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Chemikant

Chemikanten steuern und überwachen chemische Produktionsprozesse in der Industrie – von der Herstellung von Kunststoffen und Pharmawirkstoffen bis hin zu Farbstoffen und Düngemitteln. Sie bedienen großtechnische Anlagen, analysieren Prozessparameter und sorgen für gleichbleibende Produktqualität. Der Beruf eignet sich für naturwissenschaftlich interessierte Menschen, die sowohl handwerkliches Geschick als auch analytisches Denkvermögen mitbringen.

Ausbildungsdauer

3.5 Jahre

Azubi-Gehalt

750–1.100 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 3.000 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Chemikant?

Der Arbeitsalltag eines Chemikanten findet hauptsächlich in großtechnischen Produktionsanlagen der chemischen Industrie statt – oft im Schichtbetrieb rund um die Uhr. Morgens beginnt die Schicht mit der Übergabe vom Vorgängerteam, dem Ablesen von Prozessleitsystemen wie SIMATIC PCS 7 oder ABB System 800xA sowie dem Kontrollieren von Temperatur-, Druck- und Durchflusswerten. Anschließend werden Reaktoren, Destillationskolonnen, Wärmetauscher und Pumpen nach vorgegebenen Betriebsanweisungen gestartet oder reguliert. Ein typisches Beispiel ist die Steuerung einer Chlorierung: Der Chemikant dosiert Ausgangsstoffe über automatisierte Ventile, überwacht den Reaktionsverlauf im Kontrollraum und greift bei Abweichungen manuell ein. Nachmittags stehen Probenahmen und einfache Laboranalysen wie pH-Messung, Titration oder Dichtemessung an, um die Produktqualität zu sichern. Außerdem werden Wartungsarbeiten dokumentiert, Filteranlagen gereinigt und Sicherheitsbegehungen durchgeführt. Die Zusammenarbeit erfolgt eng mit Prozessleittechnikern, Laboranten und Schichtführern.

Wo arbeitest du?

Chemikanten arbeiten überwiegend in der Großchemie und Spezialchemie: bei Konzernen wie BASF, Bayer, Evonik, Covestro, Lanxess, Wacker Chemie und Henkel sowie in der Pharmaindustrie bei Unternehmen wie Bayer Pharma oder Merck. Weitere Arbeitgeber sind Lackhersteller, Gashersteller wie Linde und Düngemittelproduzenten. Die Betriebe sind überwiegend großindustriell mit Chemiepark-Strukturen wie Ludwigshafen, Leverkusen, Marl oder Burghausen. Fachkräftemangel ist in Teilen der Branche spürbar, besonders bei spezialisierten Produktionsanlagen.

Voraussetzungen

Wer Chemikant werden will, sollte mindestens einen guten Realschulabschluss mitbringen, denn die Ausbildung setzt solide Kenntnisse in Mathematik, Chemie und Physik voraus. Besonders gefragt sind Fertigkeiten im Umgang mit Gleichungen, Konzentrationsberechnungen und dem Lesen technischer Zeichnungen. Da Fehler in der Produktion teuer oder sogar gefährlich werden können, zählen Sorgfalt, Konzentration und Verantwortungsbewusstsein zu den wichtigsten persönlichen Eigenschaften. Technisches Interesse, räumliches Vorstellungsvermögen und Teamfähigkeit im Schichtbetrieb sind ebenso gefragt wie die Bereitschaft, körperlich zu arbeiten und dabei konsequent Schutzausrüstung zu tragen.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im ersten Lehrjahr stehen chemische und physikalische Grundlagen im Vordergrund: Aufbau von Atomen und Molekülen, Reaktionsgleichungen, Aggregatzustände sowie Grundoperationen wie Filtrieren, Destillieren und Extrahieren. Außerdem lernen Azubis den sicheren Umgang mit Gefahrstoffen nach GHS-System, das Lesen von Sicherheitsdatenblättern und Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Chemieunfällen. Im zweiten Lehrjahr vertiefen sie Kenntnisse über Wärme- und Stoffübertragung, Pumpen- und Kompressortechnik sowie Mess- und Regeltechnik. Sie führen eigenständig Prozessschritte durch und nutzen Prozessleitsysteme. Im dritten Lehrjahr spezialisieren sie sich je nach Betrieb auf organische oder anorganische Synthesen, Polymerisationsverfahren oder biotechnologische Prozesse. Im Vergleich zu Lacklaboranten oder Pharmakanten liegt der Fokus stärker auf der Steuerung großtechnischer Anlagen und weniger auf Laborarbeit.

Chemische Technologie (Reaktions- und Verfahrenstechnik)Anlagentechnik und Mess-/RegeltechnikChemie und LaborkundeArbeitssicherheit und UmweltschutzWirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Die zweigeteilte Abschlussprüfung wird von der zuständigen IHK organisiert. Teil 1, die Zwischenprüfung, findet Mitte des zweiten Ausbildungsjahres statt: schriftlich 180 Minuten zu chemisch-physikalischen Grundlagen, Sicherheit und Grundoperationen, dazu eine 120-minütige praktische Aufgabe mit einer einfachen Laboroperation. Teil 2 am Ende des dritten Lehrjahres besteht aus vier Bereichen: Die praktische Arbeitsaufgabe mit Fachgespräch zählt mit 50 Prozent am meisten - in etwa sieben Stunden wird eine vollständige Prozesssequenz an einer Anlage durchgeführt und dokumentiert. Schriftlich kommen Prozess- und Anlagentechnik (150 Minuten, 25 Prozent), Chemische Reaktionen und Arbeitssicherheit (90 Minuten, 15 Prozent) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 10 Prozent) hinzu. Bestanden hat, wer im Gesamtergebnis mindestens 50 von 100 Punkten erreicht und in keinem Bereich unter 30 Punkte fällt.

Prüfungsthemen

  • Chemische Reaktionen und Reaktionssteuerung (Temperatur, Druck, Katalysatoren)
  • Prozess- und Anlagentechnik (Destillation, Rektifikation, Wärmetauscher, Pumpen)
  • Mess-, Steuer- und Regeltechnik (Prozessleitsysteme, Sensoren, Regelkreise)
  • Arbeitssicherheit, Gefahrstoffrecht und Umweltschutz (GHS, TRGS, AwSV)
  • Grundoperationen und Stofftrennung (Filtration, Extraktion, Kristallisation)
  • Qualitätssicherung und Probenahme (Titration, pH-Messung, Dichtebestimmung)
  • Wirtschafts- und Sozialkunde (Arbeitsrecht, betriebliche Abläufe)

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung können Chemikanten den Industriemeister Chemie (IHK) ablegen – eine der häufigsten Weiterbildungen der Branche, die zur Übernahme von Schicht- oder Produktionsleitung befähigt. Alternativ bietet sich der staatlich geprüfte Techniker der Fachrichtung Chemietechnik an. Mit Abitur oder Fachabitur ist ein Studium zum Bachelor of Engineering in Chemieingenieurwesen, Verfahrenstechnik oder Chemietechnik möglich, teils auch als duales Studium bei Unternehmen wie BASF oder Bayer. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Schichtführer, Produktionsleiter oder HSE-Beauftragter (Health, Safety, Environment) realistisch. Gehaltlich steigt man von ca. 3.000 EUR brutto nach Ausbildungsende auf 4.500–5.500 EUR als Meister oder Teamleiter. Spezialisierungen sind möglich in Biotechnologie, Polymertechnik oder Anlagenfahrtechnik für Hochdruckprozesse.

Aufstiegsfortbildung nach der Ausbildung

Bewerbungstipps

Große Chemiekonzerne wie BASF oder Evonik vergeben ihre Ausbildungsplätze oft schon im Herbst des Vorjahres, weshalb sich eine Bewerbung zwölf bis achtzehn Monate vor dem Start im September lohnt. Zeugnisse mit ordentlichen Noten in Chemie, Physik und Mathematik, ein aussagekräftiges Motivationsschreiben sowie mögliche Praktikumsnachweise aus dem chemischen Bereich gehören in die Bewerbungsmappe. Viele Großunternehmen setzen einen IHK-Einstellungstest oder einen eigenen Eignungstest ein, der Grundrechenarten, Dreisatz, Chemiekenntnisse und technisches Verständnis prüft. Im Vorstellungsgespräch punktet, wer einfache chemische Reaktionen erklären kann, aus Chemie-AGs oder Schülerpraktika berichtet und Bereitschaft zur Schichtarbeit signalisiert. Zuverlässigkeit und Sicherheitsbewusstsein sollten aktiv angesprochen werden.

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Mehr Tipps: Bewerbung für die Ausbildung schreiben →

Ratgeber

Im Schichtbetrieb der Großanlage steuert der Chemikant Reaktoren, Destillationskolonnen und Pumpen über Prozessleitsysteme wie SIMATIC PCS 7 und greift bei Abweichungen manuell ein. Die Ausbildung nach BBiG dauert 3,5 Jahre und wird mit 750 bis 1100 Euro vergütet, der Einstieg danach liegt bei rund 3000 Euro. Auch Probenahmen und Laboranalysen zur Qualitätssicherung gehören zum Alltag.

Häufige Fragen

Wie viel verdient man als Chemikant in der Ausbildung?
Das Ausbildungsgehalt als Chemikant liegt bei etwa 750–1.100 Euro pro Monat. Nach der Ausbildung liegt das Einstiegsgehalt bei etwa 3.000 Euro monatlich.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Chemikant?
Die duale Ausbildung zum Chemikant dauert regulär 3.5 Jahre. In dieser Zeit wechselst du zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb.
Gibt es Spezialisierungen oder Fachrichtungen in der Chemikantenausbildung?
Die Ausbildung zum Chemikanten ist nicht in offizielle Fachrichtungen unterteilt, jedoch spezialisieren sich Betriebe auf unterschiedliche Produktionsbereiche wie organische Chemie, Kunststoffherstellung, Pharmazeutik oder Petrochemie. Durch innerbetriebliche Schwerpunkte und Weiterbildungen können Chemikanten nach der Ausbildung gezielt Fachkenntnisse in bestimmten Prozessen oder Anlagentypen vertiefen.
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Chemikanten benötigt?
Formal ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, in der Praxis stellen die meisten Betriebe jedoch Bewerber mit mittlerem Schulabschluss (Realschule) oder Abitur ein. Grundkenntnisse in Chemie, Mathematik und Physik sind von Vorteil. Auch mit Hauptschulabschluss ist eine Bewerbung möglich, wenn entsprechende Noten und Interessen vorhanden sind.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Chemikanten?
Chemikanten sind vor allem in der chemischen und pharmazeutischen Industrie tätig, etwa bei Großunternehmen wie BASF, Bayer oder Evonik sowie bei mittelständischen Spezialchemieherstellern. Weitere Arbeitgeber finden sich in der Kunststoffindustrie, Mineralölverarbeitung, Kosmetikproduktion und in Forschungsinstituten mit industriellen Produktionsanlagen.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung können Chemikanten die Weiterbildung zum Industriemeister Chemie oder zum Prozessmanager Chemie absolvieren. Wer studieren möchte, kann mit der Ausbildung und entsprechender Berufspraxis an Fachhochschulen Chemieingenieurwesen oder Verfahrenstechnik studieren, teils auch ohne Abitur über den sogenannten dritten Bildungsweg. Einige Unternehmen unterstützen berufsbegleitende Studiengänge finanziell.

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