Manufakturporzellanmaler
Manufakturporzellanmaler gestalten und verzieren Porzellanwaren von Hand mit traditionellen und modernen Maltechniken. Sie arbeiten in Porzellanmanufakturen und verbinden kunsthandwerkliches Geschick mit tiefem Wissen über Glasuren, Pigmente und Brennprozesse. Der Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem Feingefühl, Geduld und einem starken Interesse an bildender Kunst sowie historischen Dekortraditionen.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
450–700 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 1.900 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Manufakturporzellanmaler?
Manufakturporzellanmaler arbeiten in Manufakturwerkstätten an Arbeitstischen mit Tageslichtbeleuchtung, häufig unter der Lupe oder mit Vergrößerungsgläsern. Der Arbeitsalltag beginnt morgens mit der Vorbereitung der Farben: Porzellanfarben (Aufglasur- und Unterglasurfarben) werden auf Glasplatten mit Porzellanöl oder Lavendelöl zu streichfähiger Konsistenz angerieben. Anschließend werden Motive – etwa kobaltblaue Zwiebelmuster, florale Empiredekore oder Goldornamentikmotive – mit Haarpinseln (Größen 000 bis 4) auf Tassen, Vasen oder Teller aufgetragen. Nachmittags werden bemalte Stücke auf Malfehler kontrolliert, korrigiert und für den Muffelofenbrand bei 750–900 °C vorbereitet. Nach dem Brand werden Vergoldungen aufpoliert und Feindetails ausgearbeitet. Enge Zusammenarbeit besteht mit Modelleuren, Glasierern und Qualitätsprüfern. Eine typische Aufgabe ist das exakte Freihandmalen von Streublumendekoren auf Kaffeeserviceteile nach historischen Vorlagen.
Wo arbeitest du?
Hauptarbeitgeber sind klassische Porzellanmanufakturen wie Meissen Porzellan, KPM Berlin, Rosenthal, Fürstenberg oder Nymphenburg. Daneben bieten Museen mit Restaurierungsabteilungen, spezialisierte Kunsthandwerksbetriebe und Auktionshäuser Stellen an. Es handelt sich um einen Nischenberuf mit sehr wenigen Ausbildungsplätzen bundesweit. Fachkräftemangel besteht in Spezialmanufakturen, da das traditionelle Wissen nur durch langjährige Berufserfahrung erworben wird.
Voraussetzungen
Ein mittlerer Schulabschluss wird empfohlen, doch auch Hauptschulabsolventen mit einem sehr guten Kunstzeugnis werden von Manufakturen berücksichtigt. Entscheidend sind ruhige Hände und ein hohes Konzentrationsvermögen, denn mehrstündige Feinarbeit gehört zum Alltag. Farb- und Formwahrnehmung, zeichnerisches Talent sowie Interesse an Kunstgeschichte und Designtraditionen sind wichtige persönliche Voraussetzungen - Farbnormalsichtigkeit ist dabei zwingend erforderlich.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr erlernen Auszubildende die Grundlagen der Porzellanmalerei: Farbenlehre, Umgang mit Pinseltypen, Mischung von Aufglasurfarben sowie einfache geometrische und florale Muster. Grundkenntnisse in der Brenntechnik (Muffelofen) und der Materialkunde (Weich- und Hartporzellan, Glasuren) werden vermittelt. Im zweiten Lehrjahr folgen komplexere Dekortraditionen wie das Kobaltblau-Unterglasurdekor, Goldmalerei mit Glanzgold und Mattiergold sowie das Einarbeiten in Manufakturstile (z. B. Meissener Blume, Zwiebelmuster). Im dritten Lehrjahr vertiefen Auszubildende freihändige Darstellungen von Figuren, Landschaften und Tiermotiven sowie Restaurierungstechniken. Diese Ausbildung unterscheidet sich von allgemeiner Keramikgestaltung durch den Fokus auf historische Reproduktion und handschriftliche Präzisionsmalerei statt freier Formgebung.
IHK-Prüfung & Abschluss
Die Zwischenprüfung findet am Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt: Im praktischen Teil (180 Minuten) wird ein vorgegebenes Dekor auf einen Porzellanrohling aufgetragen, der schriftliche Teil (90 Minuten) umfasst Aufgaben zu Farblehre, Werkstoffkunde und Brenntechnik. Die Abschlussprüfung, die Gesellenprüfung, gliedert sich in einen praktischen Teil von 420 Minuten, in dem eigenständig ein komplexes Dekor - etwa ein mehrteiliges Service mit Blumenmalerei und Vergoldung - gemalt wird (rund 60 Prozent), sowie einen insgesamt 180-minütigen schriftlichen Teil zu Gestaltungskunde, Technologie sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (rund 40 Prozent). Ein anschließendes 15-minütiges Fachgespräch ist Teil der praktischen Prüfung und bewertet die Planungsentscheidungen. Zum Bestehen sind in jedem Prüfungsbereich mindestens 50 von 100 Punkten erforderlich.
Prüfungsthemen
- Porzellanfarben und Glasuren – Zusammensetzung, Mischung und Anwendung
- Brenntechnik – Muffelofen, Brenntemperaturen, Brennkurven
- Historische Dekore und Stilkunde – Meissener Blume, Zwiebelmuster, Empire, Rokoko
- Goldmalerei – Glanzgold, Mattiergold, Poliergold
- Pinselführung und Freihandmalerei – florale und figürliche Motive
- Werkstoffkunde – Hartporzellan, Weichporzellan, Biskuit, Glasurarten
- Wirtschafts- und Sozialkunde
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung sind Weiterbildungen zum Keramikdesigner oder zum staatlich geprüften Gestalter an Fachschulen für Keramikdesign möglich (z. B. Staatliche Fachschule für Glas und Schmuck Kaufbeuren-Neugablonz). Der Meistertitel im Graveur- und Porzellanmaler-Handwerk (HwK) eröffnet die Möglichkeit zur Betriebsleitung und Ausbildereignung. Studiengänge wie Keramik- und Glasdesign (Bachelor of Arts) an der Hochschule Koblenz oder Design-Studiengänge bieten akademische Weiterentwicklung. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Abteilungsleiter Malerei, Chefmaler oder Restaurator in Museen und Auktionshäusern realistisch. Spezialisierungen auf historische Reproduktion, Restaurierung antiker Porzellane oder exklusive Sonderauftragsmalerei sind möglich.
Bewerbungstipps
Da Ausbildungsplätze sehr selten und begehrt sind, sollte die Bewerbung zwölf bis achtzehn Monate im Voraus verschickt werden. Zwingend gehört eine aussagekräftige Arbeitsmappe mit eigenen Zeichnungen, Aquarellen oder Malarbeiten dazu - das zählt bei diesem Beruf mehr als reine Schulnoten. Im Vorstellungsgespräch werden häufig kleine praktische Zeichentests verlangt, etwa das Nachzeichnen eines vorgegebenen Musters. Kenntnisse in Kunstgeschichte, besonders zur europäischen Porzellangeschichte, hinterlassen einen starken Eindruck. Betriebspraktika in Keramikwerkstätten oder Kunsthandwerksbetrieben sollten im Lebenslauf hervorgehoben werden - Ausbilder achten besonders auf Geduld, Präzision und echte Begeisterung für das Handwerk.
Ratgeber
Manufakturporzellanmaler arbeiten in Werkstätten unter der Lupe und bemalen Porzellan mit feinen Haarpinseln freihand – von kobaltblauen Zwiebelmustern bis zu Goldornamenten –, bevor die Stücke für den Muffelofenbrand bei 750 bis 900 °C vorbereitet werden. Die dreijährige BBiG-Ausbildung ist mit 450 bis 700 Euro eher niedrig vergütet, der Einstieg danach liegt bei etwa 1.900 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Manufakturporzellanmaler in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Manufakturporzellanmaler?
Gibt es Spezialisierungen oder Fachrichtungen beim Manufakturporzellanmaler?
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Manufakturporzellanmaler?
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern findet man als Manufakturporzellanmaler eine Stelle?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
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