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ErnährungsberufeBBiG

Weintechnologe

Früher: Weinküfer

Weintechnologen sind Fachkräfte der Weinbereitung und Kellerwirtschaft, die aus geernteten Weintrauben qualitativ hochwertige Weine herstellen. Sie steuern biochemische Prozesse wie Gärung und Reifung, bedienen moderne Keltereianlagen und analysieren Weine im Labor. Der Beruf eignet sich für naturwissenschaftlich interessierte Menschen mit Begeisterung für Lebensmittelkunde, Sensorik und handwerklich-technisches Arbeiten.

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Azubi-Gehalt

620–900 €

pro Monat

Einstiegsgehalt

ab 2.300 €

nach der Ausbildung

Prüfung

IHK-Abschluss

Was machst du als Weintechnologe?

Morgens beginnt der Arbeitstag im Keller mit der Kontrolle laufender Gärungen: Weintechnologen messen Temperatur, Restextrakt und Gärfortschritt mit Refraktometer und Handspindel und dokumentieren die Werte im Kellerbuch oder per Software wie WineSuite. Sie pumpen Moste um, setzen Bentonit oder Schönungsmittel zur Klärung ein und bedienen Maschinen wie Korbpressen, Membranpressen, Filteranlagen (Kieselgur-, Crossflow-Filter) oder Zentrifugen. Bei der Handlese oder maschinellen Traubenernte unterstützen sie die Eingangskontrolle und Entrappung mit Destemmer-Anlagen. Nachmittags werden Weine im Labor auf Säure, Schwefelgehalt, Alkohol und Zucker analysiert – mithilfe von FTIR-Spektrometern (z. B. Anton Paar Vinoproof) oder klassischen Titrationsmethoden. In der Reifezeit betreuen sie Barriquefässer, führen Abstiche durch und bereiten Weine zum Abfüllen auf Flaschenabfüllanlagen vor. Sie arbeiten eng mit Betriebsleitern, Önologen und dem Weinbauteam zusammen.

Wo arbeitest du?

Weintechnologen arbeiten vor allem in Weingütern und Winzergenossenschaften (z. B. Deutsches Weintor, Moselland eG), Sektkellereien (Rotkäppchen-Mumm, Henkell Freixenet), Weinhandelsbetrieben mit eigenem Ausbau sowie in Lehr- und Forschungseinrichtungen wie der Hochschule Geisenheim. Regional konzentrieren sich Stellen auf die deutschen Weinanbaugebiete: Rheinhessen, Pfalz, Mosel, Baden und Franken. Fachkräfte mit praktischer Kellermeistererfahrung sind gesucht, da viele Betriebe Nachwuchsprobleme berichten.

Voraussetzungen

Empfohlen wird mindestens ein mittlerer Bildungsabschluss (Realschulabschluss), da Weinanalytik und -technologie solide Kenntnisse in Chemie, Biologie und Mathematik voraussetzen. Wer Abitur mitbringt, kann anschließend leichter ein önologisches Studium aufnehmen. Wichtige Schulfächer sind Chemie, Biologie, Mathematik und Physik. Persönlich sollte man handwerkliches Geschick, ein feines sensorisches Gespür für Gerüche und Geschmäcker, Sorgfalt bei der Dokumentation hygienischer Prozesse sowie körperliche Belastbarkeit für schwere Keller- und Erntearbeit mitbringen.

Was lernst du in der Ausbildung?

Im 1. Lehrjahr erwerben Auszubildende Grundlagen der Weinbereitung: Botanik und Physiologie der Weinrebe, Bodenkunde, Traubenverarbeitung, Mostvorklärung und Einleitung der alkoholischen Gärung. Grundlagen der Mikrobiologie (Hefen, Milchsäurebakterien), Betriebshygiene sowie der Umgang mit Grundchemikalien und Kellerhilfsstoffen stehen ebenso auf dem Lehrplan wie Sicherheitsvorschriften im Umgang mit CO₂ und SO₂. Im 2. und 3. Lehrjahr vertiefen Azubis Themen wie malolaktische Gärung, Ausbau in Holzfässern, Schönung, Stabilisierung, Filtration und Abfülltechnik. Hinzu kommen Weinanalytik, Sensorikschulungen (Blindverkostung), Qualitätsmanagementsysteme und weinrechtliche Grundlagen (EU-Weinrecht, Herkunftsbezeichnungen). Im Vergleich zur Ausbildung zum Winzer liegt der Schwerpunkt klar auf technologischen Kellerprozessen statt auf dem Weinbau im Weinberg.

Weinbereitung und KellerwirtschaftWeinanalytik und MikrobiologieWeinrecht und VermarktungSensorik und QualitätslehreWirtschafts- und Sozialkunde

IHK-Prüfung & Abschluss

Die Zwischenprüfung findet im zweiten Ausbildungsjahr (circa Mitte des 2. Lehrjahres, meist Frühjahr) statt. Sie umfasst einen schriftlichen Teil mit 120 Minuten zu Traubenverarbeitung, Gärführung, Kellerhygiene und Betriebssicherheit sowie eine praktische Aufgabe (ca. 90 Minuten) zur Probenahme, Weinanalyse und Gerätebedienung. Die Abschlussprüfung (Teil 2) findet am Ende des 3. Lehrjahres statt. Sie besteht aus vier Prüfungsbereichen: 1. Praktische Weinbereitung und Kellerwirtschaft (Arbeitsaufgabe, ca. 7 Stunden, 40 % Gewichtung), 2. Weinanalytik und Qualitätssicherung (schriftlich, 120 Min., 20 %), 3. Weinrecht, Betriebs- und Lagerwirtschaft (schriftlich, 60 Min., 20 %), 4. Wirtschafts- und Sozialkunde (schriftlich, 60 Min., 10 %). Die Arbeitsaufgabe beinhaltet ein abschließendes Fachgespräch von ca. 15 Minuten (10 %). Zum Bestehen muss im Gesamtergebnis sowie in der Arbeitsaufgabe jeweils mindestens 50 Punkte von 100 erreicht werden.

Prüfungsthemen

  • Traubenverarbeitung und Mostbehandlung
  • Gärführung und Kellerwirtschaft
  • Weinanalytik (Säure, Alkohol, Schwefel, Zucker)
  • Schönung, Filtration und Stabilisierung
  • Weinrecht und Herkunftsbezeichnungen
  • Qualitätssicherung und Sensorik
  • Betriebswirtschaft und Lagerwirtschaft

Karriere nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung können Weintechnologen den Techniker-Abschluss im Bereich Weinbau und Önologie anstreben (z. B. Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt Weinsberg oder Neustadt). Der Meistertitel als Weinküfer (HwO) eröffnet eine selbstständige Betriebsführung. Einschlägige Bachelor-Studiengänge sind Weinbau und Oenologie (Hochschule Geisenheim), Getränketechnologie oder Lebensmitteltechnologie. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Kellermeister, technischer Betriebsleiter oder Qualitätsmanager in Weingütern und Sektkellereien realistisch. Gehalt im Einstieg: ca. 2.200–2.700 € brutto, als Kellermeister 3.200–4.500 € brutto monatlich. Spezialisierungen in Schaumweinbereitung, Destillation (Trester, Weinbrand) oder Exportmanagement sind möglich.

Bewerbungstipps

Bewerbungen sollten 12–18 Monate vor Ausbildungsbeginn (September) eingereicht werden, da viele Weingüter Ausbildungsplätze früh vergeben – idealer Bewerbungszeitraum ist September bis Dezember des Vorjahres. Die Bewerbungsmappe sollte Anschreiben, Lebenslauf, Schulzeugnisse und ggf. Nachweise über Praktika in Weinbaubetrieben oder Weinkellern enthalten. Im Vorstellungsgespräch fragen Ausbilder nach Weinkenntnissen, Motivation und Erfahrungen bei der Weinlese. Einige Betriebe und Weingüter verlangen einen einfachen Eignungstest (Grundrechenarten, Grundkenntnisse Chemie/Biologie). Besonders überzeugend sind Bewerber mit absolviertem Weinlesepraktikum, nachgewiesenem Interesse an Lebensmitteltechnologie sowie einer ausgeprägten Bereitschaft zur körperlichen Arbeit auch an Wochenenden während der Lese.

Ratgeber

Der Weintechnologe ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf nach BBiG. Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Betrieb und Lehrjahr zwischen 620 und 900 Euro monatlich. Nach der Ausbildung verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich ab 2.300 Euro brutto monatlich.

Häufige Fragen

Gibt es Spezialisierungen oder Fachrichtungen in der Ausbildung zum Weintechnologen?
Die Ausbildung zum Weintechnologen ist als eigenständiger Beruf ohne formale Fachrichtungen strukturiert. Dennoch können sich Betriebe inhaltlich unterscheiden, etwa durch Schwerpunkte auf Sekt- und Schaumweinherstellung, biologischen Weinbau oder die Verarbeitung anderer vergorener Getränke wie Obstwein. In der Praxis prägen die Art des Weinguts und die regionalen Weinbaustile den individuellen Ausbildungsschwerpunkt.
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Weintechnologen benötigt?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis stellen viele Ausbildungsbetriebe Bewerber mit Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss ein. Naturwissenschaftliche Grundkenntnisse aus Chemie und Biologie sowie handwerkliches Geschick sind von Vorteil.
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern können Weintechnologen arbeiten?
Weintechnologen arbeiten in erster Linie in Weingütern, Winzergenossenschaften und Sektkellereien. Weitere Arbeitgeber sind Fruchtsaft- und Obstweinhersteller sowie Laboratorien, die Qualitätskontrollen für die Getränkeindustrie durchführen. Auch Forschungsinstitute und staatliche Weinbauämter beschäftigen gelegentlich ausgebildete Weintechnologen.
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zum Weintechnologen?
Nach der Ausbildung ist eine Weiterbildung zum Weinküfer-Meister oder zum Weinbautechniker möglich. An Fachhochschulen und Universitäten, etwa in Geisenheim oder Neustadt an der Weinstraße, kann ein Studium der Önologie oder des Weinbaus aufgenommen werden, teilweise ist dies auch ohne Abitur über eine Eignungsprüfung möglich. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, sich zum Sommelièr weiterzuqualifizieren.

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