Wer die Schule mit Abitur oder Fachabitur verlässt, steht häufig vor derselben Frage: direkt in eine duale Ausbildung starten oder ein Studium beginnen? Beide Wege führen zu anerkannten Abschlüssen und guten Berufsperspektiven, unterscheiden sich aber in Struktur, Finanzierung und zeitlichem Verlauf deutlich.
Eine duale Ausbildung findet an zwei Lernorten statt: im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule. Sie dauert je nach Beruf zwischen zwei und dreieinhalb Jahren und wird von Anfang an vergütet, die Ausbildungsvergütung steigt in der Regel von Lehrjahr zu Lehrjahr. Ein Studium findet überwiegend an einer Hochschule statt, ist theoretischer ausgerichtet und dauert für Bachelor und Master zusammen meist zwischen drei und fünf Jahren. Ein Gehalt gibt es während des Studiums normalerweise nicht, möglich ist eine Förderung über BAföG, die teilweise als zinsloses Darlehen zurückgezahlt werden muss. Wer sich für ein Studium entscheidet, finanziert die Ausbildungszeit also häufig aus eigenen Mitteln, Nebenjobs oder Unterstützung der Familie, während Azubis ab dem ersten Monat ein eigenes Einkommen haben.
Kurzfristig liegt der finanzielle Vorteil klar bei der Ausbildung: Azubis verdienen bereits während der Ausbildungszeit Geld, während Studierende in dieser Zeit meist eher Kosten haben als Einnahmen. Nach dem jeweiligen Abschluss dreht sich das Bild häufig, Berufseinsteiger mit Studium starten oft mit einem höheren Einstiegsgehalt und haben im weiteren Karriereverlauf tendenziell größere Gehaltssprünge, sodass sich der anfängliche Vorsprung der Azubis über die Jahre verringern oder ausgleichen kann. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt jedoch sehr stark von der jeweiligen Fachrichtung, der Branche und dem individuellen Werdegang ab, pauschale Aussagen zum Lebenseinkommen greifen deshalb zu kurz. Wer vor allem früh finanziell unabhängig sein möchte, für den ist die Ausbildung im direkten Vergleich der planbarere Weg.
Ein Punkt wird bei der Entscheidung oft übersehen: Weder Ausbildung noch Studium sind eine endgültige Weichenstellung. Wer Abitur hat und sich zunächst für eine Ausbildung entscheidet, kann jederzeit im Anschluss ein Studium aufnehmen, das Abitur bleibt gültig. Auch beruflich Qualifizierte ohne Abitur können unter bestimmten Voraussetzungen, etwa nach einer Berufsausbildung mit Berufserfahrung oder einer Aufstiegsfortbildung, ein Studium beginnen. Umgekehrt ist ein Wechsel vom Studium in eine Ausbildung ebenfalls möglich, und die bereits vorhandene Vorbildung kann nach Paragraf 8 des Berufsbildungsgesetzes sogar zu einer verkürzten Ausbildungsdauer führen. Die Entscheidung zwischen beiden Wegen ist damit seltener ein Entweder-oder auf Lebenszeit, sondern häufiger eine Frage der Reihenfolge.
Neben Ausbildung und klassischem Studium gibt es mit dem dualen Studium eine dritte Option, die vielen Abiturienten nicht bekannt ist. Dabei werden Theoriephasen an einer Hochschule oder Berufsakademie mit Praxisphasen in einem Betrieb kombiniert, meist verbunden mit einer Vergütung durch den Praxispartner. Wer sich orientieren möchte, kann sich an der eigenen Arbeitsweise ausrichten: Wer praktisch veranlagt ist, früh eigenes Geld verdienen möchte und bereits ein konkretes Berufsbild vor Augen hat, findet in einer Ausbildung oft die passende Struktur. Wer in Richtung Forschung oder in einen regulierten Beruf wie Medizin oder Jura möchte, sich stärker für Theorie interessiert oder bei der genauen Fachrichtung noch unentschlossen ist, ist mit einem Studium häufig gut beraten. Beide Einschätzungen sind Tendenzen, keine festen Regeln, und lassen sich mit einem dualen Studium oder einem späteren Wechsel des Weges auch kombinieren.