Schirmmacher
Schirmmacher ist ein handwerklicher Nischenberuf, der die Herstellung und Reparatur von Regen- und Sonnenschirmen sowie Schirmgestellen umfasst. Fachkräfte verbinden traditionelles Handwerk mit modernem Materialwissen aus Textil, Metall und Kunststoff. Der Beruf eignet sich für Menschen mit Fingerspitzengefühl, technischem Interesse an Konstruktion und Freude an kleinteiliger Präzisionsarbeit.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
450–650 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 1.900 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Schirmmacher?
Schirmmacher arbeiten überwiegend in kleinen Werkstätten, die gleichzeitig als Verkaufs- und Reparaturbetrieb fungieren. Morgens werden eingehende Reparaturaufträge gesichtet und bewertet: Gestelle aus Stahl, Aluminium oder Glasfaser werden auf verbogene Spreizen, defekte Schieber oder gerissene Strecker geprüft. Mit Zangen, Drahtzieher, Nähmaschinen und Lötkolben werden beschädigte Metallteile gerichtet, ausgetauscht oder neu verlötet. Schirmtücher aus Polyester, Nylon oder Baumwolle werden zugeschnitten, mit Spezialnadeln am Gestell befestigt und die Bahnen flach auf der Nähmaschine zusammengenäht. Nachmittags werden Neufertigung und Materialbestellung bearbeitet: Holzgriffe werden gedrechselt oder geschliffen, Lederriemen angenäht und Schirmkappen aus Messing oder Kunststoff montiert. Kunden werden beraten, Maßanfertigungen nach Kundenwunsch geplant und Sondergestelle für Terrassenschirme oder Werbeschirme konfiguriert. Eng zusammengearbeitet wird mit Zulieferern für Schirmtuch und Gestellteile sowie mit Textilreinigungen.
Wo arbeitest du?
Schirmmacher arbeiten fast ausschließlich in kleinen, inhabergeführten Handwerksbetrieben, die Schirme verkaufen, reparieren und teilweise selbst fertigen. Solche Betriebe existieren vorwiegend in Großstädten wie Hamburg, München, Berlin oder Köln. Daneben gibt es Anstellungsmöglichkeiten bei Schirmherstellern wie Knirps (Bremshey GmbH) oder bei Ateliers für Maßanfertigungen. Fachkräftemangel ist ausgeprägt: Bundesweit gibt es nur noch wenige Ausbildungsbetriebe und eine sehr kleine Zahl an Auszubildenden, was die Jobchancen für qualifizierte Schirmmacher sehr gut macht.
Voraussetzungen
Ein Hauptschulabschluss reicht formal, viele Betriebe bevorzugen jedoch Realschulabsolventen. Mathematik für Maß- und Flächenberechnungen, Werken oder Technik sowie Physik für Hebelkräfte und Materialbelastung sind die passenden Schulfächer. Fingerfertigkeit und Feinmotorik sind entscheidend, ebenso Geduld bei kleinteiligen Reparaturen und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Da es sich um einen Kundenkontaktberuf mit Beratungstätigkeit handelt, sind Kommunikationsfreude und ein gepflegtes Auftreten wichtig; Interesse an Textilien, Metallverarbeitung und historischem Handwerk ist ein klarer Vorteil.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr erlernen Auszubildende die Grundlagen der Werkstoffkunde für Textilien (Webarten, Appretur, Imprägniermittel), Metalle (Stahl, Aluminium, Messing) und Kunststoffe sowie grundlegende handwerkliche Techniken wie Nähen, Löten und Feilen. Arbeitssicherheit, Umgang mit Werkzeug und die Grundkonstruktion eines Schirmgestells stehen im Mittelpunkt. Im zweiten Lehrjahr vertiefen Auszubildende die Schirmkonstruktion, lernen Maßfertigung, Schnitttechnik für verschiedene Schirmformen (Stockschirm, Taschenschirm, Sonnenschirm) und die Kalkulation von Reparaturpreisen. Im dritten Lehrjahr folgen Spezialisierungen auf Großschirme wie Strand- und Terrassenschirme, Werbeschirme sowie komplexe Reparaturen historischer oder hochwertiger Modelle. Im Unterschied zu Sattlern oder Raumausstattern liegt der Fokus ausschließlich auf der Schirmkonstruktion als mechanisch-textiles Gesamtsystem.
IHK-Prüfung & Abschluss
Mitte des zweiten Lehrjahres findet die Zwischenprüfung statt: schriftlich in 120 Minuten zu Werkstoffkunde, Gestell- und Tuchkunde sowie einfachen Berechnungen, praktisch in 90 Minuten, wobei ein Gestellteil instandgesetzt oder ein Tuchzuschnitt angefertigt wird. Die Abschlussprüfung am Ende des dritten Lehrjahres besteht aus einem praktischen Teil von etwa sechs Stunden, in dem ein Schirm vollständig hergestellt oder umfangreich repariert wird und der mit 50 Prozent gewichtet ist. Der schriftliche Teil gliedert sich in drei Bereiche: Schirmherstellung und -reparatur mit 120 Minuten und 30 Prozent, Werkstoff- und Maschinenkunde mit 60 Minuten und 10 Prozent sowie Wirtschafts- und Sozialkunde mit ebenfalls 60 Minuten und 10 Prozent. Alle Bereiche müssen mit mindestens ausreichend, also 50 Punkten, bewertet werden; ein abschließendes Fachgespräch von 15 Minuten ergänzt die Bewertung der praktischen Arbeit.
Prüfungsthemen
- Gestell- und Schirmkonstruktion (Spreizen, Schieber, Strecker, Kappen)
- Schirmtuchkunde und Zuschnitttechnik (Polyester, Nylon, Baumwolle)
- Metallbearbeitung und Lötverbindungen an Schirmgestellen
- Reparatur und Instandhaltung von Stock-, Taschen- und Sonnenschirmen
- Kalkulation, Angebotserstellung und Kundenberatung
- Werkzeug- und Maschinenkunde (Nähmaschine, Zangen, Lötkolben)
- Wirtschafts- und Sozialkunde
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung ist die Spezialisierung auf hochwertige Maßschirme, Reparatur antiker Schirme oder die Herstellung von Werbeschirmen möglich. Als Weiterbildung bietet sich der Handwerksmeister im Bereich Feinwerktechnik oder ein verwandtes Handwerk an, da ein eigenständiger Schirmmachermeister sehr selten ist. Alternativ eröffnet eine Weiterbildung zum Betriebswirt des Handwerks (HwO) unternehmerische Perspektiven. Wer einen eigenen Betrieb führen möchte, kann sich als selbstständiger Schirmmacher etablieren. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Werkstattleiter, Ausbilder oder Inhaber eines spezialisierten Ateliers realistisch. Das Gehalt steigt mit Betriebszugehörigkeit und Spezialisierung auf 2.200–2.800 EUR brutto monatlich.
Bewerbungstipps
Da bundesweit nur sehr wenige Ausbildungsplätze angeboten werden, sollten sich Bewerber mindestens 12 Monate vorher, also bereits im Herbst des Vorjahres, melden. Ein handgeschriebenes oder individuell gestaltetes Anschreiben, ein tabellarischer Lebenslauf und Schulzeugnisse bilden die Mappe. Im Vorstellungsgespräch werden häufig Fragen zum Interesse an Handwerk und Nähen sowie zu Erfahrungen mit Reparaturen oder handwerklichen Hobbys gestellt; ein praktischer Eignungstest mit geraden Nähten, Feilen oder einfachem Löten kann vorkommen. Wer eigene Näh- oder Reparaturerfahrung vorweisen kann, schon einmal selbst einen Schirm zerlegt hat oder besonderes Interesse an traditionellen Handwerkstechniken zeigt, überzeugt Ausbilder; ein kurzes Praktikum im Betrieb ist sehr empfehlenswert.
Ratgeber
Wer als Schirmmacher arbeitet, repariert verbogene Gestelle und gerissene Bespannungen, schneidet Schirmtücher aus Polyester oder Baumwolle zu und näht sie am Gestell fest, dazu kommen Neuanfertigungen nach Kundenwunsch. Die dreijährige BBiG-Ausbildung wird mit 450 bis 650 Euro vergütet, der Einstieg liegt bei rund 1.900 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Schirmmacher in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Schirmmacher?
Gibt es beim Schirmmacher verschiedene Spezialisierungen?
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Schirmmacher?
Bei welchen Arbeitgebern und in welchen Branchen arbeiten Schirmmacher?
Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung zum Schirmmacher?
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