Geschick, Präzisionsliebe und Interesse an anatomischen Zusammenhängen. Er eignet sich besonders für Personen, die individuelle Unikate statt Massenprodukte herstellen möchten.

3 Jahre →