Thermometermacher
Thermometermacher/-innen stellen nach BBiG Thermometer und verwandte Messgeräte aus Glas her, formen Glasröhren, füllen Messstoffe ein und kalibrieren die fertigen Instrumente. Der Beruf verbindet präzises Glasverarbeitungshandwerk mit messtechnischem Fachwissen. Er eignet sich für handwerklich geschickte Menschen mit Interesse an Physik, Chemie und feinmechanischer Präzisionsarbeit.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
480–750 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.400 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Thermometermacher?
Der Arbeitstag beginnt in der Werkstatt mit der Sichtprüfung und Vorbereitung der Glasrohlinge sowie der Arbeitsmittel. Morgens werden Glasröhren aus Borosilikat- oder Natronglas mithilfe von Gasbrennern (Knallgasbrenner, Bunsenbrenner) und Glasdrehbänken auf die erforderlichen Durchmesser und Wandstärken gezogen, gebogen und zu Thermometerkorpussen geformt. Kapillaren werden mit speziellen Ziehapparaten auf exakte Bohrungsweiten kalibriert. Nachmittags werden die vorgefertigten Glasteile mit Messstoffen wie Quecksilber, Ethanol oder Petroleum gefüllt und vakuumtechnisch versiegelt. Anschließend erfolgt die Graduierung: Die Thermometer werden in Eisbädern (0 °C) und Dampfbädern (100 °C) justiert und mit Skaliermaschinen oder per Hand beschriftet. Qualitätskontrollen mit Prüfthermometern und Referenzmessbädern stellen die messtechnische Genauigkeit sicher. Man arbeitet eng mit Glasinstrumentenmachern, Messtechnikern und Qualitätsprüfern zusammen.
Wo arbeitest du?
Thermometermacher arbeiten überwiegend in kleinen und mittelständischen Spezialbetrieben der feinmechanisch-optischen und glasverarbeitenden Industrie, zum Beispiel bei Herstellern wie SIKA, Amarell oder Ludwig Schneider in der Medizin- und Labortechnikbranche. Weitere Arbeitgeber sind Eich- und Kalibrierlabore sowie Unternehmen der chemischen Messtechnik. Fachkräftemangel ist in diesem Nischensegment stark ausgeprägt, da der Ausbildungsberuf bundesweit nur noch sehr wenige Ausbildungsplätze aufweist.
Voraussetzungen
Ein guter Hauptschulabschluss reicht formal, idealerweise sollte es ein Realschulabschluss sein, da Messtechnik, Physik und Mathematik - etwa bei der Berechnung von Ausdehnungskoeffizienten und Skalenteilung - solide Grundkenntnisse erfordern. Physik, Mathematik und Chemie sind entsprechend die wichtigen Schulfächer. Weil das Ziehen von Glaskapillaren höchste Handgeschicklichkeit verlangt, sollten Bewerber ausgeprägte Fingerfertigkeit und Präzision mitbringen. Konzentrationsfähigkeit, Geduld, ein gutes Auge für feine Maßunterschiede sowie Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Gefahrstoffen wie Quecksilber sind unerlässlich.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen der Glasbearbeitung im Vordergrund: Eigenschaften verschiedener Glassorten (Borosilikat, Natronglas, Quarzglas), sicherer Umgang mit Gasbrennern, einfaches Biegen, Schneiden und Verbinden von Glasröhren sowie Grundlagen der Arbeitssicherheit im Umgang mit Gefahrstoffen wie Quecksilber. Ferner werden physikalische Grundlagen der Temperaturmessung und Messtechnik vermittelt. Im zweiten Lehrjahr folgt die Vertiefung: Herstellen von Kapillaren, Einschmelzen von Messkörpern, Füll- und Vakuumiertechniken sowie einfache Graduierungsverfahren. Im dritten Lehrjahr spezialisieren sich die Auszubildenden auf komplexe Thermometertypen (Fieberthermometer, Präzisionsthermometer, Stabthermometer), Eichvorschriften nach gesetzlichen Vorgaben, Qualitätsmanagement und betriebliche Kostenrechnung. Im Vergleich zu Glasapparatebauern liegt der Schwerpunkt klar auf Messtechnik und Kalibrierung statt auf Laborgerätebau.
IHK-Prüfung & Abschluss
Die Zwischenprüfung findet gegen Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt, etwa im 18. Monat: schriftlich 120 Minuten zu Glasbearbeitungstechniken, Messtechnik und Arbeitssicherheit sowie eine 90-minütige praktische Aufgabe, bei der eine einfache Glaskomponente hergestellt und geprüft wird. Die Abschlussprüfung (Teil 2) am Ende des dritten Ausbildungsjahres gliedert sich in die praktische Arbeitsaufgabe - Herstellung und Graduierung eines Thermometers in etwa sieben Stunden (35 Prozent) -, ein rund 15-minütiges Fachgespräch (15 Prozent), Technologie und Messtechnik schriftlich (120 Minuten, 25 Prozent), Technische Mathematik und Physik schriftlich (60 Minuten, 15 Prozent) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde schriftlich (60 Minuten, 10 Prozent). Zum Bestehen müssen im Gesamtergebnis sowie in der praktischen Aufgabe jeweils mindestens 50 von 100 Punkten erreicht werden; ein einzelner schriftlicher Bereich darf nicht unter 30 Punkte fallen.
Prüfungsthemen
- Glasbearbeitungstechniken (Biegen, Ziehen, Schweißen von Glasröhren)
- Kapillarherstellung und Bohrungsmessung
- Füll- und Vakuumiertechniken für Messstoffe
- Temperaturmesstechnik und Kalibrierverfahren
- Graduierung und Skalierung von Thermometern
- Eichvorschriften und gesetzliche Messtechnikvorgaben
- Arbeitssicherheit und Gefahrstoffhandhabung (Quecksilber, Lösemittel)
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung bieten sich Weiterbildungen zum Industriemeister Glas/Keramik (IHK) oder zum Techniker Fachrichtung Glastechnik an. Wer den akademischen Weg anstrebt, kann ein Studium Glastechnologie, Werkstoffwissenschaften oder Messtechnik/Physikalische Technik (B.Eng./B.Sc.) an Fachhochschulen wie der Hochschule Coburg aufnehmen. Nach 5–10 Jahren Berufserfahrung sind Positionen als Werkstattleiter/-in, Qualitätsmanagementbeauftragte/-r oder Produktionsgruppenleiter/-in realistisch. Spezialisierungen bestehen in der Präzisionsmesstechnik, der Eich- und Kalibriertechnik (PTB-Anforderungen) oder in der Entwicklung von Spezialglas-Messinstrumenten. Das Einstiegsgehalt steigt mit Meisterabschluss auf 3.200–4.000 EUR brutto monatlich.
Bewerbungstipps
Da es bundesweit nur wenige Ausbildungsbetriebe gibt, sollte man sich zwölf bis achtzehn Monate vor dem Start im August oder September bewerben - frühzeitige Kontaktaufnahme ist entscheidend. Lebenslauf, ein Anschreiben mit Bezug auf handwerkliche Hobbys wie Modellbau oder Töpfern, aktuelle Zeugnisse sowie mögliche Praktikumsnachweise aus einem glasverarbeitenden Betrieb gehören in die Mappe. Im Vorstellungsgespräch werden häufig Fingerfertigkeit und räumliches Vorstellungsvermögen thematisiert; manche Betriebe führen einen praktischen Handgeschicklichkeitstest durch. Kenntnisse in Physik zur Wärmeausdehnung und in Chemie zu Gefahrstoffen sowie ein nachgewiesenes Interesse an Präzisionshandwerk überzeugen Ausbilder besonders.
Ratgeber
Im Mittelpunkt der Tätigkeit als Thermometermacher steht die Verarbeitung von Glasröhren zu Messinstrumenten: Kapillaren werden gezogen und kalibriert, mit Messstoffen befüllt, versiegelt und anschließend in Eis- und Dampfbädern justiert und graduiert. Prüfthermometer sichern die messtechnische Genauigkeit. Die dreijährige BBiG-Ausbildung wird mit 480 bis 750 Euro vergütet, der Einstieg danach liegt bei etwa 2.400 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Thermometermacher in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Thermometermacher?
Gibt es Spezialisierungen oder Fachrichtungen im Beruf des Thermometermachers?
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Thermometermacher benötigt?
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern arbeiten Thermometermacher?
Welche Weiterbildungs- oder Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zum Thermometermacher?
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