Kaufmann für Groß- und Außenhandelsmanagement
Früher: Kaufmann im Groß- und Außenhandel
Kaufleute im Groß- und Außenhandel organisieren den Einkauf und Verkauf von Waren in großen Mengen zwischen Herstellern, Händlern und gewerblichen Abnehmern. Besonders ist die Kombination aus kaufmännischer Sachbearbeitung, Logistikkoordination und internationalem Handel. Der Beruf eignet sich für Menschen mit Organisationstalent, Freude an Verhandlungen und Interesse an Wirtschaft sowie globalen Warenströmen.
Ausbildungsdauer
3 Jahre
Azubi-Gehalt
620–1.000 €
pro Monat
Einstiegsgehalt
ab 2.700 €
nach der Ausbildung
Prüfung
IHK-Abschluss
Was machst du als Kaufmann für Groß- und Außenhandelsmanagement?
Morgens beginnt der Arbeitstag häufig mit der Bearbeitung von Auftragseingang und E-Mail-Korrespondenz mit Lieferanten und Kunden im ERP-System (z. B. SAP, Microsoft Dynamics). Angebote werden erstellt, Preise kalkuliert und Lieferbedingungen (Incoterms) geprüft. Im Einkauf werden Bestellungen ausgelöst, Lieferantenkonditionen verglichen und Verfügbarkeiten im Warenwirtschaftssystem überwacht. Nachmittags stehen Aufgaben wie die Bearbeitung von Lieferscheinen, Rechnungsprüfung und Reklamationsbearbeitung an. Im Außenhandel werden Zolldokumente wie Ursprungszeugnisse oder Ausfuhranmeldungen über das ATLAS-System der Zollverwaltung erstellt. Man arbeitet eng mit Kollegen aus Logistik, Buchhaltung und dem Vertriebsaußendienst zusammen sowie mit Speditionen und internationalen Geschäftspartnern. Beispielaufgaben: Kalkulation eines Angebots für 5.000 Einheiten eines Industrieprodukts unter Berücksichtigung von Rabatten, Frachkosten und Wechselkursen; Koordination einer Importlieferung aus Asien inklusive Akkreditivabwicklung und Zollabfertigung.
Wo arbeitest du?
Kaufleute im Groß- und Außenhandel arbeiten in Großhandelsunternehmen verschiedenster Branchen: Lebensmittelgroßhandel (z. B. METRO, Transgourmet), technischer Handel (Würth, Hoffmann Group), Pharmagroßhandel (PHOENIX Pharmahandel, Noweda), Chemiehandel sowie Außenhandelsunternehmen und Importeure. Auch Industrie- und Handelsunternehmen mit eigenen Handelssparten stellen aus. Der Beruf existiert sowohl in kleinen inhabergeführten Handelshäusern als auch in internationalen Konzernen. Es besteht ein deutlicher Fachkräftemangel, besonders in Kombination mit Außenhandels- und Zollkenntnissen.
Voraussetzungen
Wer eine Ausbildung im Groß- und Außenhandelsmanagement anstrebt, sollte mindestens einen mittleren Schulabschluss mitbringen, weil Buchführung, Kalkulation und Fremdsprachenkenntnisse gefragt sind. Mathematik ist wichtig für Prozent- und Zinsrechnung, Deutsch für die Korrespondenz, Englisch für die internationale Geschäftskommunikation. Freude an Zahlen und wirtschaftlichem Denken sollte ebenso vorhanden sein wie eine sorgfältige, strukturierte Arbeitsweise sowie Kommunikationsstärke und Verhandlungsgeschick. Da man täglich mit Kollegen aus verschiedenen Abteilungen sowie mit Lieferanten und Kunden zusammenarbeitet, zählt Teamfähigkeit genauso wie Interesse an internationalen Märkten und Warenströmen.
Was lernst du in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr werden kaufmännische Grundlagen vermittelt: Aufbau von Handelsunternehmen, Grundlagen der Buchführung mit Kontenrahmen (SKR03/SKR04), Wareneingang und -ausgang, einfache Angebotsbearbeitung sowie Grundlagen der Kommunikation mit Kunden und Lieferanten. Zusätzlich werden Grundkenntnisse im Warenumschlag und Lagerhaltung erarbeitet. Im zweiten Lehrjahr vertieft sich die Ausbildung in Einkauf und Disposition, Kalkulation und Preisfindung, Zahlungsverkehr (Lastschrift, Überweisung, Wechsel, Akkreditiv) sowie Grundlagen des Außenhandels mit Zollrecht und Incoterms. Im dritten Lehrjahr folgt die Spezialisierung je nach Fachrichtung: Großhandel (Lageroptimierung, Sortimentspolitik, Jahresabschlussarbeiten) oder Außenhandel (Exportfinanzierung, internationale Vertragsrecht, Währungsrisiken). Im Unterschied zum Kaufmann im Einzelhandel liegt der Fokus nicht auf Endverbraucher-Beratung, sondern auf B2B-Geschäften und Handelslogistik in großen Mengen.
IHK-Prüfung & Abschluss
Im zweiten Lehrjahr, meist im Frühjahr nach etwa 18 Monaten, wird die Zwischenprüfung geschrieben: 90 Minuten schriftlich zu kaufmännischen Grundlagen, Warenwirtschaft und einfachen Geschäftsprozessen. Die Abschlussprüfung Teil 2 im gestreckten Verfahren umfasst vier schriftliche Bereiche: Kaufmännische Steuerung und Kontrolle (90 Minuten, 25 Prozent), Einkauf und Logistik (90 Minuten, 25 Prozent), Vertrieb und Export/Import (90 Minuten, 25 Prozent) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten, 25 Prozent). Ergänzt wird die Prüfung durch ein mündliches Fachgespräch von rund 15 bis 20 Minuten, das auf einer selbst erstellten Gesprächsvorbereitung zu einem betrieblichen Auftrag basiert und die Handlungskompetenz in einem konkreten Geschäftsprozess zeigt. Bestanden ist jeder Prüfungsbereich mit mindestens 30 von 100 Punkten, was der Note ausreichend entspricht, ein Ergebnis unter 30 Punkten ist in keinem Bereich zulässig.
Prüfungsthemen
- Einkauf und Disposition (Angebotsvergleich, Bestellwesen, Lieferantenmanagement)
- Logistik und Lagerwirtschaft (Lagerorganisation, Kommissionierung, Transportkosten)
- Vertrieb und Marketing (Kalkulation, Verkaufsförderung, Kundenkommunikation)
- Außenhandel und Exportgeschäft (Incoterms, Zollrecht, Zahlungssicherung per Akkreditiv)
- Kaufmännische Steuerung und Kontrolle (Buchführung, Kosten- und Leistungsrechnung, Inventur)
- Wirtschafts- und Sozialkunde (Arbeitsrecht, Sozialversicherung, wirtschaftliche Zusammenhänge)
Karriere nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung sind Weiterbildungen zum Fachwirt für Groß- und Außenhandelsmanagement (IHK) möglich, die in etwa 12–18 Monaten Teilzeit absolviert werden. Darüber hinaus bieten sich der Handelsfachwirt (IHK), der Betriebswirt (IHK) oder der geprüfte Fachkaufmann für Außenwirtschaft an. Mit Abitur oder Fachabitur ist ein Studium in Betriebswirtschaftslehre, International Business oder Logistikmanagement möglich. Nach 5–10 Jahren sind Positionen als Abteilungsleiter Einkauf, Vertriebsleiter, Export Manager oder Niederlassungsleiter realistisch. Das Gehalt steigt von ca. 2.500–3.000 EUR brutto beim Einstieg auf 4.000–6.000 EUR in Führungspositionen. Spezialisierungen im Zollrecht, E-Commerce-Handel oder Supply-Chain-Management sind besonders gefragt.
Aufstiegsfortbildung nach der Ausbildung
Bewerbungstipps
Da der Ausbildungsstart meist zum 1. August oder 1. September erfolgt, sollten Bewerbungen ab Herbst des Vorjahres verschickt werden, also 12 bis 18 Monate im Voraus. Anschreiben, tabellarischer Lebenslauf, die letzten beiden Schulzeugnisse und gegebenenfalls Praktikumsbestätigungen gehören in die Mappe. Im Vorstellungsgespräch wird häufig kaufmännisches Grundverständnis abgefragt, ebenso Kenntnisse über das Unternehmen und seine Produkte sowie Englischkenntnisse. Manche Unternehmen setzen zusätzlich einen standardisierten IHK-Einstellungstest mit Mathematik, Deutsch und logischem Denken ein. Wer glaubhaftes Interesse an Wirtschaft und internationalem Handel zeigt, bereits ein Handelspraktikum absolviert hat und grundlegende MS-Office-Kenntnisse mitbringt, überzeugt die Ausbilder, wobei Eigeninitiative und kaufmännisches Denken den Ausschlag geben.
Ratgeber
Im Mittelpunkt der Tätigkeit als Kaufmann für Groß- und Außenhandelsmanagement steht der Handel mit Waren: Angebote kalkulieren, Lieferbedingungen nach Incoterms prüfen, Bestellungen im ERP-System auslösen und im Außenhandel Zolldokumente über das ATLAS-System erstellen. Die dreijährige BBiG-Ausbildung bringt 620 bis 1.000 Euro, der Berufseinstieg liegt bei etwa 2.700 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Kaufmann für Groß- und Außenhandelsmanagement in der Ausbildung?
Wie lange dauert die Ausbildung zum Kaufmann für Groß- und Außenhandelsmanagement?
Welche Fachrichtungen gibt es beim Kaufmann im Groß- und Außenhandel?
Welchen Schulabschluss braucht man für diese Ausbildung?
In welchen Branchen und bei welchen Arbeitgebern kann man als Kaufmann im Groß- und Außenhandel arbeiten?
Welche Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
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