Werkfeuerwehrmann
Werkfeuerwehrmänner und -frauen schützen Industriebetriebe, Flughäfen und Großunternehmen vor Bränden, Chemikalienunfällen und anderen Gefahrensituationen. Im Gegensatz zur kommunalen Feuerwehr liegt der Fokus auf den spezifischen Risiken des jeweiligen Betriebs, etwa Chemikalien, Druckbehälter oder Gefahrguttransporte. Der Beruf eignet sich für technisch interessierte Menschen mit körperlicher Fitness, Teamgeist und der Bereitschaft zu Schichtarbeit.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
850–1.200 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.800 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Werkfeuerwehrmann?
Der Arbeitsalltag beginnt mit der Schichtübergabe, bei der aktuelle Gefahrenlagen, laufende Baustellen im Betrieb und der Zustand aller Fahrzeuge und Geräte besprochen werden. Morgens stehen Fahrzeugprüfungen am Löschgruppenfahrzeug (LF 20), Tanklöschfahrzeug (TLF 4000) oder Schaummittelfahrzeug auf dem Programm: Ölstand, Druckluftanlage, Atemschutzgeräte (Pressluftatmer PA 90 Plus) und Strahlrohre werden systematisch kontrolliert. Hinzu kommen Begehungen von Produktionshallen, Lagerbereichen für gefährliche Stoffe und Pumpenstationen zur Brandschutzprävention. Nachmittags finden regelmäßig Übungen statt: Simulation eines Chlorgasaustritts mit Chemieschutzanzug CSA, Atemschutzübungen im Brandcontainer oder Technische Hilfeleistung mit hydraulischem Rettungsgerät (Spreizer, Schere). Zwei typische Einsatzszenarien im Betrieb sind das Abdichten eines leckgeschlagenen Gefahrgutbehälters mit Dichtkissen und die Reanimation einer verunfallten Person bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes. Die Zusammenarbeit erfolgt eng mit Betriebssicherheit, Gefahrgutbeauftragten und der externen Berufsfeuerwehr.
Wo arbeitest du?
Werkfeuerwehrmänner arbeiten bei Unternehmen mit eigener Werkfeuerwehr, die gesetzlich oder freiwillig eingerichtet wurde: Chemiekonzerne (BASF, Bayer, Evonik), Raffinerien (Shell, BP), Automobilhersteller (Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz), Flughäfen (Fraport, Flughafen München), Stahlwerke (ThyssenKrupp), Pharmaunternehmen (Merck) sowie Kraftwerks- und Energieunternehmen (RWE, EnBW). Es handelt sich überwiegend um Großindustriebetriebe. Der Fachkräftemangel ist spürbar, besonders bei Unternehmen in industriellen Ballungsräumen.
Voraussetzungen
Ein Realschulabschluss ist die empfohlene Grundlage, da technische Zusammenhänge in Chemie, Physik und Mathematik verstanden werden müssen. Wichtige Schulfächer sind Chemie für Gefahrstoffe und Verbrennungslehre, Physik für Hydraulik und Elektrotechnik, Mathematik und Sport. Wer diesen Beruf wählt, sollte körperlich fit und belastbar sein, Stressresistenz in Notfallsituationen zeigen, teamfähig für den Schicht- und Gruppenverbund sein und technisches Verständnis sowie Verantwortungsbewusstsein mitbringen. Bereitschaft zu Wechselschicht und Nachtdienst ist zwingend, ein Führerschein der Klasse B Pflicht, Klasse C von Vorteil.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr werden Grundlagen der Brandbekämpfung vermittelt: Verbrennungslehre, Löschmittel (Wasser, Schaum, CO₂, Pulver), Gefahrgutklassen nach ADR, sowie die Bedienung einfacher Feuerwehrfahrzeuge und handwerkliche Grundfertigkeiten wie Metallbearbeitung und Elektrotechnik. Erste Atemschutzgeräteträgerlehrgänge finden statt. Im zweiten und dritten Lehrjahr vertiefen Auszubildende die Technische Hilfeleistung (Rettungsgeräte, Absturzsicherung), den Umgang mit Gefahrstoffen und Strahlenschutz, Löschanlagen (Sprinkler, CO₂-Löschanlagen), Pumpen- und Rohrleitungstechnik sowie Sanitäts- und Rettungsdienstgrundlagen. Zentrale Lernfelder sind Einsatzlehre, Fahrzeugtechnik und vorbeugender Brandschutz. Im Vergleich zur Ausbildung bei der kommunalen Berufsfeuerwehr liegt der Schwerpunkt stärker auf industriespezifischen Gefahrenszenarien, Prozessanlagen und betrieblichem Gefahrstoffmanagement.
IHK-Prüfung & Abschluss
Mitte des zweiten Ausbildungsjahres findet die Zwischenprüfung statt: schriftlich zu Brandschutz, Gefahrgut und technischer Hilfeleistung (120 Minuten) sowie eine rund 60-minütige praktische Aufgabe zur Bedienung von Feuerwehrgeräten und Atemschutz. Die Abschlussprüfung am Ende des dritten Lehrjahres besteht aus Einsatzlehre und Gefahrenabwehr (schriftlich, 120 Minuten, 30 Prozent), Technische Hilfeleistung und Fahrzeugtechnik (schriftlich, 90 Minuten, 20 Prozent), Vorbeugender Brandschutz und Gefahrstoffe (schriftlich, 90 Minuten, 20 Prozent), einer praktischen Einsatzübung als Gruppenprüfung mit Simulation eines realen Szenarios wie Chemieunfall oder Personenrettung (ca. 90 Minuten, 20 Prozent) sowie einem 15- bis 20-minütigen Fachgespräch (10 Prozent). In jedem Bereich sind mindestens 50 von 100 Punkten erforderlich; die praktische Einsatzübung testet gezielt Stressstabilität und Entscheidungsfähigkeit.
Prüfungsthemen
- Einsatzlehre und Gefahrenabwehr (Brandbekämpfung, Taktik)
- Gefahrstoffe und ABC-Gefahren (Gefahrgutklassen, Schutzmaßnahmen)
- Technische Hilfeleistung (hydraulische Rettungsgeräte, Absturzsicherung)
- Vorbeugender Brandschutz (Löschanlagen, Flucht- und Rettungswege)
- Fahrzeugtechnik und Pumpenkunde (Kreiselpumpen, Löschwasserversorgung)
- Atemschutztechnik (Pressluftatmer, Einsatzgrundsätze)
- Sanitätsdienst und Erste Hilfe (Reanimation, Wundversorgung)
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung sind folgende Weiterbildungen möglich: Gruppenführer- und Zugführerlehrgang an Landesfeuerwehrschulen, Meister für Schutz und Sicherheit (IHK), Brandschutzmeister oder Werkfeuerwehrführer. Mit mehrjähriger Berufserfahrung bietet sich der staatlich geprüfte Techniker Fachrichtung Sicherheitstechnik an. Führungspositionen wie Schichtführer (nach 3–5 Jahren), Leiter Werkfeuerwehr oder Brandschutzbeauftragter sind realistisch. Weiterführend sind Studiengänge wie Bachelor of Engineering Sicherheitstechnik (z. B. TH Köln, Hochschule Bochum) möglich. Das Gehalt steigt von ca. 2.800 EUR brutto beim Einstieg auf 3.500–4.500 EUR in Führungspositionen. Spezialisierungen in Strahlenschutz, ABC-Abwehr oder Rettungsdienst sind gefragt.
Bewerbungstipps
Da viele Industrieunternehmen frühzeitig planen, sollte die Bewerbung 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsstart eingehen. Ein Anschreiben mit Bezug auf die spezifischen Gefahrenszenarien des Unternehmens, lückenloser Lebenslauf, Zeugnisse der letzten zwei Jahre, Sportabzeichen oder Nachweise körperlicher Fitness sowie eventuelle Erste-Hilfe-Zertifikate gehören in die Mappe. Der Auswahlprozess umfasst häufig einen schriftlichen Eignungstest zu Grundrechenarten, Physik, Chemie und Textverständnis, einen Sporttest mit Ausdauerlauf, Liegestützen und Treppensteigen mit Atemschutzgerät sowie ein strukturiertes Gespräch. Vorerfahrung bei der Freiwilligen Feuerwehr, Kenntnisse in Erster Hilfe oder technische Grundkenntnisse aus Praktika überzeugen Ausbilder besonders.
Ratgeber
Wer als Werkfeuerwehrmann arbeitet, prüft Löschfahrzeuge und Atemschutzgeräte, übt den Umgang mit Chemieschutzanzügen und hydraulischem Rettungsgerät und begeht Produktionshallen zur Brandschutzprävention. Im Einsatz werden etwa Gefahrgutlecks abgedichtet oder Erste Hilfe geleistet. Die dreijährige BBiG-Ausbildung wird mit 850 bis 1.200 Euro vergütet, der Einstieg danach liegt bei rund 2.800 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Werkfeuerwehrmann in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Werkfeuerwehrmann?
Gibt es Spezialisierungen oder Fachrichtungen im Beruf Werkfeuerwehrmann?
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Werkfeuerwehrmann benötigt?
Bei welchen Arbeitgebern und in welchen Branchen arbeiten Werkfeuerwehrleute?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Ähnliche Berufe in Technische Berufe
Packmitteltechnologe
Packmitteltechnologen stellen Verpackungen aus Papier, Karton, Wellpappe, Kunststoff oder Verbundmaterialien her und bedienen dabei hochautomatisierte Druckmaschinen, Stanz- und Faltschachtellinien. Der Beruf verbindet maschinentechnisches Verständnis mit Qualitätskontrolle und Materialwissen. Er eignet sich für technisch interessierte Menschen mit Sinn für Präzision und Qualitätsbewusstsein.
3 Jahre →
Technischer Produktdesigner
Technische Produktdesigner entwickeln und konstruieren technische Bauteile, Baugruppen und Produkte mithilfe moderner CAD-Software wie CATIA, SolidWorks oder Inventor. Sie erstellen normgerechte technische Zeichnungen und 3D-Modelle, die als Grundlage für die Fertigung dienen. Der Beruf eignet sich für Menschen mit räumlichem Vorstellungsvermögen, technischem Interesse und Präzisionsdenken, die gerne am Computer konstruieren und technische Probleme lösen.
3.5 Jahre →
Vermessungstechniker
Vermessungstechniker erfassen präzise Lage- und Höhendaten von Grundstücken, Bauwerken und Geländeoberflächen mithilfe moderner Messtechnik. Der Beruf verbindet Außenarbeit im Gelände mit computergestützter Datenverarbeitung im Büro. Er eignet sich für Menschen mit räumlichem Denkvermögen, mathematischem Verständnis und Freude an Präzisionsarbeit unter freiem Himmel.
3 Jahre →
Geomatiker
Geomatiker erfassen, verwalten und visualisieren raumbezogene Daten – von Landvermessung über Satellitenbilder bis hin zu digitalen Stadtmodellen. Der Beruf verbindet Geodäsie, Informatik und Kartografie und eignet sich für technikaffine Menschen mit Interesse an Geografie, Mathematik und digitaler Datenverarbeitung. Wer gerne mit Karten, GIS-Software und modernen Messtechnologien arbeitet, ist hier richtig.
3 Jahre →