Orgelbauer
Orgelbauer konstruieren, bauen und restaurieren Orgeln – eines der komplexesten Musikinstrumente überhaupt. Der Beruf verbindet Holzhandwerk, Metallverarbeitung, Akustik und Musikverständnis auf einzigartige Weise. Er eignet sich für Menschen mit handwerklichem Geschick, Präzisionsliebe und einer Affinität zur Musik, die an langfristigen, anspruchsvollen Projekten arbeiten möchten.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
400–700 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.200 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Orgelbauer?
Der Arbeitsalltag eines Orgelbauers findet hauptsächlich in der Werkstatt des Betriebs sowie bei Montage- und Restaurierungsarbeiten vor Ort in Kirchen, Konzertsälen oder Kapellen statt. Morgens werden in der Werkstatt Holzpfeifen aus Holzarten wie Eiche, Kiefer oder Fichte zugeschnitten, gehobelt und geleimt – mit Hobel, Stemmeisen, Bandsäge und Friese. Metallpfeifen aus Zinn-Blei-Legierungen werden nach Maß gegossen, gewalzt und gelötet. Nachmittags erfolgt häufig die Montage von Windladen, Trakturen und Registermechaniken oder die Intonation: Einzelne Pfeifen werden in Klang und Ansprache mit Intoniernadeln und Stimmhörnern präzise eingestellt. Bei Restaurierungsprojekten werden historische Pfeifenwerke gereinigt, Bälge aus Leder erneuert und Holzverbindungen konsolidiert. Regelmäßige Absprachen erfolgen mit Orgelbaumeistern, Orgelkantoren und Kirchenvertretern. Typische Aufgaben sind das Fertigen einer kompletten Zinnpfeife sowie das Stimmen eines Registers nach temperierter oder historischer Stimmung.
Wo arbeitest du?
Orgelbauer arbeiten fast ausschließlich in kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben mit 3–30 Mitarbeitern, da es sich um ein traditionelles Handwerk mit rund 60–80 aktiven Betrieben in Deutschland handelt. Bekannte Betriebe sind etwa Klais (Bonn), Rieger (Deutschland/Österreich), Schuke (Berlin) oder Seifert (Kevelaer). Auftraggeber sind Kirchengemeinden, Konzerthäuser, Museen und Privatpersonen. Es besteht ein deutlicher Fachkräftemangel, da jährlich nur etwa 30–50 Auszubildende bundesweit ausgebildet werden.
Voraussetzungen
Für die Orgelbauausbildung wird mindestens ein Realschulabschluss empfohlen, weil fundierte Kenntnisse in Mathematik für Maßberechnung, Mensuren und Intervallverhältnisse sowie in Physik für Akustik und Schwingungslehre gefordert sind. Mathematik, Physik, Musik und Werken oder Technik zählen zu den wichtigen Schulfächern. Feinmotorik, räumliches Vorstellungsvermögen und Geduld bei langwierigen Projekten sind für den Orgelbau entscheidend, ebenso ein ausgeprägtes Gehör für feinste Klangqualitäten. Interesse an Musikgeschichte und Denkmalpflege ist ein deutlicher Vorteil, und da Montagen oft vor Ort in Kirchen stattfinden, sind Teamfähigkeit und Zuverlässigkeit ebenfalls wichtig.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr stehen grundlegende Holz- und Metallbearbeitungstechniken im Mittelpunkt: Sägen, Hobeln, Leimen, Löten sowie das Mischen und Gießen von Pfeifenmetall (Zinn-Blei-Legierungen). Außerdem werden Grundlagen der Akustik, Musiktheorie und Orgelkunde vermittelt. Im zweiten Lehrjahr vertiefen Auszubildende die Pfeifenherstellung (Labial- und Lingualpfeifen), den Bau von Windladen und Balgwerken sowie Grundlagen der Mechanik und Pneumatik. Im dritten Lehrjahr folgen Spezialisierungen in Intonation, Stimmung, elektrischer Steuerungstechnik moderner Orgeln sowie Restaurierung historischer Instrumente. Die Ausbildung unterscheidet sich von verwandten Berufen wie Tischler oder Feinwerkmechaniker durch die enge Verbindung von handwerklicher Arbeit mit Musikwissenschaft, Denkmalpflege und individueller Klanggestaltung.
IHK-Prüfung & Abschluss
Die Zwischenprüfung, Teil 1, findet Mitte des zweiten Lehrjahres statt: praktische Grundfertigkeiten in Holz- und Metallbearbeitung werden in etwa vier Stunden geprüft, ergänzt durch eine schriftliche Prüfung zu Werkstoffkunde und Grundlagen der Orgelkunde von rund 90 Minuten. Teil 2 folgt am Ende des dritten Lehrjahres. Die praktische Arbeitsaufgabe, etwa das vollständige Anfertigen einer Pfeife oder Windlade, dauert rund acht Stunden und wird durch ein 15-minütiges Fachgespräch ergänzt; zusammen zählt dieser Teil 50 Prozent. Schriftlich werden Orgelkunde und Intonation mit rund 120 Minuten und 30 Prozent, Werkstofftechnik und Konstruktion mit 60 Minuten und 10 Prozent sowie Wirtschafts- und Sozialkunde mit ebenfalls 60 Minuten und 10 Prozent geprüft. In allen Bereichen sind mindestens 50 von 100 Punkten nötig; bei Unterschreiten in einem Bereich ist eine mündliche Ergänzungsprüfung von etwa 15 Minuten möglich.
Prüfungsthemen
- Pfeifenherstellung (Labial- und Lingualpfeifen aus Metall und Holz)
- Windladen- und Balgwerksbau
- Intonation und Stimmung (temperierte und historische Stimmungen)
- Traktur- und Registermechanik
- Orgelkunde und Musikgeschichte
- Restaurierung historischer Orgeln
- Werkstoff- und Fertigungstechnik
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung ist die Weiterbildung zum Orgelbaumeister (HwK) der klassische Aufstiegsweg, der zur selbstständigen Betriebsführung und Ausbildereignung berechtigt. Alternativ bietet sich der staatlich geprüfte Techniker in der Fachrichtung Musikinstrumentenbau an. Für akademisch Interessierte gibt es Studiengänge wie Musikinstrumentenbau (Bachelor) an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig oder verwandte Studiengänge der Restaurierung und Konservierung. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Werkstattleiter, Projektleiter für Orgelrestaurierungen oder als selbstständiger Orgelbaumeister realistisch. Spezialisierungsrichtungen umfassen historische Restaurierung, Intonation und Stimmung sowie elektronische Orgeltechnik. Das Gehalt steigt mit der Meisterqualifikation auf ca. 2.800–3.800 EUR brutto monatlich.
Bewerbungstipps
Da viele Betriebe nur einen oder zwei Auszubildende aufnehmen, sollte man sich 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsstart, spätestens im Herbst des Vorjahres, bewerben. Ein Motivationsschreiben mit Bezug zu Musik und Handwerk, Lebenslauf, Schulzeugnisse und mögliche Nachweise über Musikkenntnisse oder Praktika gehören in die Mappe. Im Vorstellungsgespräch werden oft handwerkliche Grundkenntnisse, Musikinteresse und Fingerspitzengefühl thematisiert, manchmal ergänzt durch praktische Tests wie einfaches Holzbearbeiten oder Löten. Wer ein Instrument spielt oder bereits ein Praktikum in einem Orgelbaubetrieb absolviert hat, hebt sich deutlich von anderen Bewerbern ab; Eigeninitiative und die Bereitschaft zu Reisetätigkeiten bei Montagen überzeugen Ausbilder besonders.
Ratgeber
Orgelbauerinnen und Orgelbauer fertigen Holz- und Metallpfeifen, montieren Windladen und Trakturen und intonieren jede einzelne Pfeife in Klang und Ansprache – oft direkt in Kirchen und Konzertsälen. Die dreijährige BBiG-Ausbildung wird mit 400 bis 700 Euro vergütet, der Einstieg liegt bei etwa 2.200 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Orgelbauer in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Orgelbauer?
Gibt es Fachrichtungen oder Spezialisierungen im Orgelbau?
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung zum Orgelbauer benötigt?
Bei welchen Arbeitgebern und in welchen Branchen arbeiten Orgelbauer?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
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